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Geschichte > Nieder-Ramstadt

Stand: 15. Okt 2012

 

 

 


 

Nieder-Ramstadt im 12. bis 14. Jahrhundert

Verfasser:
Karl Dehnert †





Die 3 Rauten im Wappen derer von Ramstadt, später von Walbrunn
(aus „Die Herren von Walbrunn zu Ernsthofen“, 1977, von Gernot Scior)




Vergabungen“
= etwa: Pacht-Vergaben

Hube:
Seit dem Frühmittelalter ein Bauerngut oder Gehöft mit ausreichenden Acker- und Weideflächen, die eine Familie bearbeiten und von der sie sich ernähren konnte.
(Quelle: Wikipedia)

Ganerbe“
= angeheirateter Erbberechtigter


Sedelhof“
= „Sattelhof“, der Hauptsitz der Familie, gewöhnlich ein großer und besser ausgestatter Hof

 

Mit der Nennung des Cunradus de Ramestat, der 1190/94 als Zeuge für das Wormser St.-Andreas-Stift auftrat, wurde erstmals der Name des Ortes »Ramestat« erwähnt. Im folgenden Jahrhundert wurden die Herren von Ramstadt noch mehrmals als Zeugen in katzenelnbogischen Urkunden genannt, doch wurde über das Dorf »Ramstadt«, dem Ort ihrer Herkunft, nie etwas gesagt.

Wie aus späteren Lehensurkunden hervorgeht, gehörte Nieder-Ramstadt damals zu dem Reichsgutkomplex mit dem Königshof Gerau und der Grafschaft Bessungen, den Kaiser Heinrich II. im Jahre 1013 dem Bischof von Würzburg übereignete. Die Bischöfe übten jedoch lediglich die oberlehensherrlichen Rechte aus. Grundherren waren erst die Grafen von Henneberg, dann die Herren von Dornberg als Vögte des Hochstiftes.

Die Herren von Ramstadt waren, wie aus ihren Wappen ersichtlich ist, Dornberger Dienstmannen. Als die Herren von Dornberg ausstarben, ging das Lehen 1257 an die Grafen von Katzenelnbogen über und nach deren Erlöschen 1479 im Erbgang an die Landgrafen von Hessen. Der Ort Nieder-Ramstadt, als Bestandteil des Würzburger Lehens, ist seitdem hessisch.

Die aus dem 13. Jahrhundert stammenden urkundlichen Erwähnungen geben keine Auskunft über die Größe und Bedeutung Nieder-Ramstadts zu dieser Zeit. Erst mit Beginn des 14. Jahrhunderts setzen die Nachrichten über die örtlichen Verhältnisse ein, vor allem belegt durch die Unterlagen der katzenelnbogischen Kameralverwaltung.

In den Verzeichnissen über die Frucht- und Pachteinkünfte des Grafen Wilhelm I. von Katzenelnbogen (1276-1331) aus dem Jahre 1303 sind erstmals Abgaben aus Nieder-Ramstadt aufgeführt, und zwar »von den dortigen Mühlen« und »vom Hof«. Diese Abgaben wurden 1315 erneut erwähnt. 1318 wird ein Ditmarus de Ramstadt als Mühlenpächter genannt; 1324 werden 2 Mühlen in Nieder-Ramstadt verzeichnet. Neben dem gräflichen Hof und den Mühlen, gab es noch den Haus- und Grundbesitz des in Nieder-Ramstadt ansässigen Kleinadels. Wo die Güter der Herrn von Ramstadt genau lagen, ist unbekannt. Die Herren Kuche von Ramstadt wurden 1325 erstmals als Grundbesitzer genannt. Ihr Hof lag, wie aus späteren Vergabungen (1386) ersichtlich, »am oberen Ende des Dorfes«.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, im Jahre 1332, existierte mit Sicherheit auch schon eine Kirche. Wohl wurde diese nicht ausdrücklich erwähnt, aber Hermann von Hoinsteyn als Pfarrer zu Nieder-Ramstadt genannt. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verdichten sich die Nachrichten bezüglich der Höfe. Hermann Walbrunn von Ramstadt verkaufte 1354 seinen Anteil am Familiengut an seine Brüder. Im gleichen Jahr wurde Gernot Fetzer als Ganerbe des »sedelhofes zu Ramstadt« genannt, des Familienbesitzes der Herren von Walbrunn, der auf dem linken Modauufer lag. Später kamen zu diesem Besitz noch zwei Hofstätten auf dem rechten Modauufer hinzu.

Wilderich von Weyer verkaufte 1377 seine Rechte an 5 Hofstätten an Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen (1331-1385), nämlich das Heckin Gut, das Gut an der Brücke, Kriegs Gut, Scheckelers Gut und der Halstein Gut. Dieser verlieh sie zunächst dem Edelknecht Friedrich Kuche und dann 1383 an Johann Bach von Waschenbach den Älteren. 1445 bzw. 1463 kamen die Güter an die Herren von Walbrunn. Ein Peter Ruppel hatte einen Hof »bei dem unteren Stege«, den 1390 sein Schwiegersohn Konrad Kodweiß übernahm. Dieser Hof war nachweislich 1477 noch im Besitz der Familie Kodweiß.

Aus der Rechnungslegung der Obergrafschaft Katzenelnbogen aus dem Jahre 1401 geht hervor, daß die Grafen eine »Stende Gülde« von »17 malter Korns 17 huffin von den Huben zu Nidder Ramstadt« bezogen, woraus sich ergibt, daß neben den adligen Gütern 34 Hofstatten vorhanden waren, denn ½ Malter pro Hube war damals die übliche Abgabe.

Die Grafen von Katzenelnbogen, seit 1257 Ortsherren von Nieder-Ramstadt, hatten ihren Besitz Anfang des 14. Jahrhunderts unter eine jüngere und eine ältere Linie aufgeteilt. Nieder-Ramstadt blieb im Herrschaftsbereich der älteren Linie. Die Besitztümer wurden rund 100 Jahre später wieder vereinigt. Graf Johann IV. (1402-1444) aus der jüngeren Linie war mit der Erbtochter Anna von Katzenelnbogen aus der älteren Linie verheiratet und übernahm nach dem Tode Eberhards V. im Jahre 1402 die Herrschaft über die Anteile der älteren Linie an der Grafschaft. Diesem Umstand verdanken wir eine Reihe von Urkunden über die Lehenserneuerungen.

So bestätigte Graf Johann IV. von Katzenelnbogen 1403, daß er von Bischof Johann von Würzburg Dornberg und eine Anzahl weiterer Orte, darunter Nieder-Ramstadt, mit Wäldern und Feldern als Mannlehen erhalten habe. Dies ist die älteste Urkunde, aus der wörtlich hervorgeht, daß Nieder-Ramstadt von Würzburg her lehensrührig war.

Im gleichen Jahr (1403) verkaufte Johann IV. von Katzenelnbogen Burg und Stadt Zwingenberg, Eschollbrücken, Pfungstadt und Nieder-Ramstadt an den Edelknecht Henne Weißkreis von Lindenfels mit allen Rechten und Zubehör für 6000 Gulden. Die Männer der betreffenden Orte mußten Henne huldigen. Graf Johann behielt sich den Rückkauf vor. Wann er erfolgte, ist nicht bekannt.