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Geschichte > Nieder-Beerbach

Stand: 07.12.2012

 

 

 


 

Die indirekte Nennung Nieder-Beerbachs im Lorscher Totenbuch

Autor:
Peter Germann

 

Noch immer geistert die Jahreszahl 788 umher, wenn es um den frühesten urkundlichen Nachweis des Bestehens Nieder-Beerbachs geht.

Entstanden ist der Irrtum aus einer Fehlinterpretation des „Lorscher Totenbuches“, das mittelalterlichem Totengedenken im Kloster Lorsch diente, aber nicht ein Sterbebuch im Sinne späterer Kirchenbücher oder heutiger Sterberegister ist. Als Nekrologium enthält es vielmehr nach Sterbemonaten geordnete Einträge zu Personen, für die im jeweiligen Monat anstehenden liturgischen Fürbitten, aber nicht nur für auserwählte Verstorbene, sondern auch für Schenkende.

Ohne Jahresangabe, sondern unter dem jährlich wiederkehrenden Monat März, findet sich im Lorscher Totenbuch nach einer Subskription der Klosterverwaltung Lorsch folgender Eintrag:

Wernheri laici. Hic dedit .j. hubam in Waltenhuson et duas partes ecclesie in Berebach superiore.

Auf Deutsch:

Werner, der Laie, dieser schenkt eine Hube in Wallhausen und zwei Teile der Kirche in Ober-Beerbach.“

Mit Wallhausen dürfte der Weiler bei Ober-Beerbach gemeint sein. Und wenn mit „Berebach superiore“ Ober-Beerbach konkret genannt wird, dann ist die Überlegung nur logisch: Wenn es ein „oberes“ Beerbach gibt, dann muß es auch ein unteres, ein Nieder-Beerbach geben haben.

Aber: Die Eintragungen enthalten kein Eintragungsdatum, sondern sind ohne ein solches unter dem Monat des Ereignisses (Tod oder Schenkung) nachgewiesen. Nur in Ausnahmefällen ist der Eintragungszeitpunkt vermerkt. Folglich kann aus dem vorgenannten Eintrag für Nieder-Beerbach kein Nennungsjahr abgeleitet werden.

Dr. Heinrich Eduard Scriba, der für seine geschichtlichen Veröffentlichungen hohes Ansehen noch heute genießt, zitiert 1853 in seinem Buch „Geschichte der ehemaligen Burg und Herrschaft Frankenstein und ihrer Herren“ in Bezug auf die Nennung Nieder-Beerbachs im Lorscher Totenbuch

den „Beerbach“ betreffenden lateinischen Text.

Er nennt richtigerweise keine Jahreszahl.

Die Festschrift der Gemeinde Nieder-Beerbach zur 700-Jahr-Feier der Burg Frankenstein im Jahre 1952 zieht daraus den falschen Schluß:

Das Dorf Nieder-Beerbach wird zum erstenmal im Sterberegister des Klosters Lorsch (788) urkundlich mittelbar erwähnt“ . . .

Der Eintrag der Jahreszahl 788 in Klammern wurde wohl im Hinblick auf das im 8. Jahrhundert beginnende Totenbuch gemacht, sie ergibt sich nicht aus dem Lorscher Totenbuch. Es ist nicht bekannt, worauf sie sich bezieht.

Volker Reinhardt zieht in den Kommunalwissenschaftlichen Veröffentlichungen für den Bereich Darmstadt-Dieburg, hrsg. Prof. Dr. Dr. Schmidt, TH Darmstadt, 1976, daraus den folgenden Schluß:

Im Sterberegister des Klosters Lorsch wird Nieder-Beerbach 788 erstmals mittelbar erwähnt.“

Diese Folgerung ist falsch. Die Jahreszahl 788 bezüglich der Erstnennung Nieder-Beerbachs ist nach dem Lorscher Totenbuch nicht belegt.

1988 hätte man in Nieder-Beerbach gerne das 1200jährige Bestehen des Dorfes begangen und hatte aus den falschen Folgerungen schon Vorbereitungen getroffen, um ein großes Fest zu feiern. Leider war dies dann nach den gegebenen Umständen nicht möglich.

In der Literatur wird Nieder-Beerbach ab dem 14. Jahrhundert sporadisch genannt, z. B. 1318 Berbach, 1363 Niedernbeerbach, 1485 Niddern Berbach usw.

Die zugehörigen Belege aufzufinden und diese zu veröffentlichen wäre eine Zukunftsaufgabe für Heimatkundler im Mühltal.