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Geschichte > Traisa

Stand: 30.03.2013

 

 

 




 

Die Entstehung Traisas und seines Namens

Text:
Karl Dehnert †




Einwohner:

1861: 593
1907: 963



Namen:

1316
Nieder Treyse an der Trusbruckin
1420 Treyse
1451
Obern Treysan, Nyddern Treysan
1506 Dreys, Dreiß
1512
Ober-, Mittel-, Niedern-Treyse
1527
Niderntreyßa, Obertreyßs
1571
Nidern Treysa, Treysa
1730
Trayßa, Nieder-Trayßa
1451 Obern Treysan



„Driesch"

Driesche oder Driesch sind alte Bezeichnungen für vorübergehend ackerbaulich ungenutzte Flächen. In der früheren Feldwirtschaft wurden in bestimmten Zyklen erschöpfte Äcker zur Regenerierung des Bodens zeitweise brach liegen gelassen, bis sie wieder in Ackerland umgewandelt wurden
.



Der Dippelshof

bei Traisa wird häufig als Standort des untergegangenen
Ober-Traisa
angenommen.

Georg Wilhelm Justin Wagner schreibt 1862 in „Die Wüstungen im Großherzogtum Hessen“:

„Der heutige, . . . , Dippelshof soll ehemals ein kleines Dorf gewesen sein und, im Gegensatz zu Niedertraisa den Namen Obertraisa geführt haben. Zweifelhaft ist Obertraisa nach den [vorstehenden] Urkunden durchaus nicht; nur möchte dieser Ort mehr nördlich von Dippelshof und da gelegen haben, wo auf den Weg von Oberramstadt nach Traisa bei der Eisernhand der von der Fuchsenhütte kommende Weg stößt.

Dagegen Mittel-Traisa: Wenn ein solches bestanden haben sollte, auf dem Wege von der Eisernhand nach Traisa und vielleicht da lag, wo auf diesen der vom Bessunger Forsthaus kommende sogenannte Traisaer Weg ziehet.“

In dem oben ausgelassenen Halbsatz unterliegt Wagner der häufigen Verwechslung des Dippelshof-Erbauers Johann Albert Dippel mit seinem Bruder, dem berühmten Chemiker Johann Konrad Dippel.





Extrahierter Grenzstein der ehem. Mark Ober-Traisa,
Material aus dem ehem. Melaphyr-Steinbruch „Kausert“



Grenzstein am ursprünglichen Standort,
geweißt



„Ansicht des Dippelshofes, um 1816“
Johann Conrad Susemihl
, in: Historische Ortsansichten <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/oa/id/3268> (Stand: 2.10.2007)

 

In der Regierungszeit Kaiser Karls des Großen wurde das Rhein-Main-Gebiet zu einem politischen und kulturellen Schwerpunkt des damaligen Frankenreiches. Auch das Straßennetz wurde systematisch ausgebaut, teilweise auf den früheren römischen Heerstraßen aufbauend. Zur Sicherung der Straßen wurden „Königshöfe“ eingerichtet, die etwa eine Tagesreise auseinander lagen. Diese Königshöfe sind oft die Keimzellen für spätere Ortschaften gewesen.

Auch die Nutzung des Bodens wurde intensiviert, durch Rodungen wurden neue Siedlungsflächen geschaffen. In mehreren solcher Siedlungsperioden erfolgen zahlreiche Ortsgründungen, von denen jedoch in der Folgezeit viele wieder eingingen.

In unserer näheren Umgebung dürfte ein großer Teil der Ortschaften im Zuge dieser Rodungen im 10., 11., 12. Jahrhundert entstanden sein. Es ist anzunehmen, daß auch das heutige Traisa in dieser Zeit seinen Ursprung hat und seine Gemarkung von Nieder-Ramstadt aus erschlossen wurde. Für diese Annahme gibt es keinen Beweis. Da jedoch die Besiedlung unseres Raumes in der fränkischen Zeit modauaufwärts erfolgte, ist dieser Gedanke naheliegend. Der Ortsname gibt keinen Hinweis, wann Traisa entstanden sein könnte.

Der Name „Traisa" hat nichts mit »drei Seen" zu tun. Ebensowenig gibt es einen Beweis dafür, daß die Endsilbe „a" im heutigen Namen ein Hinweis auf das altdeutsche „aha“ = Wasser sein soll, wie von verschiedenen Autoren angenommen wird. In der ältesten Schreibung erscheint die Endsilbe „a" nämlich nicht, sie wird erst im 18. Jahrhundert Namensbestandteil. Die ältesten Namen sind „Dreysen, Dreyste, Trense, Dreisz, Dres usw.", die das althochdeutsche Wort „Driesch" enthalten, das unbebautes, von Bächen und Büschen durchzogenes Land bedeutet. Der Kenner unserer heutigen Gemarkung wird trotz der Kultivierung des Bodens und der weitgehenden Bebauung sich vorstellen können, daß im früheren Mittelalter das durch die Bezeichnung Driesch ausgedrückte Landschaftsbild für die Traisaer Gemarkung zutreffen mußte.

 

Es waren der Dreysen drei gewest . . ."

 

Mit dem auslaufenden 10. Jahrhundert bilden sich die Territorialherrschaften aus. Neben der Ausübung der Grafenrechte begünstigen grundherrliche Rechte und Vogteien sowie Schutzherrschaften über Reichsgüter den Ausbau der Landhoheiten durch die Adelsgeschlechter. Aus den ursprünglich dem niederen Adel entstammenden Dienstmannen des Reiches, den Reichsministerialen, wurden die Herren kleinerer Herrschaften, die ihren Besitz oft auf Kosten des ehemaligen Reichsgutes zu mehren trachteten. Da inzwischen Titel und Herrschaft erblich geworden waren, verstärkte sich der Einfluß der adligen Familien auf die Entwicklung einzelner Landschaften bedeutend.

Im südlichen Hessen, besonders im Vorderen Odenwald, stießen die Interessen der im hinteren Odenwald ansässigen Grafen von Erbach auf die der Grafen von Katzenelnbogen, deren Stammland, die „Niedergrafschaft", an Rhein und Lahn lag. Letztere konnten 1259 die ehemalige Grafschaft Bessungen und den Königshof Gerau als erledigte Lehen einziehen. Es gelang ihnen in der Folgezeit, ihren eigenen Machtbereich zu festigen und in Richtung Odenwald zu erweitern. So können sie im 13 und 14. Jahrhundert ihren Einfluß modauaufwärts bis Neunkirchen und im Gersprenz- und im Fischbachtal ausdehnen. Dieser Teil ihrer Besitzungen wird, im Gegensatz zu den an Mittelrhein und Lahn liegenden, „Obergrafschaft" genannt. Der erbachische Einfluß erreichte dagegen die Linie Gadernheim, Beedenkirchen und die Bergstraße mit Seeheim. Zwischen beiden Grafschaften konnten sich kleinere Herrschaften halten.

In der Traisaer Ortsgeschichte spiegelt sich diese Interessenlage ungewollt wider, denn es gibt in der ältesten Zeit einen erbachischen und einen katzenelnbogener Abschnitt. Eine kleine Rolle spielt auch der zwischen Rhein, Main, Odenwald und Modau gelegene Wildbann in der Dreieich. Außerdem bestanden drei getrennte Ortschaften, nämlich Nieder-, Mittel- und Obertraisa. Den Lauf der Geschichte, wie aus diesen Teilen ein Ganzes wurde, zeigen die Ausführungen auf den weiteren Seiten.

 

Mittel- und Ober-Traisa bis zum Übergang an Hessen

 

Wann die Grafen von Katzenelnbogen ihre Gerechtsame in Ober- und Mittel-Traisa erwarben, ist nicht bekannt. In einer Aufstellung über die Fruchteinkünfte des Grafen Wilhelm in der Obergrafschaft aus dem Jahre 1315 wird der Hof in Traisa aufgeführt. Weitere Verzeichnisse von 1324 und 1325 sprechen von Abgaben des Herrnhofs, den Alhelmus von Dreisen innehat, und des Hukesholnhofs, auf dem C, genannt Rubreth, sitzt.

Erst um das Jahr 1386 folgt eine weitere Nachricht. In einer Liste der Lehnsleute des Grafen Eberhard ist Johann Bach zu Waschenbach verzeichnet, der vom Grafen „Henne Lutzinsons Hof und zwei Teile des Zehnten zu Oberdreysin" zu Lehen hat. Damit steht fest, daß die Katzenelnbogener die Herren von Ober-Traisa waren

Auch für Mittel-Traisa sind ihre Rechte eindeutig bezeugt, denn das Landgericht von Ober-Ramstadt hat 1422 die Rechte der Grafen bestätigt: „Uff heide han die bergscheffen zu Oberramstadt vur ein recht gewiset, daz myn Jungher (der Graf) oberster herre und faut (Vogt) sii zu Mittelntreise und waz darzu gehöret und nymands anders." Mit diesem Urteil sind aber auch alle Zweifel an der Existenz von Mittel-Traisa ausgeräumt.

In der Folgezeit verbleiben Mittel- und Ober-Traisa unter katzenelnbogischer Herrschaft bis zu deren Aussterben im Mannesstamm 1479. Durch Erbschaft geht die Grafschaft Katzenelnbogen an Landgraf Heinrich III. von Hessen über, der seit 1458 mit Anna von Katzenelnbogen, der Tochter des Grafen Philipp des Älteren, verheiratet war. Letzterer hatte schon 1470 seinem Schwiegersohn die Regentschaft übergeben. Bei der Übernahme der Grafschaft Katzenelnbogen durch Landgraf Heinrich III. von Hessen mußten alle katzenelnbogische Untertanen ihrem neuen Herrn huldigen und den Treueid schwören.

Darüber geben uns die Notizen des hessischen Kammerschreibers Johann Fleck Hinweise, der die Huldigung entgegennahm. Der neue Herr führte sich durch einen Freitrunk ein, dessen Kosten von Fleck getreulich notiert wurden. Es heißt dann unter dem Abschnitt „Uszgift denihenen, alsie ire huldunge haben gethan:" ... am 19.August 1479 - „Treyse, Nidderramstadt, Wassenbach 2 Gulden semptlich zu vertrincken."

Damit waren nicht nur Ober- und Mittel-Traisa, sondern auch die in Nieder-Traisa mit dem gesamten Kirchspiel Nieder-Ramstadt (zu dem auch Waschenbach gehörte) stehenden ehemals katzenelnbogischen Untertanen an Hessen übergegangen und fortan mit dem Schicksal der Landgrafschaft verbunden.

 

Nieder-Traisa bis zum Übergang an Hessen

 

Das Kloster Höchst kauft Nieder-Traisa

 

Nieder-Traisa wird zum ersten Male in einer Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1316 erwähnt. Am 1. April jenes Jahres verkaufte Eylia Groschlag ihre Vogtei in „Nieder-Traisa an der Truszbrücke mit dem Gericht und allen Zubehörungen“ an den Abt Benno und den Konvent des Klosters Höchst im Odenwald.

Die Groschlag waren eine in Dieburg ansässige, begüterte Familie, die im Jahre 1799 ausstarb. Ihr letzter Besitz war Messel, das an Kurmainz zurückfiel und erst im Jahre 1806 an Hessen kam. Die Farben der Groschlag, Silber und Rot auf blauem Grund, kehren im amtlichen Traisaer Ortswappen wieder, als Hinweis auf die frühere Herrschaft.

Traisa muß ehemals ein kleines Dorf gewesen sein, da in der Verkaufsurkunde ausdrücklich auf das Gericht verwiesen ist; Einzelhöfe besaßen kein Gericht. Die Urkunde gibt noch interessante Hinweise auf den Namen und die Lage des Ortes. Im Urkundentext wird ausdrücklich Nieder-Traisa erwähnt, was nur verständlich ist, wenn damals schon die Bezeichnungen Mittel-Traisa und Ober-Traisa in Gebrauch waren, die erst viel später urkundlich erwähnt wurden, nämlich 1422 bzw. 1386.

 

Nieder-Traisa an der Drusbrücke

 

Der Vermerk über die Lage Nieder-Traisas an der „Truszbruckin" mag im ersten Augenblick überraschen, denn mit der „Truszbrücke" ist der Modauübergang an der Koppenmühle im Mühltal zwischen Nieder-Ramstadt und Eberstadt gemeint, der vom Traisaer Ortskern mehr als eine halbe Stunde Weges entfernt liegt. Die Erwähnung der Truszbrücke als Fixpunkt spricht für deren damalige Bedeutung als Modauübergang im Verlaufe der schon mindestens seit der Römerzeit bekannten Verbindung vom Rhein und der Bergstraße nach Dieburg und zum Main. Durch die Nieder-Ramstädter und Traisaer Gemarkung führte sie im Mittelalter als „Dieburger Straße", deren Verlauf und Name heute noch erhalten sind.

Da damals die Verbindungsstraßen Nieder-Ramstadt - Ober-Ramstadt und Trautheim - Nieder-Ramstadt - Ober-Ramstadt noch nicht existierten, war dies die einzige bedeutende Straßenverbindung, die Traisa berührte. Wenn man, von der Bergstraße kommend, die Truszbrücke in Richtung Dieburg passierte, war das nächste Dorf Nieder-Traisa, weshalb die Lagebezeichnung durchaus verständlich ist, zumal leichter merkbare Bezugspunkte fehlen.

In jüngster Zeit geäußerte Meinungen, die Truszbrücke sei in einer Vorgängerin der heutigen Brücke am „Dreieck", an der Abzweigung der durch Nieder-Ramstadt führenden (alten) B 426 zwischen Chausseehaus und der Firma Wacker und Doerr, zu suchen, ist abwegig, da die Straßenverbindung Trautheim - Dreieck erst 1898 geschaffen wurde und eine Brücke vorher an dieser Stelle nicht bestand.

 

Erbach tauscht Nieder-Traisa an Hessen

 

Nach mehr als 50 Jahren geistlicher Herrschaft, von denen keine Nachrichten über Personen oder Höfe vorliegen, wird Nieder-Traisa 1372 vom Kloster an die Schenken von Erbach verkauft mit dem Recht des Rückkaufes, von dem jedoch nie Gebrauch gemacht wurde. Es wird dem erbachischen Amt Tannenberg-Seeheim zugeteilt. Aus der Erbacher Zeit fehlen leider fast alle Urkunden, da diese im Jahre 1944 in Darmstadt vernichtet wurden.

Einiges läßt sich jedoch aus der Literatur zusammentragen. In einem Gültbuch des Amtes Tannenberg werden vor 1396 drei, nach 1396 acht Nieder-Traisaer Bauern aufgeführt, die ablieferungspflichtig sind. Auch ein Hofgut wird erwähnt.

Am 29. 1. 1420 verkaufen Hademar von Laber und seine Frau, eine geborene Schenkin von Erbach, Nieder-Traisa mit einer Reihe anderer Ortschaften im vorderen Odenwald an den Pfalzgrafen Ludwig, der am 19. 12. 1420 alle Ortschaften, also auch Nieder-Traisa, wieder an einen Onkel der Vorgenannten, an Schenk Konrad den Älteren, verkauft; womit die Erbacher Herrschaft bestehen bleibt.

Neben dem Grafen von Erbach haben aber auch noch die Grafen von Katzenelnbogen Rechte in Nieder-Traisa, denn im Landsteuerregister von 1408 und 1425 haben einige Bauern in Nieder-Traisa Abgaben an die katzenelnbogische Kellerei zu entrichten. Außerdem wird 1449 von einem Streit zwischen dem Kloster Lorsch und Hans von Walbrun wegen Meinungsverschiedenheiten über Abgaben vom Wilkensguth in Nieder-Traisa berichtet, den Hans von Walbrun gewinnt. Die Walbruner aber waren katzenelnbogische Lehnsleute.

Später stiftet Wilhelm von Walbrun im Jahre 1504 für sein und seiner Ehefrau Seelenheil eine ewige Messe und gibt dafür an den Marienaltar in Zwingenberg jährlich 20 Malter Korn, zu deren Lieferung das Wilkensguth in Nieder-Traisa verpflichtet wird. Dieses Gut wird 1551 Hofgut der Pfarr zu Zwingenberg genannt.

Während der bayerischen Fehde 1504 fällt der Landgraf von Hessen in die erbachischen Lande ein, weil die Erbacher als Dienstmannen der Kurpfälzer Gegner des Kaisers sind, für den die Landgrafschaft Hessen eintritt. Im Jahre 1510 werden die Differenzen zwischen Erbach und Hessen beigelegt. Im Verlauf der Verhandlungen bietet Erbach dem Landgrafen das Dorf Nieder-Traisa als Lehen an, doch wird es von Hessen nicht angenommen. Erst im Jahre 1527 kommt Traisa im Tausch gegen hessische Rechte in Seeheim an die Landgrafschaft.