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Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 


 

Christian Heinrich Kleukens


Während sich bisher die Bebauung, mit Ausnahme des "Mütterheims", vorwiegend im Bereich um die Gaststätte Trautheim und nordöstlich davon erstreckte, dehnte sich die "Villenkolonie" in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg nach Süden hin aus. Am mittleren Papiermüllerweg entstanden drei Wohnhäuser. Zwei ihrer Bauherren haben die Geschichte Trautheims nachhaltig beeinflußt.

1911 entdeckte der in Darmstadt als Setzer und Drucker arbeitende Christian Heinrich Kleukens am Waldrand ein mit gelbem Ginster bewachsenes kleines Feldstück. Er war so von diesem herrlich gelegenen, ihn an seine Bremer Heimat erinnerndes Stückchen Natur angezogen, daß er es käuflich erwarb und dort ein kleines Junggesellenhaus errichten ließ. Es war das erste reine Wohnhaus in der weiteren Umgebung, das ganzjährig bewohnt war. Kleukens gab im Hause des berühmten Biologen Prof. Gottlieb von Koch in der Viktoriastraße zu Darmstadt musisch begabten Kindern Kunstunterricht. In diesem Kochschen Kinderspielverein lernte er seine Frau Luise kennen, die ebenfalls dort pädagogisch arbeitete. 1912 heirateten Luise Krüger und Christian Heinrich Kleukens. Das Trautheimer Heim wurde nach dem Ersten Weltkrieg erweitert und 1924 durch einen Atelieranbau ergänzt.

Über die Person Kleukens und sein künstlerisches Schaffen schreibt Georg Zimmermann u.a.: „Der Schriftkünstler und Dichter Christian Heinrich Kleukens wurde am 7. März 1880 in Achim bei Bremen geboren und ist am 7. April 1954 gestorben und in Nieder-Ramstadt beigesetzt. Als Zwanzigjähriger arbeitete er an der gerade gegründeten Steglitzer Werkstatt in Berlin, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Drucken wieder wie in der schönsten Blütezeit zur Kunst zu erheben. Doch für Kleukens waren Druck und Sprache nicht zu trennen. Streben nach Schönheit des Drucks bei Vollkommenheit der Sprache war für ihn ein Stück Erziehung zu rechter Menschlichkeit. Er war Schriftkünstler und Dichter zugleich.

Von Steglitz ging er zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Friedrich Wilhelm, beide schon als Lehrkräfte, an die Staatliche Akademie für Buchgewerbe und Graphik nach Leipzig. Dort stellte er mit selbstverfaßten Fabeln sein erstes selbständiges Druckwerk her, getreu seinem Ziel, innere und äußere Schönheit harmonisch zu verbinden.

1907 wurde Christian Heinrich Kleukens als Setzer und Drucker, sowie als literarischer Berater an die neu gegründete Ernst-Ludwig-Presse an der Darmstädter Künstlerkolonie berufen, deren künstlerische Leitung 1914 von Friedrich Wilhelm ebenfalls an Christian Heinrich Kleukens überging. In dreißig Jahren sind dort 93 Werke gedruckt worden, von der Bibel und den großen Weltdichtungen bis zu den Dichtungen der Zeit von Rilke, Hofmannsthal und Binding, zum Teil als Erstveröffentlichungen. Nach Kriegsende rief Christian Heinrich Kleukens zusammen mit Rudolf G. Binding in Frankfurt am Main die Kleukens-Presse ins Leben, deren Werkstatt sich im ehemaligen Gartenhaus Heß, Am Trautheim 13, befand. Nach ihrer Satzung durften bei der Kleukens-Presse nur 'hervorragende Schöpfungen menschlichen Geistes' herausgegeben werden. Auch in Mainz hat Kleukens gewirkt, als Leiter der 1927 gegründeten 'Mainzer Presse'. Alle Schriften dieser Presse, die das typographisch vollkommene Buch für jeden erreichbar machen wollte, waren mit Schriften gedruckt, die Kleukens selbst entworfen hatte. In 10 Jahren sind dort 65 Drucke erschienen.

Bis zu seinem Tode war Christian Heinrich Kleukens rastlos tätig, nicht nur als Schriftkünstler, sondern auch als Dichter und Schriftsteller. Seine Fabeln in der Nachfolge Lessings in ausgefeilter Prosa sind besonders bemerkenswert. Seine Dramen „Der bankrotte Jona" (1932) und "SOS" (1931) sind treffende Analysen der Zeit. Christian Heinrich Kleukens gehörte zu den Kunstschaffenden, deren Wirken weltweite Anerkennung fand.

Großherzog Ernst Ludwig zeichnete ihn mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft aus. 1926 wurde ihm für sein bahnbrechendes und weithin wertstiftendes Schaffen im Dienste des schönen Buches der Georg-Büchner-Preis des Landes Hessen verliehen. 1937 wurden auf der Pariser Weltausstellung die Ernst-Ludwig-Presse, die Kleukens-Presse und die Mainzer Presse mit je einer Goldmedaille ausgezeichnet. Die Stadt Mainz ehrte Christian Heinrich Kleukens 1940 mit der Verleihung der Gutenberg-Medaille. Anläßlich seines 90. Geburtstages 1970 veranstaltete das Gutenberg-Museum in Mainz ihm zu Ehren und Gedenken eine vielbeachtete Ausstellung über sein Lebenswerk".

Zweifellos war Christian Heinrich Kleukens der herausragende Künstler Trautheims dieser Zeit. Es ist seiner Persönlichkeit und seinem Wirken zuzuschreiben, daß in der Folgezeit immer wieder Künstler sich von dieser Stätte angezogen fühlten und das "Image" Trautheims nachhaltig beeinflußten.



Wikipedia,
die weltweite Online-Enziklopädie:


„Christian Heinrich Kleukens
erlebte seine Jugend in Hemelingen und Bremen. Er wurde von seinem Bruder Friedrich Wilhelm in dessen Steglitzer Werkstatt ausgebildet und besuchte die Akademie für graphische Künste in Leipzig. Ab 1907 arbeitete er als Drucker in der neu gegründeten Privatdruckerei des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen, der Ernst-Ludwig-Presse in Darmstadt, deren Leitung er 1914 mit übernahm. 1911 errichtete er das erste reine Wohnhaus in der späteren Villenkolonie Trautheim. 1913 wurde er Mitglied der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe. 1919 gründete er mit Rudolf G. Binding die Kleukens Presse. 1927 wurde er schließlich Leiter der neu gegründeten Mainzer Presse und war Dozent an der Staatsschule für Kunst und Handwerk in Mainz.“



Das Klingspor-Museum
für Schriftkunst und Typografie:


Christian Heinrich Kleukens
Geboren am 7. März 1880 in Achim bei Bremen, gestorben am 7. April 1954 in Darmstadt.
1907 Mitbegründer der Ernst-Ludwig-Presse in Darmstadt mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm.
1919 gründet er mit Rudolf G. Binding die Kleukenspresse und
1927 wird er Leiter der neu gegründeten Mainzer Presse.“

Das Klingspor-Museum listet alleine zehn Antiqua- und Frakturschriften aus der Künstlerhand Kleukens auf.

Beispiel einer Kleukens-Schrift, die auch für den Gebrauch auf digitalen Textprogrammen zur Verfügung steht:



 

Autor:
Helmut Rückert






Christian Heinrich Kleukens
1880 – 1954



Das wegen seiner künstlerischen Bedeutung unter Denkmalschutz stehende Haus Kleukens



Das Grabmal Kleukens:
Bescheiden wie zu Lebzeichen
„Hier ruht der Drucker“