Startseite

Frankenstein Freizeit Gemeinschaft Geografie Geschichte Mühlen Sehenswert

Kontakt:

 

 

 

Geschichte > Trautheim

Stand: 23.05.2013

 

 

 


 

Trautheim: Seine Geschichte, seine Architektur, seine Menschen

(Eine Monografie nach dem Vortrag von Helmut Rückert vor der Vereinigung Trautheimer Bürger am 12.12.2012)

Dieser Vortrag handelt von Menschen und ihren Häusern, von den Anfängen im späten 19. Jahrhundert, von den Siedlern der Wildnis nach dem Ersten Weltkrieg, von einigen bemerkenswerten Häusern, von Menschen, die noch in guter Erinnerung sind, von den einschneidenden Veränderungen der letzten Jahrzehnte im Ortsbild, von Künstlern, die hier lebten und wirkten und von einigem mehr.

Auf der bekannten „Situations-Charte des Artillerie Lieutenant Haaß von 1789“ ist am nördlichen Ende des Papiermüllerweges eine „Holzmacherhütt” eingezeichnet. Die von der Jagd besessenen Landgrafen hatten wegen „Störung des Wildbestandes“ die private Holznutzung stark eingeschränkt. Zu deren Überwachung ließen sie schlichte Hütten errichten und siedelten darin geeignete Bedienstete mit ihren Familien an. Für sie war es ein erbärmlich armes Leben im Wald. Sie besserten häufig ihren Lebensunterhalt auf, indem sie oft Schankwirtschaften – wohl mehr Spelunken – einrichteten. (links: Gouache von Ernst August Schnittspahn von 1859, rechts: das heutige Forsthaus).

Wie kam diese Behausung zu ihrem Namen „Emmelinenhütte“? 1811 wurde am Hoftheater die seinerzeit ungeheuer populäre,heute völlig vergessene lyrische Oper von Weigl „Die Schweizer Familie” aufgeführt. In der Handlung kommt ein Mädchen namens Emmeline vor, die ihre Heimat verlassen musste, sich in der Fremde vor Heimweh verzehrte und sich eine kleine Hütte baute, die der heimatlichen Bauweise glich.

Man sagt, der Name des Mädchens sei auf Anregung der damaligen Großprinzessin Wilhelmine auf die Hütte am Papiermüllerweg übergegangen. Sie hatte sich im Frühjahr 1814 mit ihren Schwestern, der späteren Zarin Elisabeth Alexiewna und der Königin Caroline von Baden vor der Emmelinenhütte getroffen. Ein Gedenkstein war noch bis 1959 dort zu sehen. Großherzogin Wilhelmine ließ die Hütte zu einem bescheidenen Heim für eine verarmte Holzmacherfamilie ausbauen. Sie wurde bald zu einem beliebten Ausflugsziel der Darmstädter Bürger. 1905 wurde nebenan ein modernes Forsthaus errichtet.

Das älteste heute noch stehende Bauwerk ist der Tempel auf dem Lindenberg. Um 1840 ließ Großherzog Ludwig II. den Pavillon im Stil der Romantik anlegen, der Besuchern einen weiten Ausblick in die Rheinebene gewährte. Bis 1933 kamen hier alljährlich die Mitglieder der Frankfurter Freimaurerloge „Carl zur Linde” zu ihren Feiern zusammen. Auch in späteren Jahren wurden hier immer wieder Waldfeste begangen.

Nach 1870 wurde es in Darmstädter großbürgerlichen Kreisen Mode, sich Sommerhäuser in der Umgebung zuzulegen. Man arbeitete in der Residenz, wohnte jedoch im Sommer auf dem Land. Sehr beliebt war damals Jugenheim an der Bergstraße.Dass der Bankier Heinrich Bopp nun an der Emmelinenhütte ein riesiges Grundstück kaufte und dort 1871 ein Sommerhaus errichtete, dürfte bei seinen Standeskollegen Kopfschütteln ausgelöst haben.

Bopp schenkte das Haus seiner russischer Frau zur Hochzeit und nannte es „Datscha Bopp”, das das erste Wohnhaus auf Trautheimer Gebiet wurde. 1969 musste die Datscha Reihenhäusern Platz machen, sie wurde abgerissen. Heinrich Bopp starb bereits 1876, seine Witwe ließ das nebenan stehende sogenannte „Kutscherhaus” als Gästehaus ihrer zahlreichen Verwandtschaft ausbauen. Das schöne Haus steht heute noch.

Maria Bopp verkaufte einen Teil ihres riesigen Grundstücks an das Diakonissenhaus Elisabethenstift in Darmstadt, das dort 1889 das „Haus Elim“ als Ferienhaus für seine Schwestern errichtete, erbaut von dem Darmstädter Architekten Reinhard Klingelhoeffer, benannt nach Ex15,27, wonach das Volk Israel bei seiner langen Wüstenwanderung aus Ägypten schließlich die Oase Elim erreichte (Bild links).

1890 erwarb der Darmstädter Kaufmann Rudolph Vollrath ein Grundstück, das sich von der heutigen Gaststätte Trautheim bis zur Eisenbahn erstreckte. Kurz darauf ließ er von dem Darmstädter Architekten Konrad Drott ein „Wohnhaus mit Remise“ errichten, das er „Villa Irene” nannte (Bild rechts. 1894 bekam er die Genehmigung zum Betrieb einer Schankwirtschaft. Rudolph Vollrath war ein Eigenbrötler, Vegetarier, Antisemit, Anhänger der Freikörperkultur. Ein sehr eigenwilliger Charakter.

Kurz nach Vollrath erwarb der aus Remscheid stammende August Böning am Waldrand des „Bessunger Hinterforsts” ein großes Grundstück, auf dem er eine stattliche Villa errichtete, in der er eine Kaffeewirtschaftbetrieb. Das „Café Waldesruh” wurde zu einem beliebten Ausflugsziel (Bild unten links).

In der Nähe der Waldesruhe entstanden vor 1900 sogar einige Kurhäuser, die aber alle verschwunden sind. Das einzige erhaltene Haus in dieser Gegend ist das „Haus Tachtler” aus dem Jahr 1893. Aus dieser Zeit stammt auch das auf Traisaer Gebiet gelegene benachbarte „Haus Waldeck”, bekannt als die spätere „Aufbauschule”.

Rudolph Vollrath erbaute neben seiner „Villa Irene” 1895 die „Villa Trautheim” (Bild rechts). Vollrath gab seinen Kindern sonderbare Vornamen: Fürchtegott, Veit, Treuherz, Wela sowie Ehregott Trautheim – und nach Sohn Trautheim nannte er auch sein neues Haus. Dieser Sohn gab seinen eigenen Kinder ebenso eigenwillige Namen: Arnfried Bertram Gelmar, Benno Egbert Rudolf und Harold Ortwin Teutomar. Das „Vegetarische Speisehaus mit Gästezimmern” wurde ebenfalls zum beliebten Ausflugsziel. Vollrath hatte Probleme mit der Gemeinde wegen der Geländeverluste durch den Bau der „Neuen Chaussee“ (der heutige Odenwaldstraße) wegen Nichteinhaltung von Sicherheitsbestimmungen und wegen einer Grabstätte im eigenen Garten für ein verstorbenes Kind. Vollrath verzog 1904 und wanderte 1907 nach Brasilien aus. Das Gasthaus wechselte mehrmals den Besitzer, ist aber heute noch ein schönes Haus und beliebtes Lokal, das Wahrzeichen unseres Ortsteils.

Neben dem Elim wurde 1896 ein kleines Sommerhaus errichtet, das 1906 der Hausarzt der Familie Bopp, Dr. Carl Brüning erwarb (linkes Bild).

1897 hatte der Gärtner Jakob Leißler in der Nähe der Vollrathschen „Villa Irene” eine Gärtnerei eröffnet und sich dort die sogenannte „Villa Rundblick” erbaut. Schon ein Jahr später zerschnitt die „Neue Chaussee” das Grundstück und trennte die Gärtnerei von dem Wohnhaus. Noch steht das historische Gebäude (Abb. Gemälde unten rechts).

Die Bebauungsdichte nahm bis zum Ersten Weltkrieg langsam zu. Etwa 150 Bewohner bewohnten die Häuser, die zum Teil noch immer nur als Sommerhäuser genutzt wurden. Die ersten Häuser im mittleren Teil entstanden, ganz im Süden das „Mütterheim”, die ersten Häuser auch „In der Röde”.

1906 wird die kleine Siedlung in amtlichen Verzeichnissen „Trautheim“ genannt.

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg

Der Gedanke, in der Nähe der größeren Städte Villenkolonien und Orte mit aufgelockerter Bauweise und Gärten anzulegen, fand um die Jahrhundertwende allgemeinen Zuspruch. So setzten sich 1904 Bürger aus Traisa und Nieder-Ramstadt zusammen und gründeten einen „Verein Gartenstadt Nieder-Ramstadt-Traisa bei Darmstadt”. Er nahm sich zur Aufgabe „die Wohlfahrt der Gemeinden …zu fördern, insbesondere durch Hebung des Fremdenverkehrs und Begünstigung der Ansiedlung steuerkräftiger Elemente”. Einige der damals noch wenigen Trautheimer Bürger engagierten sich an führender Stelle in dem Verein.

Die Stadt Darmstadt blockierte das maßgebliche Anliegen des Vereins, nämlich die Verlängerung der Straßenbahn, um seine eigene Gartenvorstadt im Martinsviertel nicht zu gefährden. Uneinigkeiten zwischen Nieder-Ramstadt und Traisa wegen der geplanten Trassenführung kamen dazu. Damals schon entstand ein projektiertes Straßennetz von Trautheim, das erst viele Jahre später umgesetzt werden sollte. Der Erste Weltkrieg beendete die Tätigkeit des Vereins, dessen Pläne und Vorarbeiten besonders im Ebing” und auf dem Lohberg umgesetzt werden konnten.

Im nördlichen Bereich der kleinen Siedlung entstand 1904 „In der Röde” das bemerkenswerte Haus Gengenbach, auch heute noch ein sehr schön proportionierter Bau (rechts).

Im gleichen Jahr erbaute der Darmstädter penglermeister Christoph Wamboldt auf der Ostseite der Alten Darmstädter Straße ein Sommerhaus, in das er nach dem Ersten Weltkrieg voll übersiedelte. Heute gilt das Haus als ein Beispiel für eine optisch gelungene Erweiterung und Modernisierung (links).

Alle Bauaktivitäten konzentrierten sich auf das nördliche Gebiet Trautheims. Es ist deshalb erstaunlich, dass das bekannteste Trautheimer Kurhaus, das spätere „Mütterheim” ausgerechnet an der südlichen Peripherie erbaut wurde. Das Kirchspiel Nieder-Ramstadt war im 19. Jh. Pflegegebiet für Frankfurter Waisenkinder, die in Familien in Nieder-Ramstadt und Traisa untergebracht wurden. 1909 trat der „Verein für kränkliche Kinder” und der „Verein Heilstätte Burgwald” mit dem Antrag auf Bau eines Kinderheimes und einer Trinkerheilstätte an die Gemeinde heran.

Die Gemeinde lehnte das Begehren ab mit dem Argument, „der Ruf der Gemeinde würde ruiniert und der Zuzug besser Situierter beeinträchtigt“! Die Großherzogliche Verwaltung setzte den Standort für das Kinderheim „Odenwaldhaus“ durch, die Trinkerheilstätte wurde in der Nieder-Ramstädter Mordach errichtet.

1909 entstand das „Odenwaldhaus” zunächst für 24 Kinder. 1928 wurde es, jetzt im Besitz des „Verbandes Evgl. Frauenvereine”, erstmals umgebaut und 1936 erweitert. Das „Mütterheim” wechselte mehrfach den Besitzer und die Nutzung (NS-Volkswohlfahrt, Elly-Heuss-Knapp Stiftung, Evgl. Frauenhilfe in Hessen und Nassau). 1973 ersetzte die Frauenhilfe die Gebäude durch einen Neubau. 1984 übernahm es die Post als Bildungseinrichtung, inzwischen dient es dem Roten Kreuz als Schulungszentrum und als Tagungshotel.

In der Nähe der Gaststätte Trautheim entstanden kurz vor dem Ersten Weltkrieg die beiden gelungenen Häuser Hess und Deckweiler. 1911 entdeckte der in Darmstadt als Drucker und Setzer arbeitende Christian Heinrich Kleukens am Waldrand ein mit Ginster bewachsenes kleines Feldstück, das ihn an seine bremische Heimat erinnerte. Er erwarb es käuflich und errichtete darauf ein kleines Junggesellenhaus, das erste ganzjährig bewohnte Haus im mittleren Teil der heutigen Alten Darmstädter Straße.

Kleukens arbeitete in seinen frühen Jahren an der gerade gegründeten „Steglitzer Werkstatt” in Berlin, die es sich „zur Aufgabe gemacht hatte, das Drucken wieder wie in der schönsten Blütezeit zur Kunst zu erheben.” Doch für Kleukens waren Druck und Sprache nicht zu trennen. Streben nach Schönheit des Drucks bei Vollkommenheit der Sprache waren für ihn ein Stück Erziehung zu wahrer Menschlichkeit.

Nach seiner Heirat erweiterte er das Haus und baute 1924 ein Atelier an. 1907 wurde er als literarischer Berater an die Ernst-Ludwig-Presse auf der Künstlerkolonie berufen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war er der Kopf dieser Institution. Unter seiner Leitung wurden dort viele Werke der Weltliteratur gedruckt, zum Teil als Erstveröffentlichungen. Nach dem Krieg rief Kleukens zusammen mit Rudolf G. Binding in Frankfurt die Kleukens-Presse ins Leben. Nach ihrer Satzung durften bei der Kleukens-Presse nur „hervorragende Schöpfungen menschlichen Geistes” herausgegeben werden. Alle diese Werke wurden mit Schriften gedruckt, die Kleukens selbst entworfen hatte.

Bis zu seinem Tode war Kleukens rastlos tätig, nicht nur als Schriftkünstler, sondern auch als Schriftsteller. Seine Fabeln in Plattdeutscher Sprache sind besonders bemerkenswert. Christian Heinrich Kleukens wurde u. a. mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft 1914,dem Georg-Büchner-Preis 1926, der Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung 1937, der Gutenberg-Medaille der Stadt Mainz 1940 ausgezeichnet. 1954 fand er auf dem Friedhof in Nieder-Ramstadt die letzte Ruhe. Zweifellos war Kleukens der herausragende Künstler Trautheims dieser Zeit. Es ist seinem Wirken und seiner Persönlichkeit zuzuschreiben, dass in der Folgezeit sich immer wieder Künstler von dieser Stätte angezogen fühlten und das Image Trautheims nachhaltig beeinflussten.

Im gleichen Jahr, in dem Kleukens sein Junggesellenhaus erbaute, entstand in der oberen Alten Darmstädter Straße das schöne, im Landhausstil der Jugendstilzeit errichtete Wohnhaus Eschner, den Trautheimern besser als Haus Steinmann bekannt. Dieses Haus ist als Beispiel dieser Zeit aus baukünstlerischen Gründen als schützenswert anerkannt (linkes Bild).

In der Röde baute zur gleichen Zeit der Innenarchitekt Max Hill das bemerkenswerte „Haus Eisenhut”, so genannt wegen der an einen Helm erinnernden Dachform. Der Innenausbau des Hauses mit einer von Säulen getragenen Treppenhalle und einem großen holzgetäfelten Wohnzimmer im Erdgeschoss zeigt die künstlerische Begabung dieses eigenwilligen Mannes, einem Schüler von Joseph Maria Olbrich (Bild rechts).

In unmittelbarer Nähe zu dem Kleukensschen Anwesen errichtete sein Freund, der Architekt Walter von der Leyen, 1913 sein prachtvolles Landhaus „Leyenhof”, 1928 baulich verlängert und als Kulturdenkmal anerkannt. Leider ist es heute, wie so viele Trautheimer Baudenkmäler, versteckt hinter Mauern und bedrängt von Bauwerken aus späteren Zeiten.

Von der Leyen stammte aus Bonn, war Assistent bei Prof. Walbe in Darmstadt und wurde im Staatsdienst Chef der „Baupolizei“, dann von den Nazis auf einen unbedeutenden Posten strafversetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich mit großer Zähigkeit als Leiter des Staatsbauamtes für den Wiederaufbau der landeseigenen Bauwerke in Darmstadt ein, dem Schloss, dem Landestheater, dem Landesmuseum, dem Kollegiengebäude oder dem Weißen Turm.

Von der Leyen war Gründungsmitglied der Baugenossenschaft Wildnis und deren baulicher Berater. Er übte großen Einfluss auf die Bautätigkeit in Trautheim nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Er verstarb 1967.

Bis dahin siedelten sich nur wohlhabende Bauherren an, dann kam der Telegrafensekretär Ernst Müller und baute 1913 sein Haus unmittelbar neben dem Anwesen von der Leyens. Der erste, der sein Haus nicht „errichtete”, sondern sich ersparte, Trotz des sozialen Unterschieds war er voll integriert in die gute Nachbarschaft.

In den Zwanzigerjahren

Am Eintritt des Lindenbergwegs in den Wald steht das repräsentative Wohnhaus des Kirchenmalers und Restaurators Hermann Velte,1921 als erstes „Wildnishaus”, also mit der Baugenossenschaft „Wildnis“ erbaut und mehrmals erweitert. Hermann Velte, 1883 in Biedenkopf geboren, arbeitete lebenslang als Kirchenrestaurator, der dafür alle Tugenden beherrschte, das präzise Handwerk, die Wissenschaft des Kunsthistorikers, das empfindsames Raumgefühl, die künstlerische Intuition, eiserne Disziplin und physische Ausdauer. Nebenbei war er ein begabter Maler.

Der Sohn hatte die Begabung und den Beruf geerbt, kam aus dem Zweiten Weltkrieg schwer verletzt (beinamputiert) zurück und arbeitete sofort wieder auf dem Gerüst. Beide Veltes waren angesehene Fachleute. Viele Kirchen in Süddeutschland sind von ihnen restauriert worden, hoch geachtet in der Fachwelt! Auch die Tochter Gisela des Hermann Velte jun. wurde Kirchenrestauratorin – eine schwere Arbeit für eine Frau. Sie war zugleiche eine begabte Scherenschnittkünstlerin.

Neben Velte erbaute 1922 die Lehrerin Hermine Bohne ein kleines Haus, nicht als Villa zu bezeichnen.

Zur gleichen Zeit ließ der Pädagoge Dr. Georg Politsch neben Kleukens sein harmonisches Fachwerkhaus errichten, das heute denkmalgeschützt ist (links).

Die Häuser Velte, Bohne, Politsch gehören zu den „Wildnishäusern”.

Die Siedler der frühen Zwanzigerjahre mussten sich mit dem Problem der rasant ansteigenden Material- und Lohnkosten auseinandersetzen. Eine solide Finanzierung war nicht möglich. Besonders die langen Bauzeiten mit den damit verbundenen Risiken hemmten die Bautätigkeit. Der Innenarchitekt Max Hill und der Architekt von der Leyen schlossen sich zu einer „Dachhaus-Gesellschaft” zusammen, um ein Haus in Fertigbauweise zu konzipieren. Geldgeber war der Mainzer Holzgroßhändler Hamm. In nur zwei Monaten stand das Musterhaus – seiner Zeit voraus. Es sollte das einzige „Dachhaus“ bleiben, die Zeit war noch nicht reif für diese außergewöhnliche Bauform (unten).













„Wildnishäuser”?

1914 erwarb Johannes Aff, Beamter im Hess. Finanzministerium, ein großes Grundstück im Bereich der „Alten Dieburger Straße“. Noch während des Krieges rodete er mit Hilfe französischer Kriegsgefangener das Gelände.

Johannes Aff war stark dem Gedanken der Wandervogel-Bewegung verbunden, sein ausgeprägtes soziales Verständnis suchte ein Betätigungsfeld. Mit einigen Freunden gründete er 1919 die „Baugenossenschaft Wildnis” unter dem Einfluss des Bodenreformers Adolf Damaschke mit der ausschließlichen Zielsetzung, „Minderbemittelten (Kriegsteilnehmern) gesunde und zweckmäßige Wohnungen in eigens erbauten Häusern zu ermöglichen“.

Der Siedlungsgedanke stand nun im Vordergrund, nicht mehr die Villen der Betuchten. Johannes Aff brachte sein Grundstück in die Genossenschaft ein. Natürlich kamen seine vielen Wanderkameraden gerne zum Zelten und Feiern auf das Grundstück, man kam gerne in die „Wildnis”, wie sie das verwahrloste, früher als Müllkippe dienende Gelände nannten.

1924 erbaute Johannes Aff sein „Wildnishaus”, ein harmonischer Fachwerkbau, der ihn an seine oberhessische Heimat erinnerte. Man lebte ländlich, fast alle Lebensmittel wurden selbst angebaut. Und natürlich hielt man Schafe und Ziegen. Platz hatte man ja auf den großen Grundstücken. 1929 legten die Siedler neben dem Affschen Grundstück einen kleinen Badeteich an, der als kleines Biotop heute noch erhalten ist.

Johannes Aff war ein früher Alternativer, unkonventionell gekleidet, der Prototyp des „Spinners” für die Bürger von Nieder-Ramstadt, stadtorientiert und weltoffen. Er erwarb sich große Verdienste als Mentor der Baugenossenschaft und ermöglichte vielen Bauherren, sich hier anzusiedeln. Erst 1957 wurde das letzte freie Genossenschafts-Grundstück besiedelt. Das Bild Trautheims hat sich unter dem Einfluss der „Wildnis” stark verändert. Durch seine Persönlichkeit und sein Wirken hat Johannes Aff die Geschichte Trautheims maßgeblich beeinflusst. Sein soziales Engagement brachte ihm hohe Ehrungen ein. Der „Vater Trautheims” starb im 90. Lebensjahr.

Etwas abseits der bestehenden Bebauung errichtete 1928 der Major a. D. Ernst Hauß ein Wohnhaus „Im Wiesengrund“. Es sollte für 10 Jahre das einzige Haus in dieser Gegend bleiben. 1932 erwarb der Verleger Dr. Ernst Mushake dieses Haus, das zunächst nur zum Aufenthalt am Wochenende dienen sollte, bald aber Hauptwohnsitz wurde.

Mit Mushake betrat ein Mann die Trautheimer Bühne, der durch seine verlegerische Tätigkeit und sein Engagement im Ausbildungswesen des Buchhändlerverbandes das Renommee Trautheims steigerte.

Mushake, in Weinheim geboren, studierte Volkswirtschaft und Philosophie. 1926 gründete er seinen eigenen Verlag, der hauptsächlich Beiträge zur Heimatgeschichte und Wirtschaftsmonografien einzelner Städte heraus brachte. Da er nicht bereit war, seine politischen und religiösen Anschauungen dem Zeitgeist zu opfern, brachen nach 1933 harte Zeiten für den jungen Verleger an. Nach dem Krieg konnte er mit einer Lizenz der französischen Militärregierung seine Verlagstätigkeit erfolgreich ausweiten. Ernst Mushake war auch schriftstellerisch tätig. Er starb 1969 nach langer Krankheit. Sein Sohn Alexander setzte seine Tätigkeit fort, auch hat er sich in Trautheim als Kommunalpolitiker einen Namen gemacht.

Die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg

Im Wiesengrund wurden 2 Häuser gebaut, nur dieses kleine, schöne Holzhaus hat den Bauboom der letzten Jahrzehnte überstanden (links).

Am Willgraben entstand 1934 das erste Haus, Erbauerin war die Juristin und Regierungsrätin Amalie Keller, eine der ersten Frauen, die es wagte, in die Männerdomäne der Juristen einzubrechen. Ihr Vorbild war ein Teil der Frauenemanzipation.

In Trautheim Süd, neben dem Mütterheim, erbaute 1933 der Sozialjurist Dr. Hans Schenck sein großes einstöckiges Holzhaus inmitten einer schönen Parklandschaft. Typisch für viele Trautheimer Villen war die individuelle Bauweise, ganz auf die Bewohner zugeschnitten. Von außen machte es einen bescheidenen Eindruck, war jedoch innen sehr wohnlich und großzügig.

Dr. Schenck entstammte einer uralten Darmstädter Familie, studierte in Mainz und Gießen Jura. 1922 wurde er Bürgermeister von Lindenfels, später Verwaltungsdirektor der Anstalten Bethel. Wie viele Trautheimer Intellektuelle hatte er Probleme mit dem Naziregime. Nach dem Krieg vertraute man ihm den Wiederaufbau des Roten Kreuzes in Hessen an. Er war verheiratet mit Maria geb. Hensel, aus der berühmten Musikerfamilie Mendelssohn stammend. Auch war sie mit dem Dichter Werner Bergengruen verwandt. Als „Halbjüdin” war sie nach 1933 sehr gefährdet, konnte aber die Zeit überstehen. Beide Schencks waren sehr sozial engagiert, ihr Haus, die „Arche”, wurde ab 1945 Treffpunkt der desillusionierten jungen Kriegsgeneration. Hans und Marie Schenck waren äußerst beliebte Mitbürger. Im kleinen Gartenhäuschen kamen nach dem Krieg Flüchtlinge aus dem Sudetenland unter.

1935 ließ Hans Schenck auf seinem großen Grundstück ein kleines Holzhaus als Musterhaus für eine Arbeitersiedlung bauen. Es ist heute als sozialgeschichtliches Baudenkmal für die Zeit der frühen Dreißigerjahre anerkannt, das aber nun ganz in die Waldrandvegetation eingebunden ist. 1969 wurde das große Anwesen verkauft, und eine neue Zeit brach an: Es wurde ein markantes Beispiel für die anbrechenden baulichen Veränderungen in Trautheim. Wo früher die „Arche” stand, erheben sich nun großvolumige Wohnblocks. Das hatten sich die Initiatoren der „Wildnis” so nicht vorgestellt.

Im nördlichen Bereich Trautheims kam es in den Dreißigerjahren zur Bebauung der Waldstraße auf der Südseite mit durchwegs stattlichen Bürgerhäusern, von denen noch einige zu sehen sind.

Auch in der Alten Darmstädter Straße wurde eifrig gebaut, meist kleinere Wohnhäuser.

Das Trautheim der Dreißigerjahre war ein gutbürgerliches Wohngebiet, eine „Villenkolonie”, so die offizielle Bezeichnung. Aber eine „Künsterkolonie” war es nie.

Künstler zog es nach Trautheim

Dazu waren die Künstler in der Minderzahl und die Motive zu siedeln zu unterschiedlich. Aber in Künstlerkreisen sprach sich herum, dass „der Kleukens in Trautheim wohnt” oder der „Velte ein Haus am Waldrand hat“.

Man besuchte sich, neue Freundschaften wurden geschlossen, es entstand ein Lebensraum für geistigen Austausch. Und das zog einige Künstler an. Vier von ihnen seien kurz vorgestellt.

Der Maler Heinz Hohmann bezog 1937 sein kleines Wohnhaus im Kirchbergweg, das er bis zu seinem Tode bewohnte.

Er entstammte einer Darmstädter Druckereibesitzer-Familie, arbeitete auch zuerst als Drucker, widmete sich dann aber nach Studium in Straßburg, München, Paris und Berlin ganz der Malerei. Zahlreiche, fast durchweg kleinformatige Bilder sind in seiner Trautheimer Zeit entstanden, meist stille und fein empfundene Pastelle mit Motiven aus der Landschaft Trauheims und Nieder Ramstadts.

Besonders in seinen letzten Jahren entstanden auch eindrucksvolle Portraits. Die Zerstörung der väterlichen Druckerei im September 1944 entzog Hohmann die finanzielle Basis. Nur mühsam konnte er sich durch den Verkauf seiner Bilder durchschlagen. Viele Trautheimer kauften seine Bilder, und so hat noch fast jeder alte Trautheimer seinen „Hohmann” an der Wand. Heinz Hohmann schied 1949 aus dem Leben. (Bild: „Waschenbacher Tal“, 1947).

Zur gleichen Zeit lebte in Trautheim die Bildhauerin Margret Böning, eine Schülerin von Käthe Kollwitz. Ihre Plastiken sind heute gesuchte Sammlerstücke. Zu erwähnen ist auch die Malerin und Bildhauerin Christel Schweitzer, die ausdrucksstarke Werke geschaffen hat. Besonders bekannt sind ihre schönen, auf das Wesentliche zurück geführten Collagen und Tierplastiken.

Die Porzellanmalerin Ria Schlereth wollte nie als Künstlerin bezeichnet werden, aber ihre Exponate sprechen für sich. Eigenwillige Dekors und reizvolle Märchenmotive schmücken ihre Werke.

Zu den Künstlern unserer Tage gehören u.a. der Gymnasiallehrer, Maler, Fotograf und Lyriker Dieter Breiholz, Träger des Kunstpreises der Gemeinde Mühltal, der auch 1995 den beiden Architekten und Malern Horst und Thorsten Schmiedeknecht zuteil wurde. Kunstpreisträger vergangener Jahre waren Jens Meyer, Monika Platschke und Elke Laubner.

Die Baugeschichte vor dem Zweiten Weltkrieg

Zurück zur Baugeschichte der Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Ein Haus, das heute noch Trautheim zur Zierde gereicht, ist das 1937 durch den Darmstädter Architektur-Professor Pinand für den Fabrikanten Hans Roeder errichtete stattlich Haus „In der Wildnis”. Hans Roeder nannte das im norddeutschen Stil mit dunkelroten Klinkern erbaute Haus „Alte Liebe” in Erinnerung an die Bremer Heimat seiner Frau.

1938 erbaute ein Mann, der zu den profiliertesten Persönlichkeiten unseres Ortsteils werden sollte, auf einem ein Jahr vorher erworbenen Grundstück ein Haus, Martin Wagenschein. Der promovierte Physiker war als Pädagoge und Didaktiker wegbereitend in der Entwicklung neuer Unterrichtsinhalte und Lehrmethoden im naturwissenschaftlichen Bereich. Er leistete bedeutende und grundlegende Beiträge zur Theorie des Lehrens und Lernens. Er war ein Praktiker, dessen Schüler und Studenten von seiner Persönlichkeit und seinem Unterricht gefangen und geprägt wurden. Wer einmal sein Schüler war, wird Wagenschein nicht vergessen.

Sein beruflicher Werdegang führte ihn von der Uni Gießen über die Freie Odenwaldschule in Ober-Hambach bis zur Aufbauschule in Traisa. Hoch geehrt als Professor und zweifacher Dr. starb er 1988 in Trautheim. Die Gemeinde Mühltal ehrte ihn durch die Benennung eines Weges parallel zum „Wiesengrund”

Zur gleichen Zeit wie Wagenschein ließ sich in Trautheim ein Mann nieder, der von ähnlichem Format zu den auffallendsten Persönlichkeiten unseres Ortsteils werden sollte, der Maler und Schriftsteller Gustav Waldt.

1883 in Darmstadt geboren, wurde er in seiner Jugend stark vom humanistischen Bildungsauftrag des Ludwig-Georgs-Gymnasiums geprägt. Er studierte in Gießen und Heidelberg, wurde Lehrer in Worms und Bad Nauheim, bis ihn 1934 die Nazis aus dem Schuldienst entließen. Nur mühsam konnte er sich wirtschaftlich am Bodensee und in Lützelbach im Odenwald über Wasser halten. Aber es gelang ihm noch im Krieg 1941, ein kleines Häuschen im Willgraben zu bauen. Dort bildete sich eine Zelle geistiger Betätigung mit Gleichgesinnten und Freunden, wo manch Gefährdeter Zuspruch und Obdach fand.

Nach dem Krieg rief man Gustav Waldt, schon im Ruhestandsalter, zusammen mit Martin Wagenschein als Lehrer an die Traisaer Aufbauschule. Gustav Waldt war Maler und Schriftsteller, der einen regen Gedankenaustausch mit Montagnola, Hans Carossa, Hermann Hesse und besonders Ernst Kreuder pflegte. Sein Hauptwerk „Elegie Schloss Seeheim” entstand im Verborgenen während des Krieges. Sowohl er als auch seine Frau Annie hinterließen eine große Anzahl von Gemälden, Erinnerungen an frühe Wanderungen in Europa.

Gustav Waldt war eine herausragende Persönlichkeit, menschlich, fachlich und künstlerisch. Er verstarb an einem Wintermorgen 1959 in seinem Haus Am Willgraben. Seine Frau Annie überlebte ihn um 20 Jahre.

Aufschwung nach dem Krieg

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Trautheim noch eine überschaubare Größe. Jeder kannte jeden, die Nachbarn waren freundschaftlich verbunden. Natürlich waren die Auswirkungen des Krieges überall zu spüren, die Männer waren zur Wehrmacht eingezogen, und die Frauen trugen die ganze Last der Arbeit. Aber das war kein speziell Trautheimer Problem. Von direkten Kriegshandlungen blieb der Ortsteil verschont, wenn auch die Tieffliegerangriffe der letzten Monate uns Schülern auf dem Weg nach Nieder-Ramstadt zu schaffen machten.

Der Zuzug von Ausgebombten aus Darmstadt und später von Heimatvertriebenen ließ die Bewohnerzahl stark ansteigen. Alle Häuser waren überbelegt. Auf dem Gelände des Alten Sportplatzes (heute Prinzenbergweg) brachte man Wohnungssuchende provisorisch in Baracken unter, die der Reichsarbeitsdienst während des Krieges gebaut hatte. Die Amerikaner rückten ein, beschlagnahmten das Café Trautheim und einige Häuser im dortigen Bereich für einige Jahre.

Aber bald stabilisierte sich die Lage. Dank der Baugenossenschaft Wildnis begann die Bautätigkeit besonders im südlichen Teil unseres Ortes. Die ersten Doppelhäuser entstanden hier an der Alten Dieburger Straße. Aber alles in allem ging es noch recht gemütlich zu.

Man muss sich vor Augen führen, mit welchen Problemen die Siedler der ersten Nachkriegsjahre zu kämpfen hatten. Die Häuser wurden fast alle in Selbsthilfe erstellt, d.h. In härtester körperlicher Arbeit ohne den heute üblichen Maschineneinsatz. Nachbarschaftshilfe bei schwierigen Arbeiten war üblich, viele Trautheimer Freundschaften sind bei Betonieren einer Kellerdecke begründet worden. Dazu kamen abenteuerliche Finanzierungen, niemand würde sich das heute zutrauen. Mit nichts als der Hoffnung auf ein besseres Leben hat die Elterngeneration sich ans Werk gemacht und ihre neue Heimat geschaffen. Dass in diesen Nachkriegsjahre nicht nur schliche Zweckbauten errichtet wurden, zeigt das schmucke Haus des Verlegers Grimm Im Wiesengrund.

Zu dieser Zeit gab es zumindest für einige Jahrzehnte in dem sonst reinen Wohngebiet eine einfache Versorgungs-Infrastruktur. Ältere Mitbürger werden sich noch an die Lebensmittelläden Rühl und Gleichauf, das Café Steinmann, das Textilhaus Sittig, den Milchladen Ahl, die Wäscherei Keudel, das Papierwaren-Lädchen Kuhn, den Gemüsehändler Charrier, die Hutmacherin Grentz und das Andenkenlädchen Göbel im Dachhaus. Alle sind verschwunden.

Als der bedeutendste Künstler, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Trautheim lebte, gilt der Maler Eberhard Schlotter. 1921 in Hildesheim in eine künstlerische Familie hinein geboren, entdeckte er schon früh sein Talent. Studium in Hildesheim und München folgten, außerdem musste er eine handwerkliche Malerlehre absolvieren, eine gute Basis für sein späteres Schaffen, wie er immer wieder betonte. Sein Talent als Porträtist zeigt sich in enem Selbstbildnis von 1941.

Als der zuständige Gauleiter dieses Bild des schlacksigen jungen Mannes sah, besonders die Zigarette gefiel ihm gar nicht, schickte er ihn sofort zur Wehrmacht an die Ostfront, wo er schwer verwundet wurde. Im Lazarett erlebte er den Bombenangriff aif Darmstadt am 10. September 1944.

Schlotter lernte die Tochter des Trautheimer Architekten Walter von der Leyen kennen, beide heirateten, und Schlotter zog in das Haus seines Schwiegervaters ein. Nach dem Krieg baut er sich ein kleines Haus in dessen Garten, es folgte 1953 sein großes Atelierhaus. (Abb ) Seine junge Frau Dorothea 1948, der Stil hat sich geändert.

Der Bauboom der Nachkriegszeit brachten dem damals völlig unbekannten jungen Künstler viele Aufträge ein. Selbst die Gasträume des Café Trautheim gestaltete er künstlerisch. Seine Wandbilder übermalte aber ein späterer Gastwirt.

Obwohl Schlotter für Dauer in Spanien lebte, riss der Kontakt zu Trautheim nie ganz ab. So lud er zweimal seine früheren Mitbürger zu Ausstellungseröffnungen in Mainz und Frankfurt ein. Eberhard Schlotter gilt nach Meinung der Kunstwelt unter den gegenständlich schaffenden deutschen Meistern als der derjenige, der weltweit die größte Anerkennung gefunden hat.

Neben den Künstlern sind auch bedeutende Persönlichkeiten mit anderen Tätigkeitshintergründen zu erwähnen, die in Trautheim wohnten oder noch wohnen und den Charakter als weltoffene und eigenwillige Siedlung prägten. Stellvertretend seien genannt:

- der Kunsthistoriker und Verfasser des Kunstdenkmalwerkes der Stadt Darmstadt Prof. Dr. Georg Haupt,

- der Physiker Prof. Dr. Otto Scherzer, dessen theoretische Arbeiten entscheidend die Entwicklung des Elektronenmikroskopes voran brachten. Er war in den Fünfzigerjahren Kandidat für den Nobelpreis

- und (ganz anderes Metier) die Schwimmerin Ingrid Reinhardt geb. Künzel, Weltklasse in den 50er Jahren.

Bevorzugtes Wohngebiet trotz baulicher Verdichtung

Der Charakter des Ortsteils hat sich an vielen Stellen völlig gewandelt, besonders in Trautheim-Süd und „Im Wiesengrund“. Historische Häuser mussten weichen, großzügige Grundstücke wurden parzelliert und zugebaut, Grünflächen in Renditeobjekte umgewandelt. Man muss schon genau hinsehen, wenn man noch etwas von der „alten Trautheimer Siedlung“ sehen will. Über viele Jahrzehnte hinweg haben Menschen der verschiedensten Herkunft das Gesicht unseres Ortsteils geprägt. Die Motive ihres Handelns waren so verschieden wie ihre eigene Individualität. Von den Eigenbrötlern über die Künstler, von den Wildnisleuten über die Nachkriegssiedler, von den alten Trautheimern zu den Reihenhausbesitzern unserer Tage spannt sich der Bogen.

Trotz der enormen Verdichtung der Bebauung ist zu wünschen, dass der Ortsteil auch in Zukunft ein freundliches, durchgrüntes Wohngebiet bleiben wird.

Verfasser:
Helmut Rückert




Übrigens . . .



. . . schon in der Jungsteinzeit lebten Menschen in dem Gebiet, das wir heute Trautheim nennen.

Funde „Am Klingenteich“ beweisen das.



. . . auch die Römer hinterließen Spuren in der heutigen Straße „Im Wiesengrund“.



. . . und im 16. Jh. ließ der Darmstädter Landgraf im Stettbachtal mehrere Fischteiche anlegen.

Einer der Dämme ist die heutige Dornwegshöhstraße.



. . . ereignete sich 1900 der erste Verkehrsunfall auf der Neuen Chaussee - „ein Automobilist aus Mainz stieß mit einem Pferdewagen aus Nieder-Ramstadt zusammen.



. . . bekam die kleine Siedlung 1906 den offihziellen Namen „Trautheim“.



. . . wechselten einige Straßen mehrmals ihren Namen, z.B:

Alte Darmstädter Straße: Bismarckstraße und Kreisstraße zur Emmelinenhütte,

Odenwaldstraße: Neue Chaussee, Darmstädter Landstraße und Darmstädter Straße,


Woogstraße: Mackensenweg und Frankensteiner Straße,

In der Wildnis:
Geradenweg und Hindenburgstraße,

Pfingstweidenweg: Grüner Weg.



. . . hatte Trautheim 1946 kurzzeitig eine eigene Bahnhaltestelle. Der hier wohnende und in Mainz arbeitende Reichsbahndirektor Karsten ordnete die Errichtung an, um sich den Fußweg zum Bahnhof nach Nieder-Ramstadt zu ersparen.



. . . gab es in Trautheim nach dem Zweiten Weltkrieg eine erstaunliche Versorgungs-Infrastruktur. Ältere Mitbürger werden sich an die Lebensmittelläden Rühl und Gleichauf, das Café Steinmann, das Textilhaus Sittig, den Milchladen Ahl, die Wäschei Keudel, das Papierwahren-Lädchen der Frau Kuhn, den Gemüsehändler Charrier, die Hutmacherin Grentz und das Andenkenlädchen Göbel im Dachhaus erinnern.