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Geschichte > Nieder-Beerbach  

Stand: 20. Jun 2012

 

 

 


 

Die Wüstungen

Mit der Burg und der Herrschaft Frankenstein werden 1661 und 1662 u.a. das Dorf Nieder-Beerbach und die Gemarkungen der untergegangenen Dörfer Unter-Beerbach, Dunkelbach und Dornbach (auch: in der Dörrenbach) an Hessen-Darmstadt verkauft.
Da von „Gemarkungen“ Rede ist, waren die drei Wüstungen wohl nicht Weiler auf Nieder-Beerbacher Gemarkung, sondern Gemeinden im damaligen Sinne.

Unterbeerbach ist untergegangen

Neben Nieder-Beerbach soll auch ein Unterbeerbach bestanden haben, wofür auch sowohl der Ausdruck „die Dörfer Nieder-Beerbach“ in dem Lehnbriefe von 1442 als auch viele Mauerreste und ein Stück einer gepflasterten Straße sprechen, welche etwa 20 bis 25 Geh-Minuten von Nieder-Beerbach auf der linken Seite des Tales nach Eberstadt hin in der Nähe der Schneiderschen Mühle gefunden wurden.

In einem alten Frankensteiner Zinsregister kommen zwar gleichfalls die Namen Nieder- und Unter-Beerbach nebeneinander vor: Es lasse sich jedoch bei der Kürze der Einträge nicht entscheiden, ob damit zwei verschiedene Orte bezeichnet werden, schreibt Pfarrer Dr. Scriba 1853.

Dunkelbach nur ein ehemaliger Name für Ober-Beerbach?

1662 verkaufen die Gebrüder von Frankenstein an Landgraf Ludwig VI von Hessen ihr Schloß Frankenstein samt ihrer Herrschaft mit den dazu gehörigen Dörfern und Lehen, darunter „Ober-Beerbach, vormals Dunkelbach genannt“. Die beiden in diesem Zusammenhang entstandenen Urkunden lassen vermuten, daß das heutige Ober-Beerbach ehemals den Namen Dunkelbach geführt und ein Ort Dunkelbach, der aufgelassen sei, niemals bestanden habe.

Diese Feststellung in der Urkunde, daß Dunkelbach ein früherer Name von Ober-Beerbach gewesen sei, ist nicht haltbar. Allerdings hat zu jener Zeit Dunkelbach zur Gemarkung Ober-Beerbach gehört. Kirchlich gehörte Dunkelbach z
um Pfarrbezirk Nieder-Beerbach.

Westlich von Nieder-Beerbach entspringt ein Bächlein, das zwischen dem „kleinen Berg“ und der „alten Burg“ einer- und dem Ilbisberg andererseits fließt und nach seinem Laufe von etw 700 Schritten sich im Dorf in den Beerbach ergießt. Das Bächlein, dessen Quelle der Katzenborn ist, dürfte wegen seines tief liegenden Bettes vormals der Dunkelbach genannt worden sein, vielleicht auch wegen seines trüben Wassers. Dort hat wahrscheinlich das in einem Lehnbrief von 1682 erwähnte Dorf Dunkelbach gelegen - zwischen der hinteren Seite der Alten Burg und des Ilbisberges, nahe unter dem Katzenborn - nach anderer Beschreibung zwischen dem ehemaligen Pfarrhaus zu Nieder-Beerbach und dem Frankensteiner Hang.

1771 wurden dort Mauerreste gefunden, entdeckt von „Schatzgräbern“, die um diese Zeit in einer Art Goldgräberstimmung die Alte Burg mit Stollen erfolglos aushöhlten.

Diese Mauerreste sowie die dort befindliche alte Brunnenstube, welche bereits in dem Frankensteiner Burgfrieden von 1363 unter dem Namen Pfaffenborn vorkommt, dürften zu diesem untergegangenen Dorf gehört haben. Wahrscheinlich fand dieser Ort in derselben Fehde seinen Untergang, in welcher Schenk Eberhard von Erbach und seine Helfer 1383 die unfern stehende Nieder-Beerbacher Kirche verbrannten.

Amtlich wird heute die Lage der Wüstung unmittelbar am Westrand der Gemarkung Nieder-Beerbach, Flurbezeichnung Dunkelbach, beschrieben.

Wo aber liegt Dornbach?

Erstmals wird die Dornbach mit Äckern und Wiesen 1357 urkundlich erwähnt. 1402 belehnt König Ruprecht den Konrad von Frankenstein „mit dem Schloß Frankenstein, dem Dorf Nieder-Beerbach und der Dorenbach“.Danach ist die Dornbach wohl in der heutigen Gemarkung Nieder-Beerbach zu suchen.

Allerdings heißt es auch von „Dörrenbach bei Malchen“, wobei zu bedenken ist, daß die Gemarkung Nieder-Beerbach nach Westen den Bergstraßenhang hinunter bis hinter die Hausgärten von Malchen reicht. Im Hessischen Ortsnamenbuch von 1937 ist bei Dornbach der Zusatz „zu Nieder-Beerbach“ mit einem Fragezeichen versehen.

Text:
Volker Teutschländer

Quellen:

Archiv Hess. Geschichte und Altertumskunde aus den Schriften des Hist. Vereins für das Großherzogtum Hessen
1849 – 1851

Pfarrer Dr. Heinrich Eduard Scriba (1853)
Geschichte der ehemaligen Burg und Herrschaft Frankenstein

Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen




Wüstung

ist die Bezeichnung für eine Siedlung die üblicherweise vor der Neuzeit aufgegeben wurde, an die aber noch Flurnamen, Reste im Boden oder gar örtliche mündliche Überlieferungen erinnern.