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Geschichte > Trautheim > Persönlichkeiten

Stand: 19.02.2013

 

 

 


 

Heinrich Bopp,

Autor:
Helmut Rückert

Volker Teutschländer





Heinrich Bopp
- 1876

der Erbauer des ersten Hauses in Trautheim

Am 27.12.1870 wurde die neue Odenwaldbahn eröffnet, was sicher die Attraktivität unserer Gegend als Ausflugsziel der Darmstädter Bürger erhöhte. Vielleicht ist es diesem Umstand zuzuschreiben, daß der Darmstädter Bankier Heinrich Bopp ein Grundstück in der Nähe der Emmelinenhütte erwarb, auf dem er 1871 ein Landhaus erbaute. Sommerhäuser dieser Art waren damals in großbürgerlichen Kreisen weit verbreitet. Man lebte und arbeitete zwar in der Residenz, zog sich aber gerne im Sommer in die Landhäuser zurück. Bevorzugte Gegend war die vordere Bergstraße, besonders beliebt war Jugenheim.

Daß nun Bopp seine "Datscha", wie er das Haus nannte, ausgerechnet hier, neben der kleinen Forstwarthütte errichtete, wird in seinen Kreisen wohl kopfschüttelndes Unverständnis ausgelöst haben. Heute können wir die Wahl Bopps nur begrüßen, denn dieses Sommerhaus ist die Keimzelle unseres Ortsteils Trautheim.

Heinrich Bopp war Direktor und Mitbegründer der "Bank für Handel und Industrie" in Darmstadt, der Vorläuferin der "Darmstädter und Nationalbank", in den Zwanzigerjahren eines der bedeutendsten Finanzinstitute Deutschlands. Ein zeitgenössisches Gemälde zeigt ihn als einen energischen, ernsten Herren mit einem ausladenden Backenbart.

Er schenkte das neue Haus seiner aus Rußland stammenden Frau zur Hochzeit. Heinrich Bopp konnte sich aber nur kurze Zeit seines Trautheimer Besitzes erfreuen, 1876 starb er bereits. Seine Frau ließ das neben dem Landhaus stehende Kutscherhaus als Gästehaus ausbauen, um ihrer zahlreichen Verwandtschaft Unterkunft zu bieten. Dieses Gästehaus, 1912 nochmals umgebaut, steht heute noch (Alte Darmstädter Straße Nr.3), während das Boppsche Haupthaus 1969 abgerissen wurde, um den heute dort stehenden Reihenhäusern Platz zu machen. Der Boppsche Grundbesitz, den der Sohn Dr. Alexander Bopp durch Zukauf erweiterte, umfaßte große Teile des Gebietes westlich der Alten Darmstädter Straße von der Emmelinenhütte bis zu dem heutigen Haus Brammer, Alte Darmstädter Straße 25. Der Schwiegersohn Dr. Carl Alwin Schenck pflanzte auf dem Grundstück seltene Bäume, von denen heute leider kaum noch etwas zu sehen ist. Schenck war ein bedeutender Forstmann, der 1898 in den USA die erste Forstschule gründete und damit dort die Forstwissenschaft einführte.

Die Boppschen Häuser wurden, wie die anderen frühen Landhäuser Trautheims, nur in den Sommermonaten bewohnt. Erst nach 1918 dienten sie ganzjährig als Wohnsitz. Frau Maria Bopp verkaufte in den folgenden Jahren einen Teil des riesigen Grundstücks; als sie 1932 starb, waren immerhin noch rd. 6000 qm vorhanden.

Der Sohn des Bankiers Bopp, der Rechtsanwalt Dr. Alexander Bopp, war ein Freund des Großherzogs Ernst Ludwig und Gründer des Schwimmklubs "Jung-Deutschland" in Darmstadt, des heutigen DSW. Er stellte vor dem Ersten Weltkrieg den Weißen Dragonern ein Gelände östlich der Alten Darmstädter Straße zu Übungszwecken zur Verfügung. Diese "Funkerwiese" wurde bis 1918 vom Militär genutzt, später war sie Fußballplatz. 1912 war Bopp in Anwesenheit der großherzoglichen Familie der Festredner bei der Einweihung des Monumentes in der Ortsmitte Nieder-Ramstadts zum Gedenken an die Kriegsopfer 1870/71. 1914 ist Alexander Bopp bereits gefallen.