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Geschichte > Nieder-Beerbach

Stand: 28.06.2012

 




 

Die Elsbeere, Baum des Jahres 2011

Die „schönen Elsen“ vom Beerbachtal

Sorbus torminalis, die Elsbeere, ist „Baum des Jahres 2011“, die Gefährdung ihrer Art in unseren Breiten ist dadurch erst ins Bewußtsein der Menschen gerückt. Gefährdet erschienen ausgerechnet im Jahr ihres besonderen Schutzes auch die beiden markanten Bäume in Nieder-Beerbach, die den Eingang zum Hochbehälter am Fahrweg zum Himmelsberg flankieren.

Der Baum wächst langsam und braucht sehr viel Licht. Auch in Nieder-Beerbach wurde deshalb die ehemals in Wäldern heimische Elsbeere von „wüchsigeren“ Baumarten verdrängt. Zwei Schößlinge aber entdeckte im Jahre 1958 Peter Germann sen. im Wald beim Schweizerloch am Südwesthang südlich des Frankensteins gegen Seeheim zu. Germann war in Nieder-Beerbach gemeindlicher Bediensteter in mehreren Funktionen, vornehmlich als „Wassermeister“, also Leiter des gemeindlichen Wasserwerkes.

Die Schößlinge vor dem Erstickungstod zu erretten war der spontane Gedanke des heimat- und naturverbundenen Germann. Nicht ohne Zustimmung des Försters ist er mit Sohn Peter auf dessen Motorrad zum Schweizerloch gezogen, um die beiden jungen „Elsen“ auszugraben und ihnen symmetrisch vor der Jugendstil-Fassade seines Arbeitsplatzes, des markanten Hochbehälters, eine neue Heimat zu geben. Bis zu seinem Tode 1990 hatte Germann ein wachsames Auge auf die Beerbacher Besonderheit.

Über die Jahrzehnte ist ihnen aber auch hier Konkurrenz erwachsen, so daß sie sich sehr strecken mußten nach Licht und Luft. Sie haben daher nicht den von Solitärexemplaren erwarteten untersetzten Stamm mit breit ausladender Krone, dafür – nicht weniger ästhetisch – einen aufstrebenden Körper, dem man den Kampf gegen bedrückende Nachbarschaft anmerkt. Sie sind jetzt 15 m hoch und können die stolze Höhe von 35 m erreichen.

2011 wird der Hochbehälter für die Wasserversorgung saniert und erweitert. Die Gefahr für die beiden wertvollen Bäume durch Arbeiten mit schwerem Baustellengerät und Lagerung von Baustoffen unmittelbar am Standort hat Peter Germann jun. erkannt und die Zusage der Mühltaler Gemeindewerke zum Schutz und Erhalt der „schönen Elsen“ erwirkt. Germann ist der gleichnamige Sohn von Peter Germann sen., dem „Retter“ der Elsbeeren aus dem Schweizerloch, Germann jun. folglich ihr Retter am Hochbehälter.

„Elsäpfel“ oder „Elsebbel“, wie ältere Einheimische sagen, bringen kleine Früchte in der Form eines Apfels. Sie sind im Reifezustand grau-braun, haben einen Durchmesser von 1 bis 1,5 cm und sind Vitamin-C-haltig. Sie wurden im Mittelalter, angeblich auch schon im Altertum, bei der Behandlung von Magen- und Darmbeschwerden verwendet. Aus den Früchten wird besonders in Österreich („Adlitzbeerenschnaps“) ein wertvoller Edelbrand hergestellt, für den Liter-Preise von 170 Euro und mehr erzielt werden.

Die Elsbeere gehört zusammen mit Vogelbeere und Speierling zu den Rosengewächsen, zu denen u.a. auch der Apfelbaum gehört. Der Speierling ist daher keine eigene Apfelsorte. Als „Baum des Jahres 1993“ war er wieder ins Bewußtsein der Bevölkerung, besonders der Obstbauern und Apfelweinkelterer, gerückt, wodurch die Erhaltung seiner Art gesichert ist. Er wird besonders im Raum Frankfurt zur Verbesserung des Apfelweins verwendet. Die Früchte werden bis zu 10 g schwer, was etwa Walnußgröße entspricht. In Nieder-Beerbach gab es früher vereinzelt den sog. „Holzapfel“ - einen Wildapfel - sehr sauer und etwa in der Größe eines Tischtennis-Balles, den man dem Apfelwein beifügte.

Text:
Volker Teutschländer
Peter Germann




Der östliche Teil der Vorderfront des Hochbehälters von 1905 in einer Aufnahme von 1958.
Links das junge Stämmchen der einen Elsbeere von 1958



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