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Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 


 

Walther von der Leyen

Autor:
Helmut Rückert







Geschnitztes Relief
eines Wappen der Familie von der Leyen
als Schrankaufsatz

Im Hause ihrer befreundeten Nachbarn, der Familie von Dr. Georg Politsch, deren Heim Walther von der Leyen geplant hatte,
steht der wertvolle Eßzimmerschrank mit einem aufwendig geschnitzten Aufsatz.
Gertrud Wittersheim, geb. Politsch, hatte das Möbel von von der Leyens erworben.
Das Buffet war ursprünglich umrahmt von einem Kranz von Porzellan-Tellern in Delfter Blau.


In unmittelbarer Nähe des Kleukens'schen Junggesellenhäuschens errichtete 1913 der Architekt und Freund Kleukens' Walther von der Leyen aus dunklen Klinkern sein prachtvolles Landhaus "Leyenhof'. Das 1928 durch Verlängerung nach beiden Seiten erweiterte Haus ist als baukünstlerisches Kulturdenkmal anerkannt. Leider ist es, wie viele alte Trautheimer Häuser, versteckt hinter Mauern und bedrängt von späteren Bauwerken nur noch schwer einzusehen.

Walther von der Leyen wurde 1887 in Bonn geboren. 1913 wurde der junge diplomierte Architekt Assistent bei dem Darmstädter Architektur-Professor Walbe an der Technischen Hochschule. Nach dem Kriegsdienst 1914 - 1918 trat er in den Staatsdienst ein, ließ sich aber zeitweise beurlauben, um als freier Architekt zu arbeiten. Aus dieser Zeit stammen die Reihenhäuser in der Darmstädter Hobrechtstraße. Bis 1928 war er als Regierungsbaumeister in Gießen tätig, wo er mit großen Baumaßnahmen betraut war. Nach seiner Rückversetzung nach Darmstadt wurde ihm das Baupolizeiressort am Hessischen Hochbauamt übertragen. Wegen seiner kritischen Einstellung zum NS-Regime wurde er während des Zweiten Weltkriegs nach Offenbach und Dieburg strafversetzt. Nach dem Krieg, nun als Leiter des Staatsbauamtes Darmstadt, setzte sich von der Leyen mit großer Energie und Zähigkeit für den Wiederaufbau der landeseigenen Baudenkmäler in Darmstadt ein, so vor allem für das Schloß, das Landestheater, das Landesmuseum und das Kollegiengebäude; auch rettete er den Weißen Turm vor dem Abbruch, den die Darmstädter Stadtverordneten bereits beschlossen hatten. 1952 ging er in Pension.

Die Verdienste Walther von der Leyens für Trautheim liegen sowohl in seiner Persönlichkeit als auch in seiner beruflichen Kompetenz. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Baugenossenschaft "Wildnis", über die an anderer Stelle zu berichten ist. Über Jahrzehnte hinweg war er der überragende Fachmann für alle baulichen Fragen; er erstellte Pläne für die "Wildnishäuser" und wachte als zuständiger Leiter der Bauaufsicht darüber, daß die Bestimmungen des Ortsbaustatutes für Trautheim eingehalten wurden und die Bauten sich harmonisch in das Straßenbild und die Landschaft einfügten.

Walther von der Leyen ist 1967 in Trautheim in seinem "Leyenhof gestorben. Seine Ehefrau Pauline überlebte ihn 15 Jahre; sie starb 1982 im 90. Lebensjahr.