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Geschichte > Nieder-Beerbach > Die Alte Burg

Stand: 01.07.2012

 

 

 


 

Die Schatzgräber der Alten Burg

Unmittelbar hinter der Nieder-Beerbacher Kirche erhebt sich ein Bergkegel, der nach der Sage „die Alte Burg“ noch heute heißt, der aber auch von der wissenschaftlichen Forschung als eine solche angesehen wird. Die Sage aber ist der Forschung weit voraus und sieht darin die Vorgängerin der nahen Burg Frankenstein.

Der Sage nach gibt es im Innern der Alten Burg ausgemauerte Gewölbe, angefüllt mit reichen Gold- und Silberschätzen sowie bestens erhaltenem Wein in alten Fässern. Unterirdische Gänge führen angeblich zur neuen Burg Frankenstein, zur Nieder-Beerbacher Kirche und sogar zur ehemaligen Martinskapelle bei Bessungen.

Jüngeren Datums ist die Kunde von unterirdischen Gängen von der Kirche zum Gerlachschen Haus sowie von der heutigen Burg Frankenstein zum Weg zum Katzenborn, in dem ehedem der fürchterliche Drache hauste, den zwar Ritter Georg vom Frankenstein besiegt, dabei dabei aber sein Leben ließ. Sie mag die Sage von den weiteren unterirdischen Gängen angestoßen haben.

Diese Sage von den Schätzen in der Tiefe der Alten Burg nährte verschiedentlich die Hoffnung auf Reichtum und Ruhm. Sie beflügelte erstmals 1763 eine Schar von Schatzgräbern. Pfarrer Philipp Moritz Scriba schildert das Treiben in einem Eintrag ins Kirchenbuch (aus Dr. Esselborn, „Nieder-Beerbach“):

Im Jahre 1763 in der Woche vor dem Pfingstfest kam ein Komplott Schatzgräber hierher und gaben vor, daß sie auf Erlaubnis Ihreo Hochfürstlichen Durchlaucht Ludwig VII auf dem sog. Altburgenkopf, über der Kirche gelegen, einen Schatz heben sollten. . . . Die Schatzgräbern mit ihren Anführern machten dann nun ein Langes und Breites , was da in dem Berge liegen sollte. Sie gaben vor, es seien Gewölbe darin verborgen, sodann in dem einen ganz erstaunende Summen Gold und Silber und in dem andern, das im kleinen Berg sein sollte, ein guter Vorrat Wein . . .

Das Volk im Dorfe wurde durch diese Leute dergestalt verblendet, daß ich genötigt wurde, gegen solchen Unfug und Teufeleien zu eifern. Gleichwohl konnte ich nicht verhindern, daß sich etliche aus meiner Gemeinde dazugesellet haben, nämlich . . . Ich suchte alles bei diesen Leuten zu tun, sie von ihrer abscheulichen Torheit abzubringen, sonderlich, da viele Gottlosigkeiten und Teufelsbannereien dabei getrieben wurden; allein sie wurden allezeit von ihren Führern wieder verhalsstarrigt und der Name Serenissimi schändlich mißbraucht.

Beide Berge haben sie kreuzweise und in die Länge durchgraben, die allerfürchterlichsten Höhlen und Keller hineingehackt, so daß die meisten Höhlen 50 bis 60 Schuh tief sollen gewesen sein, und bei dem allen nicht das geringste gefunden und entdeckt wo etwa ihrem Vorgeben nach Geld oder Wein könnte begraben liegen.

Inzwischen waren die Augen dieser Leute von dem Teufel dermaßen verblendet, daß sie nicht eher nachließen, als bis einer von ihnen, Johann Heinrich Drott, durch Einstürzung eines starken Erdklumpens totgeschlagen wurde. . . . Er war so mit Erde und Kummer verschüttet, daß er erst . . . mit großer Mühe und Arbeit aus dem Loche an Ketten und Stricken hat können gezogen werden.

Der Kadaver wurde auf höhere Verordnung . . . abends, da es Nacht wurde, ohne Sang und Klang an der Kirchhofsmauer begraben, war 52 Jahre alt.“

Genau so erfolglos waren die beiden weiteren Versuche, aus der Sage von den Schätzen unter der Alten Burg Kapital zu schlagen. Im Spätsommer 1770 rückte wieder eine Kolonne Schatzgräber in Nieder-Beerbach an. 20 bis 30 Mann – darunter gelernte Bergleute, wie Pfarrer Scriba im Kirchenbuch vermerkt – arbeiteten täglich bis Pfingsten 1771, bewacht von Soldaten des Landbataillons. Zwei Mauerfragmente, eine gegen die alte Brunnenstube und eine gegen die Kirche, waren die ganze Ausbeute.

1787 versuchte es eine Gruppe Einheimischer. Sie schlugen einen 50 und einen 20 Fuß langen Schacht, fanden aber wie ihre Vorgänger weder Geld noch Gold, nur ein wenig Eisenstein, wie es bei Dr. Esselborn heißt.

Text:
Peter Germann

Quelle:
Dr. Karl Esselborn: „Nieder-Beerbach“ 1921