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Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 


 

Hermann Velte sen. und jun.

Am Eintritt des Lindenbergwegs in den Wald steht rechts das Haus Velte, auffallend mit der großzügigen, breiten Terrassenfassade, den hohen Fenstern und Türen in harmonischen Farben. Der Kirchenmaler und Restaurator Hermann Velte hatte es 1921 durch Ausbau einer hierher versetzten Scheune errichtet. Architekt war der ihm viele Jahre lang beruflich verbundene Darmstädter Architektur-Professor Heinrich Walbe. Das Haus wurde später mehrmals erweitert. Hermann Velte gehörte zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten Trautheims, er fand würdige Nachfolger in seinem Sohn Hermann Velte jun. und seiner Enkelin Gisela Velte. Nicht zu vergessen, wenn auch auf anderen künstlerischen Gebieten, die Tochter Lotte, die als Sopranistin ihren Weg ging und der Enkel Roland Velte, der als Opernregisseur sich einen Namen gemacht hat.

Hermann Velte sen. entstammte einer Bauern- und Handwerkerfamilie aus Biedenkopf. Geboren 1883, studierte er Malerei am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt, bevor er als Kirchenmaler und Restaurator im damaligen Großherzogtum Hessen tätig war. Velte brachte die unerläßlichen Tugenden des Kirchenmalers mit: Präzises Handwerk, die Wissenschaft des Kunsthistorikers, empfindsames Raumgefühl und künstlerische Intuition. Dazu eiserne Disziplin und physische Ausdauer, sowie den oft schmerzhaften Verzicht des Restaurators auf eigengestalterischen Ausdruck. Und das Arbeiten auf dem hohen Gerüst mit nach oben gerecktem Gesicht ist hart. 1903 war Hermann Velte beauftragt worden, die gerade entdeckten Fresken in der Dorfkirche zu Fraurombach in Oberhessen freizulegen. Diese schwierige Arbeit entschied über sein künstlerisches Schaffen, dem er sich in der Folge mit großem Sachverstand und Erfolg widmete. Der Hessische Denkmalpfleger Prof. Heinrich Walbe - er hatte ihn in Fraurombach kennen und schätzen gelernt und war ihm jahrzehntelang freundschaftlich verbunden - urteilte 1944 über Hermann Velte: "Wenn die Denkmalpflege in Hessen einen guten Ruf genießt, so ist dies nicht zum geringsten Teil das Verdienst Hermann Veltes des Älteren". Hermann Velte hat etwa 240 Kirchen in Süddeutschland renoviert, restauriert und ausgemalt. Er starb 1946 im Alter von 63 Jahren.

Sein Sohn Hermann Velte jun. hatte vom Vater nicht nur die künstlerische Begabung geerbt, sondern auch die Liebe zur Kirchenmalerei übernommen. Bereits 1931 war der Sechzehnjährige zu seinem Vater in die Lehre gegangen, hatte auf vielen gemeinsamen Reisen handwerkliches Können und künstlerisches Sehen gelernt und auch eine Menge Erfahrung im Umgang mit Architekten, Pfarrern und Bürgermeistern gewonnen. 1935 bis 1939 studierte er in München, wo er bei dem bekannten Kirchenmaler und Freskotechniker Professor Klemm arbeitete. Aus dem Krieg kehrte er schwerverwundet beinamputiert heim. Trotz seiner Behinderung nahm er seinen anstrengenden Beruf wieder auf. Wer weiß, wie die Arbeit unter dem Kirchendach, stundenlang stehend, präzise mit Pinsel und Schaber hantierend, die physische Leistungsfähigkeit beansprucht, kann ermessen, mit welcher Liebe Hermann Velte sich seiner Arbeit widmete. Nicht einen Tag sei ihm der Gedanke gekommen, seinen Beruf zu wechseln oder sich einer anderen Sparte der Malerei zu widmen, sagte er einmal.

Hermann Velte war in Hessen, in Rheinland-Pfalz und im Bereich der westfälischen Denkmalpflege tätig. Viele Kirchen, aber auch Profanbauten wie Rathäuser, Brunnen und historische Bauten zeugen heute von seiner restauratorischen Arbeit. Später unterstützte ihn seine Tochter Gisela; wie der Vater und der Großvater hatte sie den künstlerischen Beruf gewählt. Einen Beruf, den Hermann Velte einmal als "..... den schönsten Beruf, den es gibt" bezeichnete. In ihm wisse er sein Schaffen im Dienst eines größeren Werkes, in ihm offenbare sich die geheime Beziehung zwischen Raum und Farbe, in ihm erfahre er täglich, was von der Architektur und Malerei der alten Meister lebenskräftig in unsere Zeit hineinreicht und welche Gestaltung aus Standort und Sicht der Gegenwart sich ihrem Willen verbinden darf. Der Name Velte, dreimal Velte, ist mit der Geschichte der Kirchenmalerei unserer Heimat eng verbunden. Viel zu früh ist Hermann Velte jun. im Jahr 1984 verstorben.






Autor
Helmut Rückert:





Der renommierte Künstler Hermann Velte hat seiner Verbundenheit mit seiner (neuen) Heimat im Mühltal auch tätig Ausdruck verliehen:

Die Wandmalereien im Chor und im Langschiff der Kirche Nieder-Ramstadt, Reste der spätgotischen Bemalung aus dem 14. bis 17.Jh. wurden bei Renovierungsmaßnahmen in den Jahren 1908/09 teilweise von Kirchenmaler Velte aufgefrischt, ergänzt und kopiert (Gernot Scior nach Denkmalbericht 1912 Prov Starkenburg).

Bei einer Erneuerung der Kirche in Nieder-Beerbach 1922 gestaltete Velte das Innere der Kirche künstlerisch neu.

1936 hat er das Trauzimmer im neuen Rathaus Nieder-Ramstadt festlich künstlerisch bemalt.

Nach dem Kriege gestaltete Velte die große Namenstafel zum Gedenken an die Kriegsopfer aus dem Kirchspiel in der Turmhalle der Kirche Nieder-Ramstadt.

Die Ausmalung bei der Kirchen-Renovierung 1952 in Nieder-Ramstadt besorgten
Hermann Velte jun. und seine Tochter Gisela. „Nach ihrem Konzept wurde ein heller, freundlicher Raum geschaffen, der dem Stil der alten Nieder-Ramstädter Kirche angemessen ist“ (Karl Dehnert).