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Geschichte > Nieder-Beerbach

 Stand: 11.05.2013

 

 

 


 

Der ehem. Speckhardt-Steinbruch


Der nordwestlichste Teil des Kristallinen („Vorderen“) Odenwaldes birgt eine geologische Besonderheit wegen ihres massiven Gabbro-Grundgebirges. Geologen sprechen neuerdings vom „Frankenstein-Komplex“, nämlich dem Mittelgebirgsteil von der Bergstraße bei Seeheim im Westen über den Frankenstein und die anderen Erhebungen um das Mühltal bis ins Gersprenztal bei Groß-Bieberau im Osten. Über zwanzig Betriebe sind alleine im Mühltal aus den letzten zwei Jahrhunderten bekannt, die in handwerklicher Arbeit das Gestein abbauten, das vornehmlich für den Tiefbau verwendet wurde.

Einer dieser Tagebaubetriebe lag auf dem Langenberg, knapp östlich unter dem Kamm, 500 Meter südlich der Burg Frankenstein und 200 Meter südwestlich des Magnetberges in der Gemarkung Nieder-Beerbach. Zu Fuß ist die Senke der früheren Abbaustelle vom Parkplatz unterhalb der Burg in ewa 400 m auf dem Weg an der Sportanlage vorbei zu erreichen. Für den Abtransport des abgebauten Materials mit Pferdefuhrwerken bot sich zur „aktiven“ Zeit des Steinbruchs der Weg von Seeheim aus an. Der Weg bildet die Gemarkungsgrenze zwischen Nieder-Beerbach und Seeheim. Die Unterhaltung des Weges war während des Abbaues Streitobjekt zwischen beiden Gemeinden.

1906 gründete Peter Speckhardt, Vater des späteren Seeheimer Bürgermeisters Adam Speckhardt, den Steinbruchbetrieb, daher der Name Speckhardt-Steinbruch unter den Einheimischen. Jeweils bis zu fünfzehn Arbeiter fanden hier Beschäftigung und Unterhalt für ihre Familien. Darunter waren eine Reihe italienischer Gastarbeiter.

Das Baumaterial für das nahe Turnerdenkmal an der Burg Frankenstein soll aus dem Speckhardt-Steinbruch gewonnen worden sein.

Nieder-Beerbachs Heimatkenner Adam Breitwieser weiß, daß unter der NS-Herrschaft Steinbrüche aus dem ganzen Reich riesige Quader für Monumentalgebäude (vermutlich auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg) bereitstellen sollten. Zum Abtransport eines sochen Objektes aus dem Speckhardt-Steinbruch sei es aber bis Kriegsende 1945 nicht mehr gekommen. Es lagerte nach seiner Kenntnis noch in den 1950er Jahren am Rande der Abbaugrube, sei aber dann gesprengt worden.

In den 1950er Jahren wurde der Gabbro-Abbau eingestellt, in der Abbaugrube sammelten sich Grund- und Oberflächenwasser, war aber 60 Jahre nach Nutzungsende mit Faulschlamm gefüllt und zugeschwemmt. Die Forstverwaltung hat mehrfach Bewuchs ausgelichtet, um die Lebensverhältnisse für die im Teich heimisch gewordenen Amphibien zu verbessern.

Die Ortsgruppe Seeheim-Jugenheim im Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat das Gewässer im Jahr 2012 entschlammt und die Wasserqualität verbessert, die Ufer geräumt und so Wasserfläche und Umgebung zu einem Feuchtbiotop gestaltet. Für menschliche Besucher wurden die steilen ehemaligen Abbauwände gesichert. Mitglieder des NABU haben die Unterhaltung der Anlagen übernommen.

Mehr über die Pflegearbeiten des NABU Seeheim-Jugenheim:
http://www.nabu-seeheim.de/speckhard-steinbruch-malchen/

 

Text:
Volker Teutschländer


Quellen:
Adam Breitwieser
NABU Seeheim-Jugenheim





Teilansicht des „Wassersteinbruchs“
nach der Sanieerung durch die NABu-Ortsgruppe Seeheim-Jugenheim
(Foto: NABU Seeheim-Jugenheim / Tino Westphal)



Der Steinbruch Speckhardt 2006
(Foto: NABU Seeheim-Jugenheim)