Startseite

Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

Kontakt:

 

 

 

Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 




 

Dr. Hans Schenck

Autor:
Helmut Rückert




Am südlichen Rand Trautheims, am "Klingenteich", erbaute 1933 der Sozialjurist Dr. Hans Schenck sein gro­ßes, einstöckiges Holzhaus. Inmitten eines parkartigen, ausgedehnten Geländes am Waldrand gelegen, war die­ser Wohnsitz in seiner Anlage typisch auch für andere Trautheimer Häuser dieser Zeit; großzügig, individuell und ganz auf den Bauherren zugeschnitten. Der bedeutende Wiener Architekt Prof. Franz Schuster hatte das Fachwerkhaus mit äußerer und innerer Verschalung kon­zipiert. Ähnlich wie bei dem "Dachhaus" stand hier die Idee einer rationellen Bauweise im Vordergrund. In dieser Zeit der auslaufenden Weltwirtschaftskrise war die Holzbauweise dem Steinbau preislich überlegen. Das Haus machte von außen einen bescheidenen Eindruck, war aber innen wohnlich und großzügig. Zwei Jahre später ließ Dr. Schenck vom gleichen Architekten ein kleines Holzhaus auf seinem Gelände errichten, das als Musterhaus für eine Arbeitersiedlung gedacht war. Es steht heute noch am oberen Ende der Straße Am Klingenteich und ist als sozialgeschichtliches Baudenkmal für die Zeit der frühen Dreißigerjahre anerkannt. Ein weiteres Gartenhaus komplettierte die Anlage.

Dr. Hans Schenck entstammte einer alten, seit 1614 in Darmstadt ansässigen Familie. Er wurde 1894 geboren und nahm 1912 ein Jurastudium in Mainz auf. Der Weltkrieg, in dem er siebenmal verwundet wurde, unterbrach seine Ausbildung. Nach Kriegsende beendete er sein Studium in Gießen. 1922 wurde der junge Jurist Bürgermeister in Lindenfels, wo seine Familie ein Sommerhaus besaß. Vier Jahre später berief man ihn zum Verwaltungsdirektor der Anstalten in Bethel bei Bielefeld. 1932 promovierte er zum Dr.jur. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, denen er ablehnend gegenübertand, kam er als Jurist bei dem Frankfurter "Verein für öffentliche und private Fürsorge" unter. Nach dem Kriege betraute man ihn mit dem Wiederaufbau des Roten Kreuzes in Hessen, dessem Bezirksverband Darmstadt er bis zu seinem 65. Lebensjahr vorstand. Die Stadt Darmstadt ehrte ihn 1964 mit der Verleihung der Bronzenen Verdienstplakette. Als man einmal Dr. Schenck fragte, was ihm von seinen vielseitigen Tätigkeiten am meisten Freude gemacht hat, antwortete er ohne Besinnen: "Alles".

Dr. Hans Schenck war verheiratet mit Marie geb. Hensel. Sie entstammte der berühmten Musikerfamilie Mendelssohn und war mit dem Dichter Werner Bergengruen verwandt. Die hochbegabte Frau engagierte sich schon früh im sozialen Bereich und ergänzte in besonderer Weise die Arbeit ihres Mannes. Nach 1945 hatte sie großen Anteil am Aufbau der Frauenfriedensbewegung; sie gründete die Darmstädter Gruppe der W.O.M.A.N., der Weltorganisation der Mütter aller Nationen und war viele Jahre deren Vorsitzende. Das Haus Schenck wurde zum Treffpunkt für Menschen vieler Nationen im Geiste der Nächstenliebe und Toleranz. Die außergewöhnliche Atmosphäre der "Arche", wie die Schencks ihr Haus nannten, zog besonders junge Menschen an, die, gerade aus dem Krieg heimgekehrt, auf der Suche nach neuem Lebensinhalt waren.

Mancher Trautheimer wird sich noch des alten Herren erinnern, eine hochaufragende Gestalt mit schmalem Kopf, oft unterwegs mit schwerer Aktentasche auf dem Weg von der Bushaltestelle zum Klingenteich. Und wir Autofahrer hielten dann gerne, boten ihm Mitfahrgelegenheit an. Ihm eine Freude zu machen war für uns Freude. Seine freundliche, höfliche Art war ansteckend. Er war ein erfolgreicher Mann, aber kein "Erfolgsmensch", er war ein Grandseigneur. Den Eheleuten Schenck war ein langes Leben vergönnt, Marie Schenck verstarb 1981 kurz vor ihrem 91. Geburtstag, ihr Mann 1984 im Alter von 90 Jahren.