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Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 



 

Gustav Waldt

Autor:
Helmut Rückert




Gustav Waldt
1883 - 1959

 

Eine der auffallendsten Persönlichkeiten Trautheims war der Maler und Schriftsteller Gustav Waldt. 1941 bezog er sein kleines Haus Am Willgraben, das bald zu einem Ausstrahlungsort von Geisteskultur und zur Begegnungsstätte vieler interessanter Menschen wurde. Das Leben und Werk Gustav Waldts beschreibt die langjährige Nachbarin und Freundin der Familie, Frau Jo Schiffers-Ehlers:

"... mir ist ein Mann begegnet, der hat ausgesehen wie der Wald“. So berichtete ein Trautheimer Kind aus dem Willgraben. Und wenn nomen omen ist, dann steht dieses Bild für den Mann von hochragender Gestalt mit dem Schlapphut auf dem weißen Lockenkopf, dem man am Prinzenberg begegnen konnte, ganz versunken in den Anblick von Ferne und Flur. Besinnliches Gehen im Einklang mit der Natur und im Rhythmus der Jahreszeiten ließen zur Form reifen, was sein Inneres bewegte: Landschaft in ihren mythischen Bezügen, verdichtet zu großen Vers-Epen, belebt mit archetypischen Gestalten oder gemalt im Abglanz südlichen Lichtes, das er im Engadin und in Ligurien aufnahm. Ein Erinnern an die Toscana schenkte ihm die Bergstraße, von Goethe die 'italiänischste Landschaft hierzuland' genannt.

Gustav Waldt wurde 1883 in Darmstadt geboren und als Heranwachsender vom humanistischen Bildungsauftrag des Ludwig-Georgs-Gymnasiums geprägt. Nach dem Studium der Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie in Gießen und Heidelberg und Wanderjahren wurde er Lehrer in Worms und Bad Nauheim, bis sein Berufsweg 1934 vom Nationalsozialismus, dem er sich nicht anpassen mochte, unterbrochen wurde. Mit Berufs- und Schreibverbot mußte er Bad Nauheim v lassen. Nach einer Zeit äußerster Einschränkung in Zurückgezogenheit am Bodensee und in Lützelbach lang es ihm und seiner Frau noch bei Kriegsbeginn, das kleine Haus Am Willgraben zu bauen und darin die schlimmsten Jahre zu überstehen. Dort bildete sich eine Zelle geistiger Begegnung, wo mancher Gefährdete Zuspruch und Obdach fand. Annie Waldt, deren musiche Begabung vielseitig war - sie modellierte und malte und hatte schon bald nach der Jahrhundertwende Musik und Ausdruckstanz studiert - begleitete ihren Mann oft mit dem Malzeug auf ausgedehnten Fahrten und Wanderungen. Als sie in Trautheim zu wohnen begannen, konnte Gustav Waldt schon eine Ernte an Werken einbringen; es war bereits ein früher Roman erschienen und die „Elegie Schloß Seeheim“, dem Grafen Hardenberg gewidmet. In der Trautheimer Stille entstand das Spätwerk, verborgen bis zum letzten Druck.

Kontakte mit Gleichgesinnten brachten Bestätigung, gaben Rückhalt. So bestand eine Verbindung zu Hans Carossa und ein freundschaftlicher Briefwechsel mit Hermann Hesse, in den Annie Waldt einbezogen war. Es hatte auch eine Begegnung in Montagnola gegeben. Späte Freundschaft mit dem Asienreisenden H. H. von Veitheim vertiefte die Beschäftigung mit der indischen Philosophie. Zu anregenden Lesungen und Diskussionen wanderte man über den Berg in die Kaisermühle, wo sich bei Ernst Kreuder ein verschworener Dichterbund versammelte.

Fast schon im Ruhestandsalter rief man den Lehrer noch einmal an die nahe Aufbauschule. Seine natürliche Autorität aus umfassendem Wissen, seine Güte und sein Verständnis für die Jugend jener Jahre wird allen in Erinnerung bleiben, die seine Schüler sein durften. Sein Haus stand ihnen offen, noch lange nachdem sie die Schule verlassen hatten.

1958 wurde Gustav Waldt mit der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt ausgezeichnet. Sein letztes Lebensjahr war angebrochen. Es brachte noch neue literarische Vorhaben und einen längeren Aufenthalt im Süden, begleitet von seiner Frau und seinen Freunden. Ohne vorausgegangene Krankheit starb er an einem Wintermorgen 1959 in seinem Haus. Er war 76 Jahre alt geworden.

Trautheim verlor eine seiner eindrucksvollsten Persönlichkeiten. Annie Waldt überlebte ihren Gefährten um zwanzig Jahre, sie wurde 98 Jahre alt. Beider Andenken und was sie aus dem musischen Bereich vermittelten, lebt in ihrem Freundeskreis fort. Als kleines äußeres Zeichen der Erinnerung und Würdigung wurde auf Antrag des Ortsbeirates Trautheim eine etwa 350 Jahre alte, stattliche Eiche am Ende des Papiermüllerwegs nahe dem Waldausgang zum Mühltal in Gustav-Waldt-Eiche benannt."

Ist es Zufall oder Fügung, daß heute in dem Haus Waldt wieder ein Mann wohnt, der die musische Tradition seiner Vorgänger in schöner Weise fortsetzt, der Gymnasiallehrer Dieter Breiholz, Maler und Lyriker, Kunstpreisträger der Gemeinde Mühltal. Frau Schiffers-Ehlers erzählt, daß Herr Breiholz einmal ein ihm geschenktes Bild von Gustav Waldt, ohne es vorher gesehen zu haben, exakt an den gleichen Platz hängte, an dem es Gustav Waldt plaziert hatte.