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Geschichte > Nieder-Beerbach > Persönlichkeiten

Stand: 03.01.2013

 

 

 



 

Johann Philipp Dippel


Die Charaktere
zweier seiner Amtsvorgänger erfüllten Dr. Heinrich Eduard Scriba „Mit Abscheu und Schaudern“. Er schreibt das 1853 in seiner noch heute hoch angesehenen „Geschichte der ehemaligen Burg und Herrschaft Frankenstein und ihrer Herrn“ über zwei Pfarrer in Nieder-Beerbach, die rund zweihundert Jahre vor ihm ihrem Berufsstand nicht zur Ehre gereichten. Nach ihnen aber „bekam die Gemeinde mit Johann Philipp Dippel aus Rodheim bei Gießen einen Ehrenmann zum Seelsorger, hoch gelobt ob seines Dienstes an Gott und den Menschen.

„Das Glück der Gemeinde, sich eines Geistlichen zu erfreuen, wie Philipp Dippel gewesen war, dauerte leider nicht lange. Es trieb nämlich damals in dem benachbarten Orte Nieder-Ramstadt ein Pfarrer mit Namen Joh. Henrich Majus sein Unwesen“, schreibt Scriba weiter. „Obwohl talentvoll in einem hohen Grade, war derselbe jedoch mit einem solchen rechthaberischen und streitsüchtigen Gemüte behaftet, daß er gleichmäßig für seine Oberen wie für seine Gemeinde zu einer wahrhaften Geißel geworden war. Da alle Mittel, seine zweischneidige, aber wohlgeschärfte Zunge abzustumpfen vergeblich waren, so wußte man sich keines besseren Rates zu versehen, als ihn durch einen Tausch mit Dippel hinter den Frankenstein zu versetzen, welches im Jahr 1678 geschah. Zum Glücke für Nieder-Beerbach starb er indessen bereits im Jahr 1681 als der neunte Pfarrer daselbst . . .

Johann Philipp Dippel war von 1678 bis 1704 ev. Pfarrer in Nieder-Ramstadt.

Der Name Dippel war in der damaligen Zeit weithin bekannt durch seinen Sohn, den späteren
Doktor der Medizin und Alchemisten Johann Konrad Dippel. Prälat Diehl sagt von ihm in den Hess. Volksbüchern, daß er ‚im Zeitalter des Pietismus zu den führenden Geistern ganz Deutschlands gehörte und für die Aufklärung bahnbrechender gewirkt hat als irgend einer seiner hessischen Zeitgenossen‘. . . .

Sein Bruder Johann Albert Dippel hatte Theologie studiert und war von 1700 bis 1704 seinem Vater als Pfarradjunkt (Gehilfe) beigeordnet, der infolge Asthmabeschwerden seinen Dienst nur mühsam verrichten konnte. Eigentlich sollte Johann Albert Dippel seinem Vater im Amt des Pfarrers in Nieder-Ramstadt folgen. Doch kurz vor Ablegung seines Examens starb Vater Johann Philipp Dippel, und das Definitorium schlug – gerüchteweise nach einer Intrige – den Pfarrer Johann Justus Lynker vor, der auch in die Stelle berufen wurde.

Albert Dippel hat nach dem Tode seines Vaters die Theologie aufgegeben und Medizin studiert. 1710 baute er den Obertraisaer Hof wieder auf, den er durch einen Verwalter bewirtschaften ließ. Aus wirtschaftlichen Gründen hat er anscheinend aufgegeben und den Hof 1713 verkauft. Er hat sich dann wahrscheinlich in Grünberg (Oberhessen) als praktischer Arzt betätigt. Durch seine kurze Tätigkeit als Hofbesitzer ist der Name Dippel bis auf den heutigen Tag im Mühltal erhalten geblieben, denn seit 1793 wird der ehemalige Obertraisaer Hof auch in amtlichen Unterlagen Dippelshof genannt. (Quelle: Karl Dehnert, 650 Jahre Christliche Gemeinde Nieder-Ramstadt, 1982).

Text:
Volker Teutschländer




Sohn
Johann Conrad Dippel,
der berühmte Alchemist und Theologe
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