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Geschichte > Nieder-Ramstadt > Persönlichkeiten

Stand: 04.07.2012

 

 

 


 

Moritz Friedrich Illig

Geboren am 30. Oktober 1777 in Erbach als Sohn des Papiermüllers Johannes Illig (geb. 30. Okt. 1748 in Nieder-Ramstadt) gestorben am 26. Juli 1845 in Darmstadt.

Der berühmte Uhrmacher entstammt der ebenso berühmten Papiermachersippe Illig, die über mehrere Generationen die Papiermühle Nieder-Ramstadt betrieben und auch den Gasthof im Kühlen Grund errichtet hat.

Eine für den erfolgreichen Uhrmacher Moritz Illig „branchenfremde“ Erfindung revolutionierte die Papierherstellung mittels Harz- oder Massenleimung im Jahre 1806. Sie unterstützte die rationelle Schöpfmethode bei der Papierherstellung dadurch, daß nicht mehr die Oberfläche des bereits geschöpften Papieres geleimt wird, sondern daß das Leimmittel bereits der Fasersuspension beigegeben wird. Zwei Arbeitsgänge werden zu einem verschmolzen und dadurch rationalisiert.

1743 übernimmt Johann Heinrich Illig die Papiermühle, der erste aus der Illig-Sippe. 1813 folgt ihm Enkel Johann Christian Illig, Der Erfinder Moritz Friedrich Illig aus Erbach verwandelt als Geschäftsführer die Papiermühle in eine moderne Papierfabrik – den ersten industriellen Fertigungsbetrieb in Starkenburg.

Moritz Friedrich Illigs Schwester hatte 1835 Gustav Georg Lange geheiratet, den Bruder des berühmten Architekten und Künstlers Ludwig Lange, eines Schülers von Georg Moller. Ludwig Lange baut die 1846 niedergebrannten Hauptgebäude der Papiermühle im Stil des Historismus gotisierend mit zinnenbekrönten Erkervorbauten und steilen Giebeln versehen und von einem spitzen Dachreiter bekrönt auf.

Etwa 1862 baut Ludwig Lange für seine Schwägerin, die aus der Papiermühle stammt, ein „Lusthaus“ oberhalb der Mühle auf den Kohlbergen. Im Hypothekenbuch von Nieder-Ramstadt steht: „Gustav Georg Lange, verh. mit Sophie Eleonore, geb. Illig, haben das Haus auf dem Kohlberg neu erbaut“. Die Mauerreste der Anlage sind noch heute zu sehen.

1843 tritt Wilhelm Wendel Illig das Erbe an. Er selbst hat keine Erben als Papiermacher. Sohn Justus und Tochter Sophia Katharina erbauen in der Nähe den Gasthof Zum Kühlen Grund – die Papiermühle wird 1867 verkauft, und auch im Gasthof geht die Dynastie der Illigs 2006 zu Ende.

Moritz Illig hat von seiner Erfindung der Leimung in der Masse keine Reichtümer erwerben können. Er starb verarmt und verbittert. Bis 1970 wurde nach dem Illig-Verfahren gearbeitet. Danach wurde es von der synthetischen Leimung abgelöst

In Darmstadt, wo er sich später als Uhrmacher niedergelassen und sich Verdienste um die Wiederherstellung des Glockenspieles im Schloß Verdienste erworben hat, ist eine Straße nach Moritz Friedrich Illig benannt. Der Verein Deutscher Papierfabrikanten ließ 1914 auf seinem Grab auf dem Darmstädter Friedhof einen Gedenkstein setzen.
















Text:
Gerd Schmitt





Die Grabstätte Illigs
auf dem Alten Friedhof in Darmstadt