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Geschichte > Nieder-Beerbach > Persönlichkeiten

Stand: 23.06.2012

 



 

Die Lehrerfamilie Gerlach

Text:
Peter Germann




Der Türsegen aus dem Gerlachschen Haus, gerettet von Adam Breitwieser beim Abbruch in den Nachkriegsjahren




Der Kirchenaufgang
mit dem Gerlachschen Haus

 

Unter den verdienten Lehrern im Dorf wird gerne Johann Daniel Gerlachs gedacht, der sich 1737 sein Haus neben dem Kirchenaufgang errichtete. Obwohl es sein Privateigentum war, diente es knapp 100 Jahre lang als örtliches Schulhaus. In Würdigung seiner Leistungen für das Dorf hat die Gemeinde Nieder-Beerbach die Straße „Gerlachshöhe“ nach ihm benannt.

Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde das geschichtsträchtige Haus auf markantem Platz geopfert, um konturlosem Sozialem Wohnungsbau Platz zu machen.

In der Beschreibung der Nieder-Beerbacher Geschichte von 1921 schreibt Dr. Karl Esselborn:

. . . Auf dem höchsten Punkt des Dorfes erhebt sich das Kirchlein. Von der alten Gerichtslinde steigt die Straße steil zu ihm empor und führt zu der Treppe, an deren Ende sich das Eingangstor zu dem das Gotteshaus umgebenden Kirchhof erhebt. . . .

Links von dem Eingang erhebt sich ein kleines zweistöckiges Fachwerkhaus mit einem Vorgarten davor, der nach der Kirche zu durch einen Backofen abgeschlossen wird. Über der Eingangstür des Hauses befindet sich eine Inschrift. Sie besagt, daß Johann Daniel Gerlach es im Jahre 1737 erbaut hat. Daß aber der Erbauer ein gottesfürchtiger Mann war, beweist der dabeistehende Spruch . . .“

Den geschnitzten Eingangssegen des Gerlachschen Hauses hat Heimatkundler Adam Breitwieser beim Abbruch des Hauses sichergestellt und erhalten.

Der Text (in bis 2002 bewährter Rechtschreibung):

Laß Dich doch, Herr Jesus Christ, durch mein Gebet bewegen. Komm in mein Haus und Herz. Bring mir den Segen all meiner Arbeit und Fleiß. Ohne Dich nicht richte aus. Wo Du mit Gnaden bist, kommt Segen in das Haus. Johann Daniel Gerlach 1737“

Johann Daniel Gerlach starb 1745 im Alter von 77 Jahren, nachdem er 53 Jahre Lehrer in Nieder-Beerbach war.

In Esselborns Heft heißt es dazu weiter:

. . . Sein Urgroßvater war der Dichter Matthäus Gerlach von Frankfurt, der von 1636 bis 1640 Uhr Stadtpfarrer in Darmstadt und dann bis zu seinem Tode Pfarrer in Groß-Umstadt war. Dessen Sohn, Georg August Gerlach, war im Jahre 1682 Pfarrer in Nieder-Beerbach geworden, nachdem er zuerst Schulmeister in Auerbach und dann zehn Jahre Diakonus in Langen gewesen war. Er war einer der besten Seelsorger, den die Gemeinde besessen, und starb im Jahre 1690.

Der Familie Gerlach gehörten die Nieder-Beerbacher Schullehrer von 1692 bis 1835 an. In ihrem Hause wurde die Schule gehalten, da die Gemeinde erst im Jahre 1836 ein eigenes Schulhaus erhielt.“

Nachfolger von Johann Daniel Gerlach, dem Erbauer des Gerlachschen Hauses, als Schulmeister war der zweite Mann seiner Witwe, Johann Paul Elwert. Ihm folgte 1777 Gerlachs Sohn bis zu seinem Tode 1815, dem mit Georg Paul Gerlach dessen Sohn und die nächste Gerlach-Generation folgte.

Die Dynastie Gerlach hätte wohl mit seinem gleichnamigen Sohn fortgedauert,

wenn das nicht der Pfarrer Haußmann, ein Gegner der Familie Gerlach, so energisch hintertrieben hätte.“

Das Haus Gerlach stand bis zum Beginn des 20. Jh. im Eigentum von Nachkommen der Familie Gerlach, kam dann aber „unter den Hammer“.

. . . Der Erwerber ließ das Haus im Jahre 1909 renovieren und fügte dem Türspruch auf einer Holztafel den zweiten hinzu:

Zwei feste Stützen brechen nie: Gebet und Arbeit heißen sie‘.“