Startseite

Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

 

 

 

  Inhalt

Geschichte > Traisa > Handel und Handwerk

Stand: 22.12.2012

 

 

 


 

Die Schlosserei Kredel


Zwei Generationen Kredel haben die Schlosserei Ecke Ludwigstraße / Darmstädter Straße betrieben, ein traditioneller Handwerksbetrieb für Metallarverarbeitung, wie sie im Dorf bei vielfältigen Arbeiten, die in Haushalten und Betrieben, vornehmlich in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft angefallen sind. Die Schlosserei Kredel war wie zumindest auf dem Land üblich zugleich Schmiedewerkstatt, in der schmiedbare Metalle durch Kalt- oder Warmbearbeitung in Form, Gefügestruktur und Oberfläche verändert werden konnten.

Die Esse (Abb. 1) und der Amboß (Abb. 2) waren die wichtigsten Einrichtungen in der Werkstatt dieses Handwerks, mittels derer die Werkstücke im Holzkohlenfeuer geglüht und dann mit dem Hammer in der Hand auf dem Amboß bearbeitet wurden. Bis in die Wirtschaftswunderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren Konstruktion, Formung und Einbau von Baubeschlägen, Fahrzeugteilen oder paßgenauen Metallelemente die wichtigsten Arbeitsgebiete und Erzeugnisse, die es noch nicht im Baumarkt zu Preisen von Massenartikeln zu kaufen gab. Auch waren immer wieder gebrochene oder beschädigte Teile in Haus und Hof, an Wagen und Maschinen, wie sie in den überwiegend bäuerlichen Haushalten und Wirtschaften des Dorfes in Gebrauch waren, zu reparieren.

Nicht Geschäftszweig in der Schlosserei, sondern eigenständiges Handwerk in der gleichen Werkstatt beherrschten Kredel und Sohn als Schmiedemeister, denen im Dorf die Aufgabe der Hufschmiede oblag: Die Hufe der Pferde, die wichtigsten Helfer auf dem Feld, aber auch die Energiespender für Transporte und Ackergeräte, mußten mit Eisen geschützt und befestigt, regelmäßig erneuert oder repariert werden. Der Schlosser war der Schmied, der die glühenden Eisen den Pferdehufen anpaßte und ins Horn einbrannte und -nagelte. Der Nachbarschaft blieb durch den Geruch verbrannten Horns nicht verborgen, wenn ein Kunde seinem Arbeitstier neue „Schuhe“ anpassen ließ!

Adam Kredel (Abb. 2), der Urgroßvater des Traisaer Heimatkundlers Günther Heppenheimer, begründete den Handwerksbetrieb und errichtete die Werkstatt, die sein Sohn Friedrich (Abb. 1) [1882 – 1962] übernahm und weiterführte. In dessen Alter, in dem Arbeitnehmer gewöhnlich in Rente gehen, ließ der Bedarf an den Diensten einer ländlichen Schlosserei und Schmiede nach, als die ländlichen Haushalte und bäuerlichen Betriebe in Traisa selten wurden. Bis ins hohe Alter stand er dennoch in der Werkstatt zwischen den von Rauch und Ruß aus der Esse geschwärzten unverputzten Bruchstein-Mauern.

Traisa erlebte anfangs der 1960er Jahre einen grundlegenden Strukturwandel, der sich auch im Ortsbild widerspiegelte. Das Kredelsche Anwesen mit seiner Betriebsstätte, den notwendigen Stallungen und dem Wohnhaus sowie das benachbarte Wohnhaus Schollenberger (Abb. 3) wurden an die Stadt- und Kreissparkasse Darmstadt verkauft. Die Baulichkeiten wurden geschleift (Abb. 4 und 5) und an ihrer Stelle ein modernes Geschäftshaus errichtet. Die Gemeinde Traisa nutze die Gelegenheit, die Einmündung der Darmstädter Straße in die Ludwigstraße für den neuzeitlichen Straßenverkehr aufzuweiten.

Auf der gegenüberliegenden Ecke der Straßeneinmündung besteht das Geschäftshaus der ehem. Bäckerei Burger (Abb. 6), das bis dahin zusammen mit der Schlosserei Kredel die Einfahrt von der Traisaer Hauptstraße „Ludwigstraße“ in der Darmstädter Straße sehr stark verengte. Dennoch bildete die Wegeführung von der Ludwigstraße zur Darmstädter Straße eine historische Fernverbindung. Traisaer Fuhrwerke, aber auch Wagen aus dem Modau- und Mühltal nutzten den Weg nach Darmstadt, nach Roßdorf oder nach Dieburg vor dem Bau der heutige Bundesstraßen-Trasse von Nieder-Ramstadt in Richtung Darmstadt vor der 1900er Jahrhundertwende. Die ehemaligen Namen „Eberstädter Straße“ für Ludwigstraße und „Fahrweg“ für Darmstädter Straße verweisen auf deren ehemalige überörtliche Bedeutung.

Text:
Volker Teutschländer






Abb. 1: Schmiedemeister Friedrich Kredel
Im Hintergrund rechts ein Teil der Esse.



Abb. 2: Schmiedemeister Adam Kredel
am Amboß



Abb. 3: Engstelle in der Darmstädter Straße:
Rechts die Einfriedigungsmauer der Kredelschen Schmiede und Schlosserei mit dem Wohnhaus Schollenberger



Abb. 3 a:
Blick über die Mauer In der Darmstädter Straße auf das Wohnhaus. Vorn rechts das Werkstattgebäude.





Abb. 4 und 5: Abbrucharbeiten.
Blick aus der Darmstädter Straße zur Ludwigstraße



Abb. 6: Bäckerei Burger (vorn) und Schlosserei Kredel in der Ludwigstraße



Schaulustige in der Ludwigstraße bei den Abbrucharbeiten