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Geschichte > Mühltal

Stand: 31.05.2010





Das Traisaer Hügelgrab

Autor
Karl Dehnert






Vor- und Frühgeschichte im Mühltal:






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Das Traisaer Hügelgrab
mit 3 Beigaben



Einzelgrableute,
Urnenfelderleute,
Bechervölker,
Schnurkeramiker,
Bandkeramiker:

Bezeichnungen für Kulturgruppen nach ihren Bräuchen bei Bestattungen oder „Moden“ bei der Verzierung von Gebrauchsgegenständen.

Zum Beispiel:
Schnurkeramiker nach den mit Schnüren eingedrückten Verzierungen in ihren Tongefäßen.



Daniel Walter (Nieder-Ramstadt)

sammelt auf seiner Internetseite anschauliches Informationsmaterial zur Frühgeschichte unseres Raumes:


Hanns Rauch (†) . . .


. . . hat im Traisaer Heimatbuch von 1966, herausgegeben aus Anlaß der 650-Jahr-Feier der Gemeinde Traisa, ausführlich Zeugen der Vergangenheit beschrieben – konkret: Zeugenaussagen von Bodendenkmälern. Im Vorwort dazu hat der damalige Leiter des Amtes für Bodendenkmalpflege im Regierungsbezirk, Dr. W. Jorns, bereits „schöne Beispiele einer dem Ganzen dienenden Heimatforschung“ gelobt:

Der durch W. Soldan vor mehr als 60 Jahren in der Nähe des alten Sportplatzes untersuchten Grabhügel ist schon damals so konserviert worden, daß jederzeit sich Besucher Aufbau und Inhalt dieser bronzezeitlichen Grabstätte vorstellen konnten.“

Leider stimmt das inzwischen nicht mehr, denn der interessierte Besucher findet weder die Grabhügel am heutigen Kiefernweg noch die Hügelgräber in der näheren Umgebung, vornehmlich in den angrenzenden Gemarkungen Bessungen und Ober-Ramstadt. Die Hinweistafeln, die älteren Einheimischen noch bekannt sind, sind verschwunden, ebenso Einfriedigungen und andere Kennzeichen.

Hanns Rauch schreibt:

Zu den ältesten Zeugen menschlicher Besiedlung in unserer Landschaft gehören die Hügelgräber. Etwa um das Jahr 2000 v. Chr., gegen Ende der Jungsteinzeit, ist durch die Bechervölker, wie die nordwestdeutschen Einzelgrableute und die mitteldeutschen und böhmischen Schnurkeramiker, der Bau von Grabhügeln auch bei uns ein lange geübter Totenbrauch geworden. ... Die Hügelgräber unserer näheren Umgebung liegen teils an Altwegen, teils bilden sie recht beachtliche Totenstädte.“

Die eingangs erwähnte Gräbergruppe in Traisa ist die bedeutendste im Mühltal und in der nahen Umgebung. Sie liegt am Anfang des Traisaer Weges zu dessen beider Seiten zwischen Waldrand und der Alten Ober-Ramstädter Straße. Sie enthält das bekannte Traisaer Hügelgrab, das von Soldan 1902 ausgegraben wurde. Rauch zitiert den Grabungsbericht von 1902:

Bei der ersten Untersuchung mit der Erdsonde spürte ich in dem Hügel eine umfangreiche, kreisförmige Steinsetzung, die ich aufdeckte. Sie mißt 9,20 m im Durchmesser und ist aus teilweise zentnerschweren Blöcken ziemlich regelmäßig aufgebaut. In dem von SW nach NO gerichteten 2,20 m langen, 0,80 m breiten und zirka 0,60 m tiefen, gleichfalls aus einer Steinsetzung bestehenden eigentlichen Grabbau lag ein 1,70 m langes Skelett, dessen Untersuchung interessante Einzelheiten ergab. Der noch gut erhaltene, wohlgebildete dolichocephale Schädel zeigte, daß hier ein noch ziemlich junger Mann, der noch alle Zähne besaß, bestattet worden war und ließ zugleich erkennen, daß er eines gewaltsamen Todes gestorben war. Denn der Schädel zeigte rechts auf der Rückseite eine noch unverheilte Knochenverletzung, die tödlich gewesen sein muß. Das Skelett war in den Fußgelenken, in den Kniegelenken, am Hüftgelenk sowie an Genick und Kopf durch quergesetzte Steine gestützt. Die Beigaben bestanden in einer auf der Brust gelegenen Bronzenadel, einer größeren und zwei kleineren schön verzierten Urnen und einer flachen Schale. Den Beigaben nach gehört das Grab der Bronzezeit an.

Waffen wurden nicht gefunden, aber einzelne Löcher und nicht charakteristische prähistorische Scherben sowie die Reste eines zweiten, kleinen Steinkreises lassen vermuten, daß an derselben Stelle vorher schon einmal eine Bestattung stattgefunden hat. Von Interesse sind auch vier Löcher, von denen drei in einer geraden Linie sitzen. Diese Löcher waren mit Humus gefüllt, in dem reichlich Kohlenreste lagen. Sie stammen wohl von einer Hütte her, die hier gestanden hatte, bevor das ältere Grab angelegt worden war.“

Soldan berichtet noch von weiteren Gräbern, die aber, "mit einer Ausnahme, trotz sorgfältigen Nachsuchens nicht aufgefunden werden konnten. Das oben beschriebene Begräbnis ist nach neueren Erkenntnissen in die Übergangszeit zwischen Hügelgräber- und Urnenfelderkultur, also etwa ins Jahr 1200 v. Chr. einzuordnen.“

Die Traisaer Funde fallen durch deutlich sichtbare, sehr seltene „eingekerbte“ Verzierungen auf. Deshalb werden sie als „Kerbschnitt-Keramik“ bezeichnet. Davon gibt es außer in Traisa nur noch eine Fundstätte in Hessen.