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Geschichte > Nieder-Ramstadt > Persönlichkeiten

Stand: 13. Jun 2013

 

 

 


 

Johann Konrad Dippel, der berühmteste Mühltaler


Seine Mühltaler Zeit

(Quellen:
Johann Konrad Dippel, seine radikalpietistische Theologie . . ., Stephan Goldschmidt, Vandenhoek . . ., 2001
Johann Konrad Dippel, Der Freigeist aus dem Pietismus; Wilhelm Bender, Eduard Webers Verlag, 1982
Cambridge Journals – Medical History, 1962, Johnn Konrad Dippel


Geboren am 10. Aug. 1673 in Nieder-Beerbach (im Forsthaus auf Burg Frankenstein), wohin Vater Johann Philipp seine Ehefrau Anna Eleonora vor den kriegerischen Einfäller der französischen Truppen in Sicherheit gebracht hatte. Der Frankenstein diente der Bevölkerung seinerzeit häufig als Zufluchtsstätte, so daß eine Geburt auf der Burg kein Einzelfall war.

Das Geburtsdatum versteht sich nach der alten Zeitrechnung des Julianischen Kalenders und entspricht nach heutigem Kalender dem 20. August.

Der Knabe Johann Konrad muß nach seiner Geburt so krank gewesen sein, daß seine Eltern wohl mit seinem unmittelbaren Ableben gerechnet haben, weshalb Vater Philipp das Söhnchen noch am Tag der Geburt getauft hat, wie sich aus dem Nieder-Beerbacher Kirchenbuch ergibt. Einer der Taufpaten war der Nieder-Ramstädter Amtskollege Johann Henrich Vietor. Beide Taufpaten konnten in der Eile bei dieser Nottaufe nicht einmal persönlich anwesend sein und wurden deshalb vom Nieder-Beerbacher Lehrer David Hermann vertreten. Johann Konrad hatte elf Geschwister, darunter vier Schwestern. Bruder Johann Albert ist der Wieder-Erbauer des Ober-Traisaer Hofes, der seit 1793 auch amtlich seinen Namen als „Dippelshof“ trägt (siehe Randvermerk).

Johann Konrad Dippel alias Christianus Democritus, Theologe, Arzt und Alchemist, der weltberühmte Dr. Dippelius, zu seiner Zeit bekannt und gefürchtet, verbrachte Kinderjahre bis im elterlichen Pfarrhaus in Nieder-Beerbach. 1678 zog die Familie wegen der Vesetzung von Vater Dippel nach Nieder-Ramstadt um.

Vater Dippel bereitete seinen Sohn schon in frühester Jugend darauf vor, in der fünften Generation evangelischer Geistlicher zu werden. Johann Konrad verbrachte im elterlichen Pfarrhaus in der Kesselgasse (heute Ober-Ramstädter Straße) seine Schul- und Jugendzeit.

Hier besuchte er die Dorfschule unweit des Pfarrhauses gegenüber der Kirche – in der Literatur teilweise als Lateinschule bezeichnet. 1685 wurde er in der Kirche konfirmiert. Ein Jahr später findet sich im Archiv des Darmstädter Pädagogs seine Einschreibung als „Beneficarius“. Stipendien dieser Art wurden gewöhnlich nur auf Vorschlag von Orten gewährt, die Beiträge zur Stipendienanstalt Gießen entrichteten. Nieder-Ramstadt gehörte nicht dazu, so daß auf Dippel wohl die Sonderbestimmung über Schüler mit außerordentlicher Begabung angewendet wurde.

Während seiner Gymnasialzeit wurde er vermutlich im Hause seines Taufpaten Riedberger aufgenommen. Regelmäßig kehrte er ins Elternhaus nach Nieder-Ramstadt zurück. Auch nach seiner Flucht aus Straßburg 1696 wohnte er wieder bei seinen Eltern bis 1697.

Er kaufte später ein Landgut „in der Nähe einer Glashütte in seiner Heimatgemeinde“, offenbar in der Nieder-Ramstädter Mordach – nicht den Ober-Traisaer Hof, den heutigen Dippelshof bei Traisa, wie häufig verwechselt wird.

Dippel gehörte „im Zeitalter des Pietismus zu den führenden Geistern ganz Deutschlands und hat für die Aufklärung bahnbrechender gewirkt als irgend einer seiner hessischen Zeitgenossen“ (Prälat Diehl). G
estorben ist er am 24. April 1734 auf Schloß Wittgenstein. In Wikipedia sind seine wesentlichen Werke und die umfangreiche Literatur über ihm aufgelistet.

Frankenstein, Dippel und das Monster


von Otto Weber

Der berühmter Theologe, Arzt und Alchemist aus dem Mühltal

Die Bergstraße, die wichtigste Verbindung zwischen Darmstadt und Heidelberg, war zu allen Zeiten ein beliebter Reiseweg. Während die Berge des Odenwaldes nach Osten einen natürlichen Schutz bieten, öffnet sich die Landschaft nach Westen in die rheinische Tiefebene. Vor allem im zeitigen Frühjahr legt diese Landschaft ihr Feiertagskleid an und erstrahlt im Blütenglanz von Mandel-, Pfirsich- und Kirschbäumen. "Via montana" nannte man die Straße schon bei den Römern, und viele Reisende erhielten hier einen Vorgeschmack auf ihre südlichen Reiseziele. Wie auf einer Perlenkette reihen sich Ruinen von Burgen und Schlössern auf den begrenzenden Odenwaldhöhen - und den Anfang, von Darmstadt kommend, macht die Burgruine Frankenstein.

Hat auch Mary Shelley auf einem ihrer Wege nach Süden diese Gegend bereist? Hat sie vielleicht den Burgberg bestiegen und den herrlichen Rundblick von einem der Türme genossen? So mancher Bearbeiter von Shelleys literarischem Nachlaß hat bei ihrem Roman "Frankenstein" die Vermutung geäußert, sie hätte durch die Burgruine Frankenstein die Anregung für den Namen jenes Arztes erhalten, der in ihrem Buch den künstlichen Menschen schuf. Ihre erhaltenen Tagebücher geben darüber jedoch keine Auskunft. Die Burg wurde 1252 erstmals erwähnt und befand sich bis 1662 im Besitz der Herren von Frankenstein.

Eingeschlossen von Besitztümern der Landgrafen von Darmstadt wurde sie in diesem Jahr von dem Landgrafen Ludwig VI. erworben. Die Burg bietet in ihrer Geschichte genügend Motive für Schauergeschichten, wie sie zu Shelleys Zeiten Mode waren. Besonders bekannt ist die Erzählung von Georg von Frankenstein und seinem Kampf mit dem Drachen. In der kleinen Kirche des am östlichen Berghang liegenden Nieder-Beerbach hat sich die Grabplatte erhalten, die den tapferen Helden in seiner Rüstung zeigt. Der Ritter hat einen Fuß auf das erlegte Untier gesetzt. Doch der Lindwurm ringelt im Todeskampf seinen Schwanz um das Bein des Ritters und sticht durch einen Spalt der Rüstung in dessen Knie, was für den Helden den sicheren Tod bedeutete. Selbstverständlich gab es auch die Erzählung von der weißen Frau, die unerlöst bei Nacht durch die Gemäuer wimmert, und es gab die Sage von versteckten Schätzen und unterirdischen Gängen. Nach den versteckten Schätzen hat man noch im 18. Jahrhundert gesucht, natürlich erfolglos.

Diese auf vielen Burgen üblichen Sagen geben jedoch keinen Hinweis auf einen Arzt, der einen künstlichen Menschen schuf.1

Die regionale Geschichtsforschung 2 und neuerdings Simon Marsden in seiner "Geistersuche" bringen den Theologen, Arzt und Alchemisten Johann Conrad Dippel mit dem Frankenstein in Shelleys Roman in Verbindung, und dieser Vermutung soll hier einmal nachgegangen werden.

Hochstudierter Magister“ und Wahrsager

Versetzen wir uns in den Sommer 1673. Im deutschen Südwesten tobte der pfälzische Erbfolgekrieg. Unter der zügellosen Expansionspolitik des französischen Königs Ludwig XIV. hatte sich der Krieg nach Südhessen ausgedehnt. Französische Truppen kamen unter dem Marschall Turenne bis nach Darmstadt. Der Nieder-Beerbacher Pfarrer Johann Philipp Dippel hatte seine hochschwangere Frau hinter den Mauern der Burg Frankenstein in Sicherheit gebracht, und im dortigen Forsthaus wurde am 10. August 1673 Johann Conrad Dippel geboren. Vermutlich hatte die Pfarrfrau mit ihrem Jüngstgeborenen noch mehrfach Schutz hinter den Mauern der Burg gesucht. Besonders 1674 war für Südhessen ein schlimmes Kriegsjahr. Die Bergstraße war direktes Kriegsgebiet. Das dem Frankenstein benachbarte Auerbacher Schloß wurde von französischen Truppen erstürmt, geplündert und zerstört. Auch Darmstadt war zeitweise besetzt, und seine Befestigungsanlagen sollten von den Einwohnern geschleift werden.

In dieser Zeit - genau 1675 - erschien in Frankfurt die programmatische Schrift des Pietismus "Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der evangelischen Kirche" von Philipp Jakob Spener (1635 – 1705). Dieses Buch und die daraus entstehende reformerische Bewegung sollten für das spätere Leben Dippels noch große Bedeutung erhalten.

Berichte über die Jugendjahre Dippels sind spärlich und widersprüchlich. Sein Vater war 1678 als Pfarrer nach Nieder-Ramstadt versetzt worden. Nach der Grundschule und privater Unterrichtung besuchte der Junge ab 1686 das Pädagog in Darmstadt. Dort war er nach seinen eigenen Aufzeichnungen in der "Praeceptorum Augen ... schon ein Wunder." 3 In der Matrikel des Darmstädter Pädagogs hatte Dippel unter den Abiturienten von Ostern 1691 seinem Namen den Zusatz "Frankensteinensis" angefügt. Auch bei der am 9. Mai 1691erfolgten Immatrikulation in Gießen gab er als Herkunftsbezeichnung den Frankenstein an. 4

Man kann davon ausgehen, daß er diesen Namenszusatz auch später noch verwendete. Bei seinem Studienbeginn in Gießen war hier die Auseinandersetzung zwischen orthodoxem Protestantismus und reformerischem Pietismus in vollem Gange. Weil er sich bald "möchte groß machen" griff Dippel in jugendlichem Übermut mit Diskussionen und Streitschriften in diese Auseinandersetzung ein. Sein Studium, besonders die Fächer Theologie und Medizin, hat er darüber jedoch nicht vernachlässigt. Nachdem Dippel 1693 seine Magisterprüfung abgelegt hatte, "welcher Name mich beynahe zweyhundert Gulden kostete", mußte er aus Geldmangel für einige Zeit als Privatlehrer arbeiten.

Zur Fortsetzung seiner Studien hatte er die Universität Wittenberg gewählt. Dort, wo Luther gelehrt hatte,wollte er nicht nur sein Studium abschließen, sondern auch seinen Kampf gegen die Pietisten fortführen. Aber von Wittenberg erhielt er eine Absage, und auch sein Ansinnen, an der Universität Straßburg Vorlesungen über Philosophie zu halten, scheiterte. Dafür machte er sich dort, nicht zu seinem Vorteil, einen Namen mit Privatvorlesungen über Chiromantie und Astrologie. Er war dadurch als "hochstudierter Magister" und Wahrsager bekannt geworden. Es fehlte aber auch nicht an ernsthafter Arbeit, den hier begann er mit dem Studium der Spenerschen Schriften.

Ein mutiger Theologe, trotz Gefahr und Ungemach

Bald zog es ihn jedoch zurück in die Stille des Nieder-Ramstädter Pfarrhauses, um den Abschluß seiner Studien in Gießen vorzubereiten. In dieser Zeit erfolgte Dippels Wandlung zum Pietisten. Bei dieser Bekehrung spielte der Gießener Professor Gottfried Arnold (1666-1714) eine besondere Rolle. Er war "der Freund seiner Seele" und in Dippels Gedankenwelt klingen immer wieder Motive von Arnold auf. 5 Was die beiden jedoch unterscheidet, sind Dippels besondere chemische und naturphilosophische Interessen, die auch die treibende Kraft seiner Theologie waren. Außerdem war er stark im Gedankengut des Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim; 1493 – 1541) verhaftet. Auf theologischem Gebiet hatte ihn Arnolds "Ketzerhistorie" erheblich beeinflußt. Für ihn war "die evangelische Wahrheit nur bey denen zu finden, die der rasende Schwarm der Clerisey am meisten gehasset und zum Satan gewiesen." Dippel propagierte den durch Christus "wiedergeborenen" Gläubigen. Er lehnte staatliche Autoritäten über diese "Wiedergeborenen" ab und verlangte eine Trennung von Staat und Kirche.

Er hatte sich durch seine Studien zwischenzeitlich von Orthodoxen und Pietisten gleich weit entfernt, er war zum Separatisten geworden. Als seine Schrift "Papismus vapulans, oder das gestäupte Papstthum an den blinden Verfechtern der dürftigen Menschensatzung in protestirender Kirch ...", die eigentlich seine Professur in Gießen vorbereiten sollte, endlich erschien, erregte sie so viel Ärgernis, daß sich sein Landesherr aus Darmstadt einschaltete und die Streitschrift konfiszierte. Der Verfasser wurde vor das Darmstädter Konsistorium zitiert. Die Briefe Dippels zu dieser Auseinandersetzung sind von W. Diehl 6 veröffentlicht und werfen ein helles Licht auf den Mut des Verfassers. Er schreibt seinem Landesherrn: Ob durch die Konfiskation "die Wahrheit werde zurückgehalten, oder unterdruckt werden, wird die Zeit lehren. Es ist nichts ... in dem Buch enthalten, als was mir das Worth der Wahrheit und mein Gewissen zu schreiben an die Hand gegeben. ...kann solches Scriptum, wegen hochf. Inhibition an bemeldtem Orth nicht ans Tages Licht kommen, so wird vielleicht Gott darzu einen andern Orth ersehen haben. Und Ihro Hochf. Durchl. welche der Herr in der Zucht seiner Gnade so weit gebracht, daß sie die Liebe zur Wahrheit angenommen, werden es hoffentlich nicht so ungnädig empfinden, wann ich, der ich sonst in allem unterthänigst zu gehorchen willig, bey dergleichen Befehle, die in den Circ des Gewissens lauffen, allwo sich Christus allein das Regiment vorbehalten, fürnehmlich sucht, in der Gnade und in dem Frieden Gottes zu stehen..."

Beim Lesen dieser Zeilen sollte man bedenken, daß zu Dippels Zeit ein Staatsamt, ja häufig die Freiheit und manchmal sogar das Leben vom Wohlwollen des Landesherrn abhing. Das Konsistorium erteilte Dippel neben Hausarrest auch Schreibverbot und untersagte ihm seine Tätigkeit als Prediger. Die Antwort Dippels auf den Ausgang des Verfahrens war die Mitteilung an den Landgrafen, "daß er trotz Gefahr und Ungemach nicht diejenigen anbeten will, die ihm die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit darbieten."

Von Nieder-Ramstadt nach Berlin, Holland und Dänemark

Bei allem Bekennermut mußte Dippel aber auch leben, und er wollte seiner Familie in Nieder-Ramstadt nicht zur Last fallen.

Der damalige Landgraf Ernst-Ludwig war ein großer Anhänger der Alchemie. Er glaubte wie so viele, seinen aufwendigen Lebensstil damit finanzieren zu können. Vielleicht wurde Dippel dadurch angeregt, und er besann sich auf sein Medizinstudium und seine Kenntnisse in der Alchemie. Nahe seinem Heimatort, in der Nähe einer bestehenden Glashütte, kaufte er mit geliehenem Geld ein Landgut und begann mit seinen Versuchen. Nach acht Monaten glaubte, er eine Tinktur gefunden zu haben, die Silber und Quecksilber in Gold verwandelte. Er veröffentlichte seine Entdeckung und hoffte auf den großen Reichtum, denn er wollte damit der "Tyrannei der Mächtigen Trotz bieten". Gleichzeitig verteilte er das für den Kauf des Landgutes geborgte Geld mit vollen Händen an die Armen.

Aber ein Mißgeschick zerstörte Dippels Träume. Das Glas mit dem Arcanum zerbrach. Dippel glaubte zwar diesen Verlust in zwei Monaten ersetzen zu können, aber er laborierte drei Jahre ohne jeglichen Erfolg. Da verloren seine Gläubiger die Geduld, und Dippel entzog sich ihren Forderungen durch die Flucht nach Berlin.

Trotz seiner Mißerfolge wurde er dort mit offenen Armen aufgenommen. Auch hier suchte man nach einfachen Möglichkeiten, die höfische Verschwendungssucht zu kompensieren. Die finanzielle Unterstützung für Dippel muß in Berlin ganz beachtlich gewesen sein. Er mietete einen Palast für mehrere tausend Gulden und es standen ihm Gehilfen für seine Experimente zur Verfügung. Aber auch hier war er mit seinen Versuchen, Silber in Gold zu verwandeln, erfolglos.

Dafür fand er den Farbstoff „Berliner Blau" und ein Heilöl, das noch heute seinen Namen trägt: „Oleum animale aethereum Dippleri “, Dippels Tieröl.

Ein Jahr war Dippel in Berlin, als ein Konkurrent auftauchte - der Alchemist und Hochstapler Caetano. Dippel erhielt den königlichen Befehl, dessen Tinktur zu untersuchen. Das Ergebnis war negativ wie bei seiner eigenen Arbeit. Caetano wurde zwei Jahre später in Küstrin an einem vergoldeten Galgen gehenkt. 7

Und Dippel?

Auch ihn hat man in Haft genommen, aber er kam durch Protektion nach kurzer Zeit frei. Einer weiteren Verhaftung entzog er sich durch die Flucht - in einer schwedischen Offiziersuniform und in Begleitung eines Mohren. Die folgenden Stationen seines Lebens können verkürzt dargestellt werden, weil denkbare Verbindungen zwischen Dippel und Mary Shelleys Frankenstein aus dem bisher Dargestellten aufgezeigt werden können.

Von Berlin kam Dippel für kurze Zeit nach Frankfurt und ging dann weiter nach Holland. In Leiden promovierte er zum Dr. med. und eröffnete in der Nähe von Utrecht eine Praxis. Seine Erfolge als Mediziner müssen beachtlich gewesen sein, denn selbst seine erbitterten Feinde spendeten ihm auf diesem Gebiet großes Lob. Doch auch sein neuer Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. Die nächste Station seines Lebens war Altona, das damals zu Dänemark gehörte. Auch hier wirkte er als Arzt, mischte sich aber auch hier wieder mit neuen Streitschriften in die theologischen Händel seiner Umgebung ein. Es kam erneut zu einem Gerichtsverfahren, und dieses Mal traf es den Streitbaren hart. Seine neuen Schriften wurden durch den Scharfrichter verbrannt, er selbst zu lebenslanger Haft auf dem nördlichsten Zipfel der Insel Bornholm in der Festung Hammerhus verurteilt. Bald bemühten sich seine Anhänger um seine Freilassung. In Holland wurde sogar eine Kollekte veranstaltet, um Geld für seine Befreiung zu erhalten. Auch der Graf Wittgenstein von Berleburg setzte sich für seine Freilassung ein.

Der weltberühmte Dr. Dippelius, als Christianus Demokritus bekannt und gefürchtet

Im Juni 1726, nach fast siebenjähriger Haft, konnte er die Insel Bornholm verlassen. Nach verschiedenen Aufenthalten bei Anhängern und Freunden und nach einer Einladung an den schwedischen Königshof ging er nach Deutschland zurück. Seine zahlreichen Feinde hatten die endgültige Ausweisung erreicht. „Sie schreiben, daß ich ein Zauberer sei, und haben also nicht genug an den sonst gewöhnlichen Ehrentiteln: Fanaticus, Enthusiast und Schwärmer."

Auch in Deutschland wechselten seine Aufenthaltsorte sehr schnell: Lauenburg, Lüneburg, Celle und das Stift Hildesheim bei Goslar. Auch hier sorgten seine Feinde dafür, daß er nirgendwo eine Bleibe fand. Da bot ihm das Fürstenhaus Sayn-Wittgenstein in Berleburg einen Ruhesitz. Berleburg war als Zentrum pietistischer Zirkel bekannt, und im Dezember 1729 schrieb Graf Casimir von Wittgenstein in sein Tagebuch: „Sonst ist nichts Sonderliches Passirt, als daß der weltberühmte Dr. Dippelius, der unter dem Namen Christianus Demokritus den Gelehrten bekannt ist und 61/2 Jahre auf der Insel Bornholm gefangen gesessen hat, hierher gekommen ist, mit welchem ich also auch bekannt geworden bin. Er ist im Umgange ein artiger, humaner, gelehrter und geschickter Mensch“. Die knapp fünf Jahre, die Dippel bis zu seinem Tod in Berleburg blieben,brachten ihm interessante Begegnungen und die notwendige Ruhe für seine Arbeit. Hier traf er mit dem Grafen Zinsendorf zusammen, der ihn für seine Herrnhuter gewinnen wollte. Nach Berleburg reiste auch der junge Frankfurter Arzt Johann Christian Senckenberg (1707-1772) und fand in Dippel einen väterlichen Freund. 8 Offensichtlich hatte Dippel aber auch seine alchemistischen Versuche wieder aufgenommen.

Kurz vor seinem Tod entstand noch ein Vertragsentwurf, der einen Tausch mit dem Darmstädter Landgrafen Ernst-Ludwig beinhaltete. Dippel wollte das Rezept einer Tinktur zur Verwandlung von Silber in Gold gegen die Burg Frankenstein eintauschen. 9 Offensichtlich hat ihm der Tod einen Strich durch diese letzte Rechnung gemacht. Während eines Besuches auf dem Schloß der Wittgensteiner bei Bad Laasphe verstarb er in der Nacht vom 24. zum 25. April 1734.

Auch sein Tod gab noch Anlaß zu Spekulationen. Der Fund einer "ziemlichen Gold-Börse" in seinem Nachlaß ließ erneut den Verdacht des Schwarzkünstlers, des Adepten, des Goldmachers aufkommen.

Weil es aber auch Vermutungen für eine unnatürliche Todesursache gab, ließ man ihn sezieren; nicht den ganzen Körper, sondern nur seinen Kopf. Erneut zeigt sich, daß noch immer etwas Besonderes, Geheimnisvolles hinter diesem Mann vermutet wurde. In der Kirche von Bad Laasphe fand er dann seine letzte Ruhestätte. Ein Zeitgenosse schrieb nach seinem Tod: „Er hat aber vor vielen tausenden auf dem Theatro dieser Welt ein großes Aufsehen gemacht, und ist nun abgetreten. Die meisten seiner Feinde werden Gott dancken, daß er sie von dieser Peitsche befreyet habe."

Literarischer Einfluß über die Grenzen seines Lebens"

Sucht man nach Verbindungen zwischen Johann Conrad Dippel und dem Viktor Frankenstein der Mary Shelley, dann muß man die Nachwirkung dieses sonderbaren Mannes beleuchten, und man muß möglichen Verbindungen der deutschen Pietisten zu den englischen Dissenters nachgehen, denen William Godwin wie auch seine Frau Mary Wollstonecraft, die Eltern von Mary Shelley, angehörten.

„Der Graf Zinsendorf, der die Dippelschen Missionsgebiete nachmals bereist hat, fand zu seiner unliebsamen Überraschung, daß die Dippelianer allenthalben ‚Legion‘ seien. Er selbst hatte sich bemüht, den einflußreichen Mann, als er schon in hohem Alter stand, für die Herrnhutische Sache zu gewinnen. ... Der literarische Einfluß Dippels reicht aber weit über die Grenzen seines Lebens hinaus." Dies bezeugen nicht nur Zinsendorf und Jung-Stilling. 10 „Die gesamte theologische Literatur befaßt sich mit dem Manne, der zu seinen Lebzeiten die bedeutendsten Theologen aller Richtungen und nicht minder die Wolffischen Philosophen gegen sich in die Schranken gerufen hat." Während ihn die Theologen verurteilten, haben ihn seine Anhänger vergöttert. 11

Bei der Frage einer Vorbildfunktion für Frankenstein sind besonders seine Ansichten zur Naturwissenschaft von Interesse. Diese hatte er schon 1705 unter dem Titel veröffentlicht: „Wegweiser zum verlohrnen Recht und Licht in der äußeren Natur oder entdecktes Geheimnis des Seegens und des Fluchs in den natürlichen Körpern zum wahrhafften Grund der Arzneykunst in Liebe mitgetheilt." Wichtig sind besonders seine Angriffe gegen die mechanistische Philosophie in der Wissenschaft. "Als Naturphilosoph kultiviert er die Idee einer organischen Einheit von Geist und Materie. Als Ethiker will er die unbedingte Überlegenheit des Geistigen über das Materielle." Seine Lieblingsidee „von der allgemeinen Wiederbringung und von der Naturverklärung bei der Herstellung des Reiches Christi auf Erden" stellt eine Verbindung zur Philosophie des Paracelsus her.

Auch seine Tätigkeit als Alchemist läßt sich ohne Probleme aus dem Gedankengut des Pietismus erklären. „Es ist dem Pietisten charakteristisch, daß er aus dem Vollgefühl der mystischen Verbindung mit Christus heraus, sich nicht nur eine direkte Einwirkung auf die göttliche Vorsehung zutraut, sondern auch allenthalben versucht hat, durch Gebet und andere Mittel die Natur in seine Dienste zu zwingen." 12

Unterstellt man bei Mary Shelley, daß sie mit dem Gedankengut von Dippel vertraut war und auch die von Paracelsus beschriebenen Versuche zur Aufzucht von Homunculi aus menschlichen Samen kannte, 13 dann ist die Verbindung von Dippel zu Frankenstein denkbar.

Das Ideengut der Pietisten von Spener bis Dippel hatte aber auch gesellschaftliche Auswirkungen: „Zu den stärksten Reformkräften des Protestantismus zählte der Pietismus, der sowohl die Erneuerung des Menschen anstrebte wie auf die Umgestaltung der Welt Wert legte." 14 Aus der Kritik der in Dogmen erstarrten Amtskirche, die durch ihre intensive/ Verbindungen zur staatlichen Macht weitgehend korrumpiert war, entstanden die außerkirchlichen Zusammenschlüsse der Pietisten auf privater Ebene. Hier waren alle Teilnehmer gleichberechtigt: Theologen und Laien, die Angehörigen verschiedener Gesellschaftsschichten sowie Männer und Frauen. In diesen Kreisen wurde natürlich auch in besonderem Maß die Freiheit des Denkens vertreten. Wie bei Dippel gezeigt, wurde dieser Anspruch auf Gedankenfreiheit auch auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse übertragen und führte in Extremfällen zur Ablehnung staatlicher Strukturen. Ein besonderes Kriterium des Pietismus ist sein strenger Moralismus und die besondere Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Als Beleg dafür sei die Einrichtung von Waisenhäusern und Schulen genannt die, so wie in Halle, häufig eine Einheit bildeten. 15

Schon im 17. Jahrhundert gab es enge Verbindungen zwischen Pietisten und Puritanern. Auch bei den Puritanern hatte die Freiheit der Menschen von staatlichen Autoritäten einen besonderen Stellenwert. Trotz langjähriger Verfolgungen trugen sie in besonderem Umfang zur englischen Revolution von 1688 bei. Ein wichtiger Vertreter der Puritaner war John Bunyan (1628 – 1688). 1688). Sein Buch „Pilgerreise" wurde von Gottfried Arnold, dem pietistischen Ziehvater von J. C. Dippel in die deutsche Sprache übersetzt. 16

Die Indizienkette – mehr als die Vermutung einer Rheinschiffahrt

Als zweites Beispiel einer auf theologischem Gebiet wichtigen Verbindung zwischen Deutschland und England ist die Tätigkeit des Grafen Zinsendorf in London zu nennen. Er hatte 1750 im Londoner Stadtteil Chelsea ein Zentrum seiner Herrnhuter Gemeine gegründet und seine Tätigkeit war 1749 durch Parlamentsbeschluß mit königlicher Bestätigung anerkannt worden.

Diese beiden Belege für Verbindungen zwischen den deutschen Pietisten und den englischen Dissenters, wie die von der anglikanischen Staatskirche abweichenden Gruppierungen genannt wurden, soll zeigen, daß die Kenntnis des Pietisten und Separatisten Dippel in England wahrscheinlich war. Die Einordnung von William Godwin und Mary Wollstonecraft in die Gruppe der Dissenter läßt sich durch ihr Engagement in der Auseinandersetzung zwischen Richard Price (1723-1791) und Edmund Burke (1729 – 1797) aus Anlaß der französischen Revolution darstellen. 17 Richard Price hatte am 4. November 1789 vor der Revolutionsgesellschaft der Dissenter eine Gedenkpredigt gehalten, die sich zwar auf die englische Revolution von 1688 bezog, aber starke Bezüge zu den aktuellen Vorgängen in Paris zeigte. Zu dem engeren Freundeskreis von R. Price gehörte nicht nur Mary Wollstonecraft, die Price für das Gedankengut der Dissenter gewonnen hatte, sondern auch der Schriftsteller William Godwin.

Die „Predigt" von R. Price veranlaßte eine gegenrevolutionäre Abhandlung über die französische Revolution von E. Burke. Darin hatte er R. Price mit den Seekers verglichen, die während der englischen Revolution im 17. Jahrhundert religiöse wie staatliche Organisationen ablehnten und zumeist auch politische Radikale waren. Das Buch erschien 1790. „Mary, erfüllt von Freiheitsliebe und durchdrungen von einem glühenden Interesse an den aktuellen politischen Auseinandersetzungen, griff in einem Ausbruch heller Entrüstung ... zur Feder." Ihre „Answer to Burke's Reflections" war die erste von zahlreichen noch folgenden Gegenschriften anderer Verfasser und erregte große Aufmerksamkeit. 18

Auch William Godwin (1756 – 1836) war, wie R. Price, Prediger verschiedener Dissenter Gemeinden. Sehr früh wendete er sich politischen Fragen zu und wurde Mitarbeiter an der Whig-Zeitschrift "The Political Herold“. 1793 erschien sein wichtigstes W£rk: "An Enquiry Concerning the Principles of Political Justice, and Its Influence on General Virtue and Happiness". Darin hatte Godwin jeden staatlichen Zwang, der die Ungleichheit der Menschen förderte oder festigte, verworfen. Seine Angriffe richteten sich sowohl gegen den Staat in seiner Gesamtheit wie gegen gewisse gesellschaftliche Einrichtungen, insbesondere gegen die Unterdrückung der Frau in der Ehe". 19

Übereinstimmungen zwischen dem Gedankengut der Dissenter und dem Separatisten J.C. Dippel sind nicht zu übersehen. Man darf wohl annehmen, daß Dippel und seine Schriften dem hier aufgezeigten Personenkreis bekannt waren.

Die intellektuelle Verbindung zwischen W. Godwin und seiner Tochter M. Shelley war sehr eng. Sie hatte seine radikalen philosophischen Ideen übernommen. 20 Ihr Buch „Frankenstein" hat sie dem Vater gewidmet: Nicht ihrem Ehemann Percy Bysshe Schelly, der die Entstehung des Buches sehr aktiv begleitet hatte, und nicht dem Freund Lord Byron, in dessen Haus am Genfer See das erste Kapitel des Buches entstanden war.

Man darf wohl vermuten, daß sie durch ihren Vater jenen deutschen Pietisten und radikalen Separatisten J.C. Dippel kennengelernt hatte, der sich schon im Darmstädter Gymnasium und dann auch in der Gießener Studentenmatrikel als „Frankensteiner" einschrieb. Sicher kannte sie auch Dippels Ablehnung des mechanistischen Weltbildes der Wissenschaftler. Dies war gerade seit der Aufklärung besonders aktuell und führte bei den Konstruktionen „künstlicher Menschen" zu den mechanischen Lösungen - den Androiden.

Viktor Frankensteins biologische Lösung in M. Shelleys Roman ist eine Abwendung vom mechanistischen Weltbild, wie sie auch Dippel gefordert hat. Das namenlose Monster des Viktor Frankenstein ist aber auch ein Bindeglied zwischen den Homunculuszüchtungen des Paracelsus und der Biomechanik unserer Tage.

Bei der Zusammenstellung dieser Belege handelt es sich um eine Indizienkette. Das Ergebnis erscheint jedoch sinnvoller als die Vermutung, Mary Shelley habe bei einer Reise entlang der Bergstraße die Burgruine Frankenstein gesehen und dabei den Plan gefaßt, ihrem Romanhelden diesen Namen zu geben.


Literatur:

1) Weißgerber Wolfgang; Die Herren von Frankenstein und ihre Frauen. Darmstadt 1975
2) Ebner Fritz; Frankenstein oder das Monstrum und die Burgruine, in: Musen wohl, doch auch Politik Darmstädter Schriften Bd. 50
3) Wer sich näher mit J.C. Dippel beschäftigen will, wird auf folgende Literatur verwiesen: Wilhelm Bender; J. C. Dippel – der Freigeist aus dem Pietismus, Bonn 1882; Karl Buchner, J. C. Dippel in: Hist. Taschenbuch von Raumer, 1858; Karl-Ludwig Voss: Das Menschenbild bei J.C. Dippel, Leiden
4) Diehl, Wilhelm; "Sachbuch f. d. Darmstädter Pädagogmatrikel, Darmstadt 1938; Suchbuch f. d. Gießener Universitätsmatrikel, Darmstadt Darmstadt 1937
5) Seeberg, Erich; Gottfried Arnold. Die Wissenschaft und die Mystik seiner Zeit, Darmstadt 1964
6) Diehl, Wilhelm; Neue Beiträge zur Geschichte J.K. Dippels in: Beiträge zur hess. Kirchengeschichte, Bd. III, 1908
7) Federmann Reinhard; Die königliche Kunst, Wien, Berlin, Stuttgart 1964
8) De Bary, August; Johann Christian Senckenberg, Frankfurt 1947
9) s. 6)
10) Jung-Stilling, Johann Heinrich; Theobald oder die Schwärmer. Sämtliche Schriften Bd. 6, Stuttgart 1837. Hier wird Dippel auch eine Anstellung am Zarenhof in St. Petersburg zugeschrieben.
11) Bender, Wilhelm; J.C. Dippel, der Freigeist aus dem Pietismus.
12) wie 11)
13) Swoboda, Helmut; Der künstliche Mensch, München 1967
14) van Dülmen, Richard; Kultur und Alltag in der frühen Neuzeit, Bd.3, München 1994
15) Beyreuther, Erich; Geschichte des Pietismus, Stuttgart 1978
16) Lang, August; Puritanismus und Pietismus, Nachdruck, Darmstadt 1972
17) Kienner, Hermann (Herausgeber); Über die Französische Revolution, Edmund Burke/Friedrich Gentz Berlin 1991
18) von Rosenberg, Ingrid (Hrsg.) ; Erinnerungen an Mary WolIstonecraft, Frankfurt-Berlin 1993
19) Godwin, William; Caleb Williams oder die Dinge wie sie sind, mit einem Nachwort von Joachim Krehayn, Leipzig 1962
20) Micklewright, F.H.A.; A Note on the Gothic Influence in Mary Shelley, in: Notes ahd Queries Bd. 191, 27.7.1946

Verfasser:
Otto Weber


Vorrede und Randbemerkungen:
Volker Teutschländer

Karl Dehnert







Johann Conrad Dippel alias
Christianus Democritus
1673 - 1734

(zeitgenössischer Stich)



Vater Johann Philipp Dippel

war in der vierten Generation evangelischer Pfarrer. Er mußte 1678 die Pfarrerstelle in Nieder-Beerbach mit dem Nieder-Ramstädter Pfarrer Georg Heinrich May wegen dessen Streitsuch tauschen. Dippel war von da an bis zu seinem Tode 1704 evangelischer Pfarrer im Kirchspiel Nieder-Ramstadt mit Traisa und Waschenbach.

Prälat Diehl:

„Der Name Dippel war in der damaligen Zeit weithin bekannt durch seinen Sohn, den späteren
Doktor der Medizin und Alchemisten Johann Konrad Dippel. Prälat Diehl sagt von ihm in den Hess. Volksbüchern, daß er ‚im Zeitalter des Pietismus zu den führenden Geistern ganz Deutschlands gehörte und für die Aufklärung bahnbrechender gewirkt hat als irgend einer seiner hessischen Zeitgenossen‘. . . .

Johann Albert Dippel

Johann Albert Dippel, der Bruder des berüh
mten Theologen, Alchemisten, Anatom und Arzt, wurde am 16.3.1678 in Nieder-Ramstadt als Sohn des Pfarrers Johann Philipp seine Ehefrau Anna Eleonora geboren. Zunächst hatte Johann Albert Dippel Theologie studiert und war von 1700 bis 1704 seinem Vater als Pfarradjunkt (Gehilfe) im Kirchspiel Nieder-Ramstadt, Traisa und Waschenbach beigeordnet, der infolge Asthmabeschwerden seinen Dienst nur mühsam verrichten konnte. Eigentlich sollte Johann Albert Dippel seinem Vater im Amt des Pfarrers in Nieder-Ramstadt folgen. Doch kurz vor Ablegung seines Examens starb Vater Johann Philipp Dippel, und das Definitorium schlug den Pfarrer Johann Justus Lynker vor, der auch in die Stelle berufen wurde.

Albert Dippel hat nach dem Tode seines Vaters die Theologie aufgegeben und Medizin studiert. 1710, als er in Nieder-Ramstadt vermutlich als Arzt praktizierte, baute er den Obertraisaer Hof wieder auf, den er durch einen Verwalter bewirtschaften ließ. Aus wirtschaftlichen Gründen hat er anscheinend aufgegeben und den Hof 1713 verkauft. Er hat sich dann wahrscheinlich in Grünberg (Oberhessen) als praktischer Arzt betätigt. Trotz seiner nur kurzen Tätigkeit als Hofbesitzer ist der Name Dippel bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben, denn seit 1793 wird der ehemalige Obertraisaer Hof auch in amtlichen Unterlagen Dippelshof genannt.


(Quelle: Karl Dehnert, 650 Jahre Christliche Gemeinde Nieder-Ramstadt, 1982).





So oder ähnlich könnte Burg Frankenstein zu der Zeit ausgesehen haben, als 1673 die vor den französischen Kriegshorden hierher geflohene Pfarrersfrau aus Nieder-Beerbach ihren ersten Sohn Johann Conrad Dippel im Forsthaus (rechts) gebar.

Es gibt keine Belege, daß Dippel außer bei seiner Geburt jemals auf dem Frankenstein gewesen ist.

(Computer-Simulation von
Michael Müller, 2007)






Das ehemalige Pfarrhaus
Nieder-Ramstadt
Ober-Ramstädter Straße 7

erbaut 1808 auf dem unteren Stock des Pfarrhauses aus den Jahren vor 1605. Darin lebte die Familie von Johann Philipp Dippel, der von 1678 bis 1704 Pfarrer in Nieder-Ramstadt war - „ein tüchtiger und eifriger Pfarrer“. Sohn Johann Konrad war also 5 Jahre alt, als die Familie von Nieder-Beerbach nach Nieder-Ramstadt kam.
Das Haus wurde 1962 verkauft.

(Quelle: Karl Dehnert, 650 Jahre Christliche Gemeinde Nieder-Ramstadt, 1982).
Foto Frauke Reimers





Die Lateinschule
des Kirchspiels Nieder-Ramstadt
Kirchstraße 3

in einer Aufnahme aus den 1980er Jahren. Das Schulhaus wurde 1583 errichtet – und steht noch (bemerkenswert für Nieder-Ramstadt).

Johann Conrad Dippel besuchte diese Schule bis kurz nach seiner Konfirmation an Pfingsten 1685.





„Ansicht von Nieder-Ramstadt, 1820“, in: Historische Ortsansichten <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/oa/id/2780> (Stand: 30.3.2007)

Die Dorfkirche Nieder-Ramstadt,
in der der dreizehnjährige Johann Konrad Dippel Pfingsten 1685 (vermutlich von seinem Vater, dem Ortspfarrer) konfirmiert wurde.

(Gemälde von Johann Heinrich Schillbach (1798 – 1851)





Abbildung aus den Matrikeln des Pädagogs zu Darmstadt
vom 27.3.1691:

Unter den Frühlingsabgängern im Schluß-Examen
"Johannes Conradus Dippelius Franckensteinensis"
(vorletzter Eintrag)

Dippel hat sich folglich nicht „von Franckenstein“ genannt, also nicht mit einem Adels- oder Namensprädikat.
Es ist ganz eindeutig, daß damit lediglich der Herkunfts- bzw. Geburtsort gemeint ist.
(Dr. Erich Kraft)



Die Geschichte des Obertraisaer Hofes,
des „Dippelshofes“ bei Traisa: