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Geschichte > Traisa

Stand: 31.05.2010







Traisaer Pfannkuchen

Autor
Karl Dehnert





Das Originalrezept des Traaser Pannekuche:

Zutaten für 2 Personen:

3 hochgehäufte Kochlöffel Mehl
3 Eier, getrennt
1 Tasse Flüssigkeit
(halb Milch, halb Wasser)
Salz und Zucker nach Geschmack

Zubereitung:

Mehl, Milch und Eigelb verrühren und mit Salz und Zucker abschmecken. Dann erst das zu Schnee geschlagene Eiweiß leicht unter den Teig heben.

In heißem, nicht siedendem, schwimmendem Fett backen. Man läßt dazu den fast flüssigen Teig vom Rand her langsam einlaufen. Wenn der Teig von unten goldgelb geworden ist, mit 2 Schaufeln wenden und backen, bis das Ganze gleichmäßig goldgelb geworden ist.

Serviert wird

zu süßen Pfannkuchen Obst, Obstsaft oder Weincreme, zu salzigem Pfannkuchen Salat.


Traaser Pannekuche“ ist der Schimpf-, Spitz- oder Unname, den vornehmlich Spötter aus den mißgünstigen Nachbarorten den Traisaer Einheimischen anhängen. Wie solchermaßen Verspottete anderenorts so halten auch Traisas Einheimische entgegen, daß der Spott der Nachbarn im Grunde deren blankem Neid entspringe. Schließlich sei Traisa wegen seiner typischen Pfannkuchen ausgesprochen berühmt gewesen.

Karl Dehnert, Kenner der authentischen Traisaer Geschichte, weiß, wie es wirklich war:

Der Mahr-Riedmattersche Gasthof war schon zum Ende des 18. Jahrhunderts Dreh- und Angelpunkt eines ansehnlichen Fremdenverkehrs in Traisa. Spezialität des Hauses: Traisaer Pfannkuchen!

In der Küche eines so stark besuchten Ausflugslokals wurden viele Hände gebraucht. Die hier beschäftigten Frauen und Mädchen waren bemüht, ihren Kindern oder Geschwistern immer einmal die Köstlichkeit eines solchen Pfannkuchens zukommen zu lassen: Unter der Schürze versteckt schafften sie sie im Eilschritt hinüber zum Nachbarn, dem „Daube Hannes“. Er hatte seinen Vorrat an Winterbrand in einem Holzstoß an der Hofeinfahrt aufgeschichtet. Darin fanden sich genügend Lücken, in denen sich die abgezweigten Pfannkuchen verstecken ließen.

Jedes Kind wußte seinen genauen Platz im Holzstoß, aus dem er sich am nächsten Tag auf dem Heimweg von der Schule bediente. Es soll noch betagte Traisaer geben, deren „Mund wäßrich wird“ wie der von Frau Puttel aus dem „Tollen Hund“ von Ernst Elias Niebergall.


Und was sind Traisaer Pfannkuchen?


Viele Eier, etwas Mehl zur Bindung und geheimgehaltene weitere Zutaten, die ohne Zuschauer – selbst das Personal mußte bei dieser Handlung die Küche verlassen – wurden zu einem Teig gerührt und geschlagen . . .“ So heißt es im vergriffenen Heft des Verkehrsvereins Traisa. Darin heißt es aber weiter: „Das Rezept ist heute unbekannt, da die wenigen Eingeweihten das Versprechen abgegeben hatten, das Rezept zeitlebens geheim zu halten.“

Jahrzehntelang schien das Rezept verschollen. Karl Dehnert konnte anläßlich der Ausstellung

650 Jahre Traisa“

im Jahre 1966 die letzte noch lebende Eingeweihte, Frau Ruch (†), überzeugen, einen Pannekuche nach dem Originalrezept für die Ausstellung zur 650-Jahr-Feier zu backen und auch das Rezept zu überliefern, um auch folgenden Generationen den Traisaer Pfannkuchen zu erhalten. Siehe Spalte rechts.