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Geschichte > Nieder-Ramstadt

Stand: 14. Okt. 2011


 

Die 750-Jahr-Feier 1950


Text:
Volker Teutschländer



Ein paar Motivwagen

aus dem Festzug zur 750-Jahr-Feier,
fotografiert von Albert Crößmann und Wilma Schneider sowie Frieda und Ernst Mühr:



Herolde in der Kirchstraße



Friedrich Bayer und Tochter Frieda Mühr
als Ritter von Ramstadt



w.o.



Das Schmiede- und Wagnerhandwerk . . .



. . . aus der Nähe



Das Schreinerhandwerk



Der Gesangverein Harmonie 1863

 

1944 waren 750 Jahre vergangen seit der ersten urkundlichen Erwähnung Nieder-Ramstadts – im Kriegsjahr hatten die Menschen andere Sorgen als ein Gemeindejubiläum zu feiern.

Sie holten das in der allgemeinen Aufbruchstimmung 1950 sechs Jahre später nach. Karl-Heinrich Schanz, Mitarbeiter im Arbeitskreis Heimatgeschichte Mühltal, hat aus seinem Archiv einen Ausschnitt aus dem Magazin „Die Müllerei“ vom 29. Juli 1950, 3. Jahrgang, Nr. 30, zur Verfügung gestellt:

 

Die Gemeinde der „Bachprinzen" Nieder-Ramstadt feiert 750jähriges Bestehen

Die hessische Gemeinde Nieder-Ramstadt bei Darmstadt begeht dieses Jahr ihr 750jähriges Bestehen. Als Festwoche wurde die Zeit vom 30. Juli bis 7. August festgesetzt. Die Gesamtgemeinde ist die Trägerin der Feier.

In der Geschichte der Gemeinde spielt das Müllerhandwerk und damit auch das Bäckerhandwerk eine große Rolle. Im Mittelalter war in dem Dorfe Nieder-Ramstadt die Handels- und Hochmüllerei zu Hause. Die Müller des Ortes und die einheimischen Bäcker vereinte das soziale Band einer einzigartigen Genossenschaft, deren alte Gewohnheitsrechte durch einen im Jahre 1596 erneuerten Zunftbrief des damaligen regierenden Landgrafen Georg I. bestätigt wurden. Der gemeinsame Handel mit Mehl und Backwaren erstreckte sich auf die städtischen Märkte der gesamten Umgegend und ermöglichte den dauernden Bestand der vielen
Mühlen der Gemarkung. Schon im 15. Jahrhundert beschickten die Nieder-Ramstädter die Märkte der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main regelmäßig mit Weiß- und Roggenbrot, ferner Heereslager und Reichstage. Durch den 30jährigen Krieg, unter dem auch das Dorf Nieder-Ramstadt sehr zu leiden hatte, wurde die Blüte
der alten Meisterzunft größtenteils zerstört.

Von den einstmals 14 blühenden Mühlen, die alle entlang des die Gemeinde durchfließenden Modaubaches liegen, ist nur noch eine verblieben, die ihrer Tradition treu geblieben ist und zwar die ehemalige „Grünigs-Mühle", die von den Nieder-Ramstädter Heimen, als jetzige Besitzerin, betrieben wird. Alle anderen konnten der Konkurrenz der entstandenen Großmühlen nicht standhalten und mußten die Müllerei an den Nagel hängen. Wo einst die Mühlräder klapperten, rauchen heute die Fabrikschornsteine der Papier- und Pappenfabriken, der Zelluloid- und Kunststoffbetriebe. Die wohlhabenden Müllersöhne, zu damaliger Zeit auch die „Bachprinzen" genannt, haben sich anderen Berufen zugewendet, und so ist im Laufe der Zeit eine einstmals blühende Müllerei der Technisierung zum Opfer gefallen.

 

Was vermutlich nicht mehr in den Satzspiegel des Magazins paßte: Nach den unvorstellbaren Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg gab es sehr wohl noch einen sehr steilen Aufschwung in der Nieder-Ramstädter Mühlenwirtschaft, die erst Ende des 19. Jh. der Konkurrenz des industriell arbeitenden Großmühlen unterlag. Außerdem: Nieder-Ramstadts Mühlen standen nicht nur auf der Modau, sondern vier leistungsfähige Mühlen auch auf der munteren Mordach.

Lesen Sie mehr darüber in der Geschichte der Mühltaler Mühlen von Karl-Heinrich Schanz hier:

 

Festklänge über Nieder-Ramstadt“

Zehntausende beim Jubelfest zur 750-Jahrfeier – Prachtvoller Festzug mit historischen Kostümen
Innenminister Zinnkann und Mr. Goetcheus unter den Festgästen“

 

- so titelte das Darmstädter Echo am Montag, 7. August 1950, Seite 4, seinen Bericht über den Höhepunkt der 750-Jahr-Feier.

Frieda und Ernst Mühr haben den Zeitungsausschnitt zur Verfügung gestellt, der mit Genehmigung des Darmstädter Echos hier als pdf-Datei wiedergegeben wird:

Die Fotos rechts haben Hans Möller †, Wilma Schneider, Albert Crößmann sowie Frieda und Ernst Mühr zur Verfügung gestellt. Aus dem Nachlaß seines Vaters hat uns Volker Möller weitere Fotos vom Festakt, vom Festzug und von der Gewerbeschau überlassen. Sie werden demnächst an dieser Stelle eingestellt.

 

Aus der Festfolge vom 29. 7. bis 7.8.1950

Samstag, 29. Juli

Festkonzert der Sängervereinigung im Kinosaal

Sonntag, 30. Juli

Platzkonzert der Festkapelle im Schulhof

Sonntag, 30. Juli

Festakt zur Eröffnung der Ausstellung mit Bürgermeister Georg Keil
Mannschaftskampf im Ringen: TSV – Nackenheim

Tagungen während der Festwoche 31. Juli – 5. August

Montag: Vorstände der Gewerbevereine
Dienstag: Kreistagssitzung
Mittwoch: Tagung der Obermeister
Mittwoch: Tagung des Einzelhandels
Donnerstag: Tagung der Industrie- und Handelskammer
Samstag: Tagung der Schmiede-Innung

Mittwoch, 2. August

Werbeveranstaltung des TSV

Festsamstag, 5. August

Platzkonzert unter der Linde
(Nieder-Ramstädter Blaskapelle Schwinn, Lt. Willi Stroh)

Fackelzug der Vereine

Festkommers mit Tanz auf dem Festplatz

Festsonntag, 6. August

Weckruf des Posaunenchores

Festgottesdienst

Festzug

Ansprachen Bürgermeister Keil, Schirmherr Landrat Georg Wink
Festrede Innenminister Zinnkann

Kunstturnen der Kreisriege

Tänzerische Vorführungen mit Lilli Matthes (Traisa)
Unterhaltungskonzert und Tanz

Ansage: Hans Herter gen. Mickedormel, Nieder-Ramstadt

Festmontag, 7. August

Frühschoppenkonzert

Kinderfestzug
Volksfest und Kinderfest auf dem Festplatz

Riesenfeuerwerk