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Geschichte > Nieder-Ramstadt > Hochwasser

Stand: 21. Nov 2012

 

 

 


 

Das Michaelishochwasser von 1732


Das nur noch in wenigen Exemplaren erhaltene Buch des Lehrers Heußon von 1733 zeigt, welchen Schaden das Michaelishochwasser von 1732 in ganz Süddeutschland angerichtet hat, Heußon hatte die Nachrichten über die einzelnen Schäden von Lehrern und Pfarrern der einzelnen Regionen erhalten. Betroffen waren natürlich vor allem die Mühlen und Müllerfamilien.
Auf Seite 44 heißt es unter:

Hessen-Darmstadt":

. . . ist imgleichen die traurige Nachricht vom Ober-Ramstädter Grund, an Odenwald [S.45] grentzend, eingelauffen allwo sich die Wasser-Fluth am Michaelis-Abend [29. September] gantz frühzeitig eingefunden, und so fort alle Bracken längst der Bach [der Modau] biß an den Rhein aufgehoben, da dann der Müller zu Ober-Ramstadt, N. N. Gunckel, von Darmstadt kommend, mit einem Pferd und Karren, über die Brücken paßiren wollen, nicht glaubend, dass solche schon vom Wasser weggerissen, im Hinüberfahren mit Pferd und Karren aufgehoben und fortgeführet, der Müller ist leider elendiglich ertruncken, das Pferd und Karren aber wieder gerettet worden; so fort hat das Wasser die längst der Bach angebaute Mühlen mehrentheils ruiniret.

Eine Stunde unterhalb Nieder- Ramstadt ist eine gantze Mühle, sammt einem Müller, Rödenhäußer, welcher auf der Brücken gestanden, und die
Wasser-Fluth angesehen, sammt der Brücken weggerissen und verunglücket.

Zu Eberstadt hat es alles überschwemmet, und in der Brennerey alle Wein-Faß umgewendet, und derer viele ruiniret.

Zu
Pfungstadt und anderen Orten, welche an dieser Bach liegen, ist sehr vieles an Früchten, auch nicht weniger an Brennholz verunglücket; die Bäume aus der Erden gerissen, die Häußer an ihren Fundamentern durchspühlet, dass einige davon zerfallen, Wiesen und Gärten verführet, und mit Schlamm überdecket. Von allem Vieh, so in diesem Grund versoffen, ist keine
Summa benahmet, doch solls ein mercklicher Schaden sein.“




Von den Schäden im Odenwald berichtet auch das berühmte Odenwaldbuch des Erbacher Arztes Gottfried Ludwig Klein: „De aere, aquis et locis agri Erbacensis“, das 1754 erschien und die wichtigste Quelle für das Erbacher Land, seine Landwirtschaft und das Leben seiner Bewohner ist. Klein berichtet, dass bei der Flut in Erbach „ein ziemlich beleibter Mann von 6o Jahren mit drei Bediensteten“ ertrank, dessen Leiche erst 5 Jahre später gefunden wurde.

Auch andere Odenwälder Chroniken berichten von furchtbaren Ereignissen im Zusammenhang mit dem Unwetter in Erbach und in Mümling-Grumbach, wo der Müller mit einem seiner Kinder ertrank, als die Mühle von der Flut weggerissen wurde.





















 

Autor:
Heinz Bormuth †




Auszug aus:

Joh. Christian Heußon
DILUVIUM FRANCONICUM
MAGNUM
das ist Wahrhafte und Historische Nachricht von der grossen Fränkischen Wasser-Fluth, welche bey einem schweren Donner-Wetter
durch den dabey erfolgten Platz-Regen in der Michaelis-Nacht zwischen dem 29. und 30. September 1732 verursachet wurde.

Frankfurt am Mayn
1733“

nachgedruckt im Verlag Blumenschein, Dascher, Steinmetz OHG,
Ober
-Kainsbach
1989



Die Fahrgassenbrücke

wurde zwei Jahre nach dem Michaelishochwasser gebaut, nämlich 1734.
Die steinerne zweibogige Gewölbebrücke hielt in der Folge allen Hochwassern stand, nicht aber 1966 der Zerstörungswut einer Generation, die den gewachsenen Ortskern nahezu vollständig vernichtete.



Karl-Heinrich Schanz

zu dem Teil des Berichts, der auf einen Schaden bei Nieder-Ramstadt hinweist,:

„Ein Mühlenbesitzer Rodenhäußer unterhalb Nieder-Ramstadts ist nicht bekannt.

Annegret von Wittersheim im Eberstädter Heimatheft 18 und Friedel Kirschner im Heft 24 berichten von dem Unglück 1732, bei dem das Mühlenhaus und ein Nebengebäude der Alten Kaisermühle von der Wasserflut weggerissen wurden. Von dem Tod eines Müllers wird allerdings nichts gesagt.

Ich vermute, dass das Unglück in der Alten Kaisermühle einen angestellten Müller Rodenhäußer betraf. Besitzer der Mühle war zu dieser Zeit Joh. Henrich Hohenschild.“