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Geschichte > Nieder-Beerbach

Stand: 24.08.2012 

 


 

Die Beerbacher Steinbeile


Das Beerbachtal war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wie die zahlreichen aus der Gemarkung bekannt gewordenen Bodenfunde belegen. Steinbeile aus der Jungsteinzeit (ca. 4 500 – 1 800 v. Chr.) sind am Hang des Frankensteins und an anderen Punkten der Gemarkung, auch am Breitenlohberg, gefunden worden.

Aus dieser Zeit stammen vermutlich die zwei Klingen, die wohl zu Steinbeilen gehörten,

1 Steinbeil oder Steinkeil,
1 Faustkeil.

Heinrich Leichtweiß aus Eschollbrücken, Schullehrer 1836 – 1886 in Nieder-Beerbach, hat sie in der Gemarkung Nieder-Beerbach in den 1830er Jahren gefunden. Beerbachs Heimatkundiger Adam Breitwieser, Ururenkel des Finders, verwahrte sie in der dritten Generation, um sie 2007 dem ehrenamtlich geführten Bergsträßer Museum in Seeheim-Jugenheim zu überlassen, dem nächsten in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Jürgen Eck, Vorsitzender des
Museumsvereins Seeheim-Jugenheim und Leiter des Bergsträßer Museums Seeheim-Jugenheim, beschreibt die beiden unterschiedlichen „Klingen“ ohne Schaftloch als Werkzeuge zur Holzbearbeitung, nämlich die eine als Steinbeil oder Steinkeil, die andere als Faustkeil.

Eck wörtlich: „Die Gegenstände sind gut erhalten: ein Stück weist geringe Beschädigungen auf, bei dem anderen handelt es sich offenbar um den unteren Teil einer „Klinge“. Wegen der perfekten Machart ist anzunehmen, dass sie aus der jüngeren Jungsteinzeit stammen. Demnach sind sie ca. 4 000 bis 5 000 Jahre alt! Zu der Zeit waren in Gebrauch entweder Steinbeile mit „Klingen“ im durchbohrten Eschen- oder Ahornholzschaft oder Dechsel, also geknickte, dicke, vorn gespaltene Stöcke mit an der Spitze mittels „Schrumpfbändern“, z. B. angefeuchteten Lederbändern oder Weidenrinden, befestigten „Klingen“. Da die beiden „Klingen“ kaum Gebrauchsspuren aufweisen, kann man davon ausgehen, dass der steinzeitliche Eigentümer sie erst kurze Zeit zuvor von einem guten Werkzeugmacher im Wege des Tausches gegen eine andere Leistung oder einen anderen Gegenstand erworben hatte.“

Die beiden Klingen sind aus unterschiedlich hartem Gestein gefertigt, das in der nahen Odenwald-Umgebung gewonnen worden war. Solches Werkzeug wurde seinerzeit zunächst grob aus dem Gestein gebrochen, Schneiden und Oberflächen wurden dann auf Sandsteinplatten glatt geschliffen.


 

 

Text:
Volker Teutschländer

Quelle:
Adam Breitwieser
Jürgen Eck





Adam Breitwieser,
geschichtskundiger Beerbacher, hat die beiden Beilklingen sichergestellt, die sein Ururgroßvater Heinrich Leichtweiß gefunden hatte. 2007 hat er sie dem Bergsträßer Museum in Seeheim-Jugenheim überlassen





Unterer Teil einer Steinbeil-„Klinge“
möglicherweise für ein
parallelgeschäftetes Steinbeil



Steinbeil-„Klinge“
mit kleinen Beschädigungen,
möglicherweise für ein
quergeschäftetes Dechsel