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Geschichte > Traisa

Stand: 2. Mrz 2013

 

 

 


 

Wanderziele mit historischen Namen


Aus dem Festbuch des Gesangvereins „Eintracht“ Traisa 1913


„Von alters her ist Traisa als Ausflugsort beliebt, und das mit Recht. Bietet doch ein Spaziergang auf den verschiedensten Wegen durch prächtige Laub- und Nadelwaldungen, an herrlichen Waldwiesen und rieselnden Bächlein vorüber einen eigenen Reiz und Genuß.“


So aktuell klingt es im Festbuch des Gesangvereins „Eintracht“ Traisa zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1913, „herausgegeben vom Preßausschuß unter Verantwortung von F. R. Heydt für den gesamten Inhalt“. Heydt hat Spaziergänge der Darmstädter nach Traisa beschrieben und schildert begeistert eine Runde um das Dorf, wie sie im wesentlichen heute noch begangen werden kann. Bei der nachstehenden Wiedergabe der damaligen Wanderempfehlungen soll auch auf die Schilderungen von Landschaft und Geschichte im Sprachstil der damaligen Zeit nicht verzichtet werden. Deshalb weiter im Text des Festbuches:


Beim Austritt aus den Waldungen aber erblicken die Augen ein Bild von entzückender Pracht auf die Höhen und Hügel, die den idyllisch gelegenen Ort umschließen. Auch die leiblichen Bedürfnisse kommen nicht zu kurz, für Speisen und Getränke war stets ausreichend und gut gesorgt. Ja, die 'Traisaer Pfannkuchen' erfreuten sich sogar in früheren Jahren eine gewissen Berühmtheit.

Eine ganze Reihe hübscher Wege führen von Darmstadt nach hier und umgekehrt:


Von Darmstadt nach Traisa

I.


Vom Böllenfalltor links den Ober-Ramstädter Weg entlang, am Forstgarten vorüber an 'Paul Trinkglas' [1] (hier kamen in früheren Zeiten alljährlich einmal die Vertreter der vier aneinandergrenzenden Gemarkungen Nieder-Ramstadt, Bessungen, Ober-Ramstadt und Traisa [2] zu einem Frühstück zusammen), vorbei, über die Odenwaldbahnbrücke und dann den Traisaer Pfad entlang nach unserem Ort. Etwa 30 Minuten.


II.


Von der Nieder-Ramstädter Straße links am Alten Schießhaus[3] den Traisaer Pfad entlang, an der 'Wilden Sau' [4], der 'Klipsteinseiche' und der 'Loreybuche' [5] vorbei bis zur Odenwaldbahnbrücke und dann wie vorher. Etwa 35 Minuten.


III.


Vom Böllenfalltor rechts den Fußpfad neben der Nieder-Ramstädter Chaussee entlang, am 'Alten Haus' [6] vorüber bis zum Waldrand und dann die verschiedenen Wege weiter, die man bis Traisa vor sich sieht. Etwa 40 Minuten.


IV.


Von der Roßdörfer Straße aus beim Botanischen Garten rechts auf dem 'Schnampelweg' am Darmbach her bis zur Backofenschneise, rechts geradeaus bis zur Odenwaldbahnbrücke und dann weiter wie bei 1. und 2. Etwa 45 Minuten.


Spaziergängerziele von Traisa aus sind zu empfehlen:


Eleonorenbrunnen, Weberbuche, Klipsteinseiche, Bismarckturm, Kirchberg mit Teich, Lindenberg, Bordenberg, Waltersteich, Forstmeisterteich mit Darmbachquelle, Ludwigstempel, Diebsbrunnen, Ludwigseiche, Forsthaus Eisernhand, Bessunger Forsthaus, Walderholungsstätte. . . .


Ein Rundweg:


Dankbar und leicht zu finden ist nachstehender Rundgang, der so recht die Schönheit des Festortes und ein Stück seiner nächsten Umgebung zeigt:

Durch die Darmstädter Straße zum Waldrand, die Waldstraße rechts einbiegend, am Behälter des Wasserwerks vorbei auf den Ober-Ramstädter Weg. Vorher herrliche Aussicht auf den Kirchberg, Frankenstein, Felsberg, Neunkircher Höhe mit Kaiserturm. Nach wenigen Minuten rechts an der sogenannten 'Sandkaute' das mit Draht eingezäunte und unter Denkmalschutz stehende Hünengrab (im Volksmund 'Heunengrab' geheißen).

Hier wurden vor mehreren Jahren Ausgrabungen vorgenommen, die ein fast 6000 Jahre altes und gut erhaltenes Skelett zutage förderten, dessen Haupt sowie zwei kleine Urnen sich im Landesmuseum befinden, während die übrigen Teile wieder eingebettet wurden. Wenige Minuten weiter links, am 'Steinbuckel' wurden vorzeitliche Wohnstätten, Pferdeställe wie eine Anzahl Gräber aus der Stein- und Bronzezeit bloßgelegt, auch Waffen und sonstige Gegenstände aufgefunden. Heute ist alles wieder verschüttet.

Den Ober-Ramstädter Weg geradeaus weiter, nach etwa 20 Minuten links das Forsthaus 'Eisern Hand' und gegenüber rechts der 'Dippelshof'.

Jetzt entweder geradeaus bis zum Waldrand mit entzückendem Ausblick, und dann rechts hinter dem Dippelshof auf den Weg, der in halber Höhe hinter demselben wieder nach Traisa führt, oder den Fußpfad um den Dippelshof auf dem gleichen Weg, der abwechselnd herrliche Bilder aufweist, besonders auch auf den 'Dippelshof', wo im 17. Jahrhundert der bekannte Chemiker und Theologe Joh. Konr. Dippel [7] einige Jahre wohnte.

Heute [1913!] ist das Gut Wohnsitz des Herrn Oberstleutnant Bullrich, der die Gebäulichkeiten zu einem schönen Herrensitz erweiterte und ein bedeutendes Obstbaumgut aus dem Ländereien machte.

Den Weg weiter, gegen Traisa zu, am Birkenberg oder 'Köpfchen' entlang. Unten im Wiesengrund der Ohlebach mit mehreren Quellen, der in die Modau fließt. Gesamtmarschzeit, je nach Bequemlichkeit, 1 ¼ - 2 Stunden. . . .“

 

Geschichtl. Randbemerkungen:
Karl Dehnert †

Volker Teutschländer





[1]
Paul Trinkglas:

Buche an der Alten Ober-Ramstädter Straße, etwa 200 m westlich des doppelten Dreimärkers. „Des Paulen Trinkglas“ soll nach den Grenzgängen an ihrem Stamm zerschmettert worden sein.



[2]
Schreibfehler im Original:
Statt „Nieder-Ramstadt“ heißt es dort irrtümlich „Darmstadt“.


.

[3]
Das alte Schießhaus
etwa an der Stelle der
heutigen Georg-Büchner-Schule in Darmstadt (Nieder-Ramstädter Straße). Nicht zu verwechseln mit dem heutigen (Sport-)Schützenhaus nahe dem Forsthaus Böllenfalltor.



[4]
Wilde Sau:
Waldrevier südl. der Lichtwiese, heute durchquert vom Fernwanderweg Odenwald – Vogesen. Markierung:





[5]
Die Loreybuche,
benannt nach einem Forstmann, ist noch heute in den meisten Wanderkarten verzeichnet, aber schon 1944 zu Brennholz verarbeitet worden. Um den mächtigen Stamm waren rundum Ruhebänke angeordnet, unter der weiten Krone feierten Darmstädter und Bessunger Vereine ihre Waldfeste. Standort: Im Winkel zwischen der Odenwaldbahn und dem Klipsteinseichenweg, nahe der Eisenbahnbrücke.



[6]
Der Alte Hans:
Eine hohle Eiche am Nieder-Ramstädter Fußpfad (ein früherer Milchpfad) zwischen Weinweg und den Vier Buchen, die jahrelang einem alten Mann als Nachtquartier diente.



******)
Joh. Konrad Dippel

wohnte nie auf dem Dippelshof. Das ist eine Verwechslung, die auch heute noch vielfach weitergegeben wird. Richtig ist: Nicht er, sondern sein Bruder Johann Albert, der jüngste Sohn des Nieder-Ramstädter Pfarrers Dippel, erwarb 1710 den verwüsteten Hof und baute ihn wieder auf.