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Geschichte > Nieder-Beerbach

Stand: 21. Jun 2012

 

 

 


 

Der Bieberwoog . . .

. . . ist für Wanderer und Naturliebhaber eine besonders reizvolle Landschaft, für Heimatkundler ein gleichermaßen reizvolles Geschichtsobjekt. Das Seitental, das von dem in Süd-Nord-Richtung verlaufenden Beerbachtal recht steil nach Osten zur Frankenhäuser Hochfläche abzweigt, wird weitgehend von Wald begleitet, wird als Acker- und Weideland genutzt und verengt sich im unteren Abschnitt fast schluchtartig. Auf den begrenzenden Höhen führen Fahrwege von Frankenhausen nach Nieder-Beerbach bzw. nach Ober-Beerbach.

Der Bieberwoog bildet seit 1703 einen ausgesteinten Bezirk der drei Gemeinden, „1 Stunde Wegs in der Länge und in der Breite, meist Holz und Wiesengründe und etwas Ackerfeld, Viehtrieb und Beholzung“. Die Aufsicht oblag „dem Keller“ (dem staatlichen Rentmeister, Steuereinnehmer, Finanzamt) in Eberstadt. Seit 1780 gehört er zu den Gemarkungen Frankenhausen und Nieder-Beerbach

Außer seiner landschaftlichen Schönheit ist der Bieberwoog ein geschichtlich interessantes Feld, vor allem als Zankapfel territorialer Streitigkeiten der Feudalherren seit dem ausgehenden Mittelalter. Seit Alters her nutzten die drei Gemeinden Wald und Feldflur im Bieberwoog gemeinschaftlich. Seit 1489 ist belegt, daß die Bieberwoogfelder je zur Hälfte den Frankensteinern und den hessischen Landgrafen zehntpflichtig (steuerpflichtig) waren – so richtig geeignet als Zankapfel zwischen Hessen und Frankenstein. Die hessischen Landgrafen suchten seit langem mit Streitigkeiten aller Art in den Besitz des Ländchens Frankenstein zu kommen, das ihm wie ein Stachel in seinem hessischen Fleisch vorkam.

1595 behauptete plötzlich Ober-Beerbachden den „Oberhof“ (Gericht) über den Bieberwoog für sich. Frankenhausen und Nieder-Beerbach erkannten diesen Anspruch nicht an. Ober-Beerbach wandte sich – wohl von interessierter Seite angestachelt – mit prozeßtaktischen Hintergedanken an den hessischen Landgrafen. Der erkannte mit Eifer eine neue Gelegenheit, sich mit den Frankensteinern anzulegen. Er stellte kurzerhand alle Frankensteiner Rechte in Frage und beanspruchte die hessische Oberhoheit für den gesamten Bieberwoog.

Dem Grunde nach hatte Hessen die reichsunmittelbaren Hoheitsrechte der Frankensteiner geachtet. Einen gewaltsamer Zugriff, wie er zu dieser Zeit unter den deutschen Ländern gang und gäbe war und der dem Landgrafen kein großes militärisches Hindernis bedeutet hätte, vermied Hessen aber doch, weil dann der Aggressor wegen Landfriedensbruchs Sanktionen von Kaiser und Reich zu erwarten gehabt hätte.

Der Streit um den Bieberwoog überdauerte das Jahr 1662, in dem die Herren von Frankenstein wohl zermürbt den Schikanen der Hessen nachgaben und ihr Ländchen zusammen mit der Burg an die Landgrafschaft verkauften.

Als 1780 der Bieberwoog zwischen Nieder-Beerbach, Ober -Beerbach und Frankenhausen geteilt wurde, gehen 16 Vollbauern (Gemeinsleute) aus Nieder-Beerbach ins Teil, später kommen auf Regierungsbeschluss noch 6 Beisassen dazu, weil die Vollbauern kein Interesse an einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung zeigten. Sie hatten mit ihrem Besitz in Nieder-Beerbach zu tun. 1794 ist der Nieder-Beerbacher Oberschultheiß, Adam Elwert, hess. Bieberwoogaufseher,

Text:
Volker Teutschländer

Quelle:
Heinz Bormuth











Der Bieberwoog:
vor seiner Verengung ins Beerbachtal (Bilder 3 und 4). Beide Aufnahmen vom Gustav-Krämer Weg.