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Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 


 

Dr. Ernst Mushake

Autor:
Helmut Rückert


Etwas abseits der bestehenden Bebauung errichtete 1928 der Major a.D. Ernst Hauß ein Wohnhaus im Wie­sengrund, neben dem früheren "Oberen Woog". Es sollte für 10 Jahre das einzige Haus in dieser Gegend bleiben. 1932 erwarb der Verleger Dr. Ernst Mushake dieses Haus, das zunächst nur zum Aufenthalt an Wochenenden gedacht war. Später wurde es Hauptwohnsitz. Mit Mushake betrat ein Mann die Trautheimer Bühne, der durch seine verlegerische Tätigkeit und sein Engagement im Ausbildungswesen des Buchhändlerverbandes das Renommee Trautheims steigerte.

Ernst Mushake wurde 1904 in Weinheim an der Berg­straße geboren. Nach einer Lehre als Bankkaufmann studierte er Volkswirtschaft und Philosophie, ein Studium, das er mit der Promotion zum Dr. phil. abschloß. Als Effektenhändler in Berlin lernte er den Verleger Ulstein kennen, dessen Einfluß ihn bewog, 1926 einen eigenen Verlag in Heidelberg zu gründen, der später nach Frankfurt verlegt wurde. Das Verlagsprogramm umfaßte neben Veröffentlichungen über die Kreditwirtschaft und Beiträgen zur Heimatgeschichte auch Wirtschaftsmonographi­en einzelner Städte. Bei aller Weltoffenheit ließ sich Dr. Mushake von dem Grundsatz leiten, daß "der Weg zum Menschentum ..... nur über das Volkstum und das Heimatgefühl" führt (Eduard Spranger).

1932 heiratete er Frau Fanny Franzmathes, die vor ihrer Heirat unter ihrem Mädchennamen einen Verlag in Heidelberg gegründet hatte. Sie arbeitete bis zum Tode ihres Mannes in dessen Verlag. Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 brachen schwere Zeiten für den jungen Verleger an. Da er nicht bereit war, seine politischen und religiösen Anschauungen dem Zeitgeist zu opfern, wurde er 1934 kurzzeitig inhaftiert und mußte sein verlegerisches Wirken aufgeben. Er nahm sein wirtschaftswissenschaftliches Studium wieder auf, um in den Lehrberuf gehen zu können. Noch vor Kriegsende beschäftigte er sich mit Plänen für einen von christlicher Gesinnung und dem Geiste der Völkerverständigung getragenen pädagogischen Fachverlag.

Trotzdem verweigerte ihm später die amerikani­sche Militärregierung die Lizenz, die er aber dann Ende 1946 von der französischen Militärregierung bekam. Das Verlagsprogramm war sehr weit gespannt und reichte von Romanen und Lyrik über Wirtschaftsmonographien bis zu Werken über Länder, Kreise und Städte des südwestdeutschen Raumes. Großbände über historische Themen verschiedener Städte und Gebiete sind heute noch für die Landeskunde unentbehrlich. Außerdem war Dr. Mushake schriftstellerisch tätig, z.B. mit einem Werk über "Jean Jacques Rousseau", dem Buch "Romane, die ihre Zeit spiegeln" und "Darmstädter Friedhöfe".

Nach langer, schwerer Krankheit ist Dr. Mushake 1969 in Trautheim verstorben. Sein guter Trautheimer Name wird fortgeführt von seinem Sohn Alexander Mushake, der 20 Jahre lang als Mitherausgeber der väterlichen Werke sich einen Namen machte und der sein Engagement und Wissen mit hineinnahm in politische und gesellschaftliche Arbeit für seine Heimatgemeinde. Viele Jahre lang war er Ortsvorsteher des neu geschaffenen Ortsteils Trautheim.