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Geschichte > Traisa

Stand: 19.11.2012

 

 

 



 

Vom Hessischen Hof, ehem. Schwarzer Adler


Oder: Beim Beuemåster Philipp

Die älteste Gastwirtschaft in Traisa war der frühere „Hessische Hof“ gegenüber dem Traisaer Rathaus, ursprünglich mit Namen „Zum Schwarzen Adler“. Ein „Hofmann“ Jakob sitzt auf dem Hof, „der wohl 1760 Adlerwirt wird“ (Dr. Wendel Mertz im TGT-Mitteilungsblatt vom Juli 1959). Im Ort gab es eine weitere Gastwirtschaft, eine dritte auf dem Dippelshof.

Seine etlichen Kinder sterben früh oder ziehen von Traisa . Die Adlerwirtschaft geht an den Schöffen Johannes Rindfrey, aus einer bekannten Traisaer Familie, der aber ebenfalls wegen eines fehlenden Nachfolgers den „Adler“ abgibt, und zwar 1801 an die Familie Walter. Sie betreibt bis 1966 die Schankwirtschaft im Familienbesitz und ist auch nach über zwei Jahrhunderten Eigentümerin der stattlichen ortsbildprägenden Hofreite ist.

Im letzten halben Jahrhundert des Schankbetriebes gingen Einheimische gewöhnlich zum „Bürgermeister Philipp“, wenn sie in den Hessischen Hof gingen. Es lag an des Gastwirts und Bürgermeisters Philipp Walter gutem Ruf und desjenigen seiner Nachkommen, weshalb auch nach Ableben des Bürgermeisters Walter bis in jüngste Zeit der „Beuemåster Philipp“ ein Begriff blieb.

In der Zeit von 1900 bis 1914 wurde die Infrastruktur in Traisa entscheidend verbessert. Die Entwicklung ist mit dem Namen zweier Männer verknüpft, die die Gunst der Stunde zusammenführte: Philipp Walter war Ortsoberhaupt von 1897 bis 1916, einer Blütezeit der Gemeinde, während der die Schule und das Feuerwehrhaus gebaut werden konnten und der Fremdenverkehr zu stattlicher Blüte anwuchs. Oberstleutnant a. D. Friedrich Wilhelm Bullrich, der 1898 den Dippelshof erwarb und bis zu seinem Tod 1926 sehr erfolgreich bewirtschaftete, war nicht nur als der größte Steuerzahler in der Gemeinde, sondern auch wegen seiner großzügigen Aufgeschlossenheit gegenüber den Problemen der Gemeinde allseits geschätzt.


Philipp Walter ist nach seiner Wahl zum Bürgermeister am 12.7.1897 vom Kreisamt in sein Amt verpflichtet (eingeführt) worden. Er folgte damit Johann Walter im Amt des Ortsoberhauptes. Philipp Walters Nachfolger Friedrich Scheerer hat sein Amt am 16.11.1916 angetreten, nachdem Bürgermeister Walter zurückgetreten war. In verschiedenen Veröffentlichungen, so auch im Heimatbuch der Gemeinde Traisa von 1966, ist als Amtszeit von Beuemåster Philipp 1900 bis 1927 angegeben. Derartige Angaben sind unrichtig, wie Renate Valter ermittelt hat.


In Würdigung der Verdienste Philipp Walters um das Wohl der Gemeinde, die er sich als Bürgermeister erworben hatte, wurde die 1927 entstandene Seitenstraße zur Ludwigstraße „Philipp-Walter-Straße" genannt.

Während eines Gedächtnisgottesdienstes im Krieg für ein gefallenes Gemeindeglied im Rathaussaal geißelte der Geistliche die vom Nationalsozialismus hervorgerufenen Verhältnisse. Die Ortsleitung kündigte darauf der Evangelischen Kirchengemeinde die Nutzung des Rathaussaales, der seit Jahren auch für kirchliche Zwecke zur Verfügung stand. Philipp Walters Sohn, ebenfalls Philipp, stellte daraufhin den Tanzsaal seines Hessischen Hofes für gottesdienstliche Zwecke bereit, obwohl er mit Sanktionen der Parteigewaltigen rechnen mußte.

Zu Beginn des Kriegsjahres 1944 versuchten die Nazis, der Kirchengemeinde auch die Nutzung des Saales im Hessischen Hof zu verwehren, indem das Kreisschulamt den Raum für den Schulunterricht beschlagnahmen wollte. Philipp Walter hat sich in einer Verhandlung beim Landrat persönlich energisch für die kirchlichen Belange eingesetzt und durchgesetzt. Pfarrer Röhricht bescheinigte Philipp Walter 1947 schriftlich sein furchtloses Eintreten für die Sache der Kirche im „Dritten Reich“. Walters Saal blieb Kirchenraum bis zum Neubau der Kirche 1956.

Im Besitz der Familie Walter befindet sich die 300jährige Familienbibel. Die Bibel ist in Holz mit einem Lederrücken eingebunden. Sie mißt 25 cm in der Breite, 38 cm in der Höhe und ist 11 cm dick. Sie umfaßt 1210 Seiten.

Das Titelblatt der Familienbibel ist leider herausgerissen, so daß Verlag, Druckerei und Herstellungsjahr nicht lesbar sind. Auf den Innenseiten der Einbanddeckel aber haben die verschiedenen Besitzer in drei Jahrhunderten handschriftlich Familienereignisse vermerkt. Der älteste Eintrag nennt einen Johann Heinrich Hofmann 1702.

Text:

Volker Teutschländer

Quellen:

Friedrich Wegt
Rektor i.R.


Karl Dehnert †






Philipp Walter und Frau





Der Hessische Hof von Norden
vor 1960



Der Hessische Hof von Süden
vor 1960




Die Waltersche Familienbibel von 17
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