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Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 


 

Eberhard Schlotter

Als der bedeutendste Künstler, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Trautheim lebte, gilt der Maler Eberhard Schlotter. 1921 in Hildesheim als Sohn eines Bildhauers geboren, deutete sich schon in frühen Jugendjahren sein künstlerisches Talent an. Radierungen aus den Jahren 1936 bis 1939 belegen dies. Er studierte an der Münchener Kunstakademie und wurde dann zum Kriegsdienst eingezogen. Nach seiner Entlassung 1944 zog er in das Haus seines späteren Schwiegervaters Walther von der Leyen. Bereits 1946 baute er sein eigenes Haus auf dessen Gelände. Er verkaufte dieses Haus 1953 wieder, als er sein großes Atelierhaus am Papiermüllerweg bezog. Auch sein Bruder, der Darmstädter Bildhauer Gotthelf Schlotter wohnte einige Zeit in Trautheim.

1947 malte Schlotter nach dem Abzug der Amerikaner 1947 den Gastraum der Gaststätte Trautheim aus. Als freischaffender Künstler erhielt er in der Aufbauphase nach dem Krieg zahlreiche öffentliche Aufträge, besonders für Wandmalereien. Aus der Reihe seiner vielen Auszeichnungen seien der Ströher-Preis 1953 und die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt 1971 genannt. In den Jahren 1955 bis 1957 war er Vorsitzender der Neuen Darmstädter Sezession; 1967 bis 1968 Lehrer an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.

Nach Reisen in den Vorderen Orient und längeren Aufenthalten in Spanien siedelte Eberhard Schlotter 1971 nach Altea in Spanien über. In sein Trautheimer Haus kehrte er nur noch sporadisch und vorübergehend zurück, bis er es vor einigen Jahren verkaufte. Schlotter, der mit seinem Trautheimer Nachbarn Gustav Waldt eine pessimistische Sicht der Wohlstandsge­sellschaft, verbunden mit der Verunsicherung unserer Existenz teilte, suchte in Spanien noch unverbrauchte Landschaft mit einfachen Menschen. Aber die zerstörerische Überzivilisation holte ihn auch dort ein und er urteilte voller Resignation: "Ich bin gespannt, wie lange wir noch intakte Natur erleben dürfen! Überall ist man dabei, sie kaputt zu machen. Vielleicht sind wir die Letzten".

Mit dem Dichter Arno Schmidt verband ihn seit 1954 eine Freundschaft. Dessen Gedanken und Vorstellungen von der Fragwürdigkeit unserer Zeit finden sich in den bildlichen Darstellungen Schlotters wieder. Im Jahr 1980 wurde Eberhard Schlotter zum Honorarprofessor an der Johann-Gutenberg-Universität Mainz berufen; als der erste Honorarprofessor aus dem Bereich der Bildenden Kunst. Ein Höhepunkt im künstlerischen Schaffen war die Illustration der 1981 erschienenen Prachtausgabe zu Cervantes "Don Quichote" mit 160 Farbradierungen und 186 Schwarz-Vignetten.

Unter den gegenständlich schaffenden deutschen Meistern der Graphik gilt Eberhard Schlotter als derjenige, der weltweit die größte Anerkennung gefunden hat. Zahlreiche Museen in Europa und den USA haben Werke von ihm erworben. Ausstellungen seiner Bilder fanden außer in Europa auch in den USA und in Lateinamerika statt. Seiner Heimatstadt Hildesheim stiftete Schlotter eine reiche Sammlung aus Ölbildern, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken. Die Stadt verpflichtete sich, das Werk "nachhaltig und langfristig zu betreuen, es zu präsentieren und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen".

Autor:
Helmut Rückert






Eberhard Schlotter
* 1921