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Geschichte > Traisa

Stand: 12.09.2012

 

 

 



 

Die Schule

Wie alt das älteste Haus Traisas in der Darmstädter Straße 4 ist, ist nicht belegt. Die Gestalt des Fachwerks deutet auf eine Bauzeit vor dem Dreißigjährigen Krieg hin, also um oder vor 1600. 1812 stand es zum Verkauf, sehr zur Erleichterung der Gemeinde, weil „es zum Schulhaus taugte“. Am Preis von 800 Gulden beteiligte sich das Kirchspiel Nieder-Ramstadt (mit Traisa und Waschenbach), dessen Pfarrer ja die Schulaufsicht ausübte, mit 100 Gulden. Kirchengemeinden in der Umgebung gaben Kredite.

Ein Jahr später begann der erste Traisaer Lehrer mit dem Unterricht in dem kleinen Haus, in dem er freie Wohnung hatte. Zu seinem kargen Gehalt, weitgehend in Form von Naturalien, mußte jedes Schulkind mit einem Gulden jährlich beitragen.

Bis dahin bestand die gemeinsame Schule des Kirchspiels in Nieder-Ramstadt für das gesamte Kirchspiel, und auch das erst seit 1576, zunächst im dortigen Rathaus, ab 1583 in dem noch bestehenden Fachwerkhaus gegenüber der Kirche.

Das älteste Haus markierte ursprünglich am „Fahrweg“ den Rand der Ortslage. Über ihn zogen die Pferde- und Ochsengespanne zu den damaligen „Fernstraßen“, befestigten Waldwegen vor der allgemeinen Motorisierung. Anschluß an das moderne Verkehrsnetz erfuhr Traisa dann 1871 mit dem Bau der Odenwaldbahn und 1898 mit dem Bau der heutigen B 449.

„Die alte Schule“ heißt das Haus Ludwigstraße 72 (früher Obergasse, später Eberstädter Straße) bei Einheimischen noch immer, obwohl hier seit Jahrzehnten kein Unterricht mehr gehalten wird. Sie ersetzte das erste Traisaer Schulhaus in der Darmstädter Straße 4, in dem seit 1813 über 100 Kinder in zwei Schichten in einer einzigen, kaum mehr als zwanzig Quadratmeter großen und weniger als zwei Meter hohen Stube unterrichtet worden waren.

Schon seit 1830 hatten der Landrat von Reinheim und der Pfarrer von Nieder-Ramstadt (der „Schulaufsichtsbehörde“ im Kirchspiel) hartnäckig mit der Gemeinde Traisa um eine Verbesserung der Schulverhältnisse ringen müssen, die in ihrer schwachen Finanzkraft ein großes Hindernis für einen Schulhausbau sah.

Auf rund 3000 Gulden war der Neubau veranschlagt, der dann 1834 doch vollendet werden konnte. Das Haus beherbergte einen Schulsaal von gut vierzig Quadratmeter , dazu eine Lehrerwohnung mit Räumen zur Straße (im linken Fenster Lehrer Wolf mit Frau) und im Obergeschoß . Ein Dachreiter für die Schulglocke zierte das Haus.

Kaum vierzig Jahre später entsprach die Schule mit wiederum über hundert Kindern nicht den Vorschriften des neuen Schulgesetzes. Statt eines behördlich geforderten zweiten Schulhaus-Neubaues richtete die Gemeinde im 1866 errichteten neuen Rathaus den Ratssaal im Obergeschoß als zusätzlichen Schulsaal ein.


Die alte Schule“ verlor ihre Funktion mit dem Neubau des heutigen, mehrfach erweiterten und modernisierten Schulhauses von 1906 in der Darmstädter Straße 38. Sie wurde Wohnhaus, umgebaut, aufgestockt und schließlich 2009 verkauft und wieder umgebaut.

Mit dem neuen Schulhaus von 1904 standen vier große und noch heute moderne Unterrichtsräume, dazu zeitgemäße Sanitäreinrichtungen und Bewegungsraum im Schulhof zur Verfügung. Die angestiegenen Schülerzahlen erforderten aber 1959 einen Erweiterungsbau für zwei weitere Schulräume, so daß für jede der inzwischen sechs Hauptschulklassen ein Raum bereitstand

Durch den Anstieg der Bevölkerungszahl nach dem Zweiten Weltkrieg war die Schülerzahl auf 250 angewachsen, darunter waren 19 Kinder aus Nieder-Ramstadt (Trautheim nordöstlich der Odenwaldstraße), 3 aus Darmstadt (am Böllenfalltor) und rund 50 Schüler aus dem Darmstädter Kinderheim Waldeck. Die Einführung des neunten Schuljahres als Regelschuljahr 1961 führte auf Beschluß der Gemeindevertretung zu einer Zusammenlegung der 9. Klasse mit der Schule in Nieder-Ramstadt. Seitdem waren auch Gespräche über die Bildung einer Mittelpunktschule als weiterführende Schule ab dem 5. Schuljahr im Gange. Gemeinsam gründeten die Schullträgergemeinden Traisa, Nieder-Ramstadt, Nieder-Beerbach, Frankenhausen und Waschenbach den Schulverband „Mittelpunktschule Nieder-Ramstadt“, der der ab 1980 auch für die Aufnahme der Traisaer Schüler ab dem 5. Schuljahr in Nieder-Ramstadt verantwortlich war. Traisas Schule blieb als Grundschule erhalten.

1970 übernahm der Landkreis kraft Gesetzes die Schulträgerschaft. Die Gemeinde Traisa schuf 1973 mit dem nahen Bürgerhaussaal eine angemessene Hallenfläche für den Schulsport.

Text:
Volker Teutschländer

Quellen:
Karl Dehnert

Hans Krämer

Friedrich Wegt







Das älteste Haus und die älteste Schule in Traisa
Darmstädter Straße 4



Die „Alte Schule“
Ludwigstraße 72



Die Schule von 1906 in der Darmstädter Straße 38