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Geschichte > Trautheim

Stand: 5. Feb 2013

 

 

 


 

Naturnah wohnen in der „Wildnis“

 

Einen Blick in die Pionierzeit der Villenkolonie Trautheim erlaubt die Abb. 1 aus dem Jahre 1920, die Gertrud Wittersheim zur Verfügung stellte. Das Bild wurde aufgenommen von der heutigen Alten Darmstädter Straße, etwa dort, wo heute die Straße Im Wiesengrund einmündet. Die freie Fläche bis zu den Häusern ist heute dicht bebaut entlang der Alten Darmstädter Straße sowie der Straße Im Willgraben. Die Villen im Hintergrund sind (von links) die Häuser von der Leyen, Müller, Politsch und Kleukens.

Abb. 2 darunter: In der Wildnis“ heißt die Straße, aus der die Aufnahme von 1920 mit Blick auf die Dornwegshöhstraße geschossen wurde. Heute ist das eine problematische Straßenkreuzung mit der Alten Darmstädter Straße (nach links) und der Alten Dieburger Straße.

Das Luftbild Abb. 3 zeigt in die Gegenrichtung nach Westen in den Teil Trautheims, das keinerlei Eindruck einer (ehemaligen?) Wildnis macht.

Trautheims nahezu vollständige Ortslage von Nord nach Süd zeigt das Luftbild Abb. 4 aus 1995. Zur Orientiertung: Von links oben zur MItte die Alte Darmstädter Straße, die nach dem Abzweig der Dornwegshöhstraße nach Osten als Alte Dieburger Straße weiter zum Ortsrand im Süden führt. Die Gabelung in der Bildmitte ist der Abzweig der Straße „Im Wiesengrund“ nach Nordosten.

Die Ortslagen Trautheims und Traisas sind über die noch sichtbare Freifläche am oberen Bildrand inzwischen zusammengewachsen.

Aufgelockerte Bebauung, Einbeziehung der Natur in das Wohnerlebnis waren Ziele sowohl der „Trautheimer Pioniere“, der ersten „Wildnis“-Siedler wie auch der Gartenstadt-Idealisten um die Jahrhundertwende 1900. Wohnen im Grünen ist der Wunsch vieler geblieben. Wenn auch die Bebauung in der ehemaligen Villenkolonie dichter geworden ist, ist Trautheim eines der begehrtesten Wohngebiete in der Region geblieben (Abb. 5).

Der Blick aus der Vogelperspektive geht nach Osten über die Stettbachaue zu den nahen Ortslagen von Nieder-Ramstadt (angeschnitten rechts in der Mitte) und Traisa (nahezu vollständig oben im Bild)

Die „Wildnis“ - nach der bis dahin unberührte Landschaft - hat ihre Anfänge in der sozial bestimmten Arbeit der Baugenossenschaft „Wildnis“ (gegr. 1919), für Wohnungssuchende, die weniger gut situiert waren als die bisherigen Trautheimer Bauherrschaften, erschwinglichem Wohnraum zu schaffen oder sie in die Lage zu versetzen, selbst Wohneigentum zu begründen.


„Maßvolle Verdichtung“ hieß das regionalplanerische Schlagwort seit den 1960er Jahren für die Abkehr von der Einfamilienhausbebauung im Mühltal und gleichzeitig besonderen Charakters der Siedlung Trautheim, die zu einer Ortschaft zusammengewachsen war. Beispiel: Am Hinterforst ist eine kompakte Kleinsiedlung mit gemeinschaftsfördernder Anordnung der Wohnobjekte entstanden (Abb. 6).

„Wohnen in grüner Natur“ versteht sich so aus heutiger Sicht – was die hohen Immobilienpreise bestätigen. Mit den Absichten der Pioniere des Wohnens mit der Natur im Trautheim der ersten Jahrzehnte nach der vorigen Jahrhundertwende hat es nicht mehr viel zu tun.

Text
Volker Teutschländer






Abb. 1



Abb. 2



Abb. 3



Abb. 4


Abb. 5



Abb. 6