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Geschichte > Nieder-Beerbach > Die Alte Burg

Stand: 1. Jul 2012

 

 

 


 

Die Alte Burg - „Die åld Bejje“

sagen die Nieder-Beerbacher zu der Gewann oberhalb der Kirche – in der örtlichen Mundart „Bejje“ für Burg mit der Betonung auf der ersten kurzen Silbe (Peter Germann). Der Mundart-Ausdruck ist im Südhessischen Wörterbuch nicht verzeichnet und außerhalb Nieder-Beerbachs nicht bekannt – wer‘s anders weiß, möge das bitte mitteilen.

Westlich der Ortslage Nieder-Beerbach, auf dem Altenburgkopf zwischen der Kirche und dem bewaldeten Hang unterhalb der Burg Frankenstein, befindet sich eine bedeutende Anlage, die einst auch die Kirche mit einschloß. Zu erkennen ist noch der künstlich aufgeworfenen kegelige Sporn, dessen Entstehung auf die Mitte des 11. Jahrhunderts datiert wird.

Der Sporn war wohl an seiner steilsten Stelle geeignet als Standort für einen Wohnturm. Rainer Kunze vermutet, daß der den Sporn umlaufende Weg dem ehemaligen Ringgraben entspricht, der noch im 19. Jahrhundert erwähnt werde.

In jüngerer Zeit neigen manche Historiker dazu, das Beerbachtal unterhalb des Frankensteins als Stammsitz der Grafen von Berbach und derer von Weiterstadt, Eschollbrücken und auch derer von Lützelbach/Breuberg/Frankenstein als deren Erbeserben anzusehen. Die Grafen von Berbach werden nur im 11. und 12. Jh. (letztmals 1174) urkundlich erwähnt; ihre Ausweisung als Grafen des Maingaues ist nicht gesichert.

Nach Kunze erscheint erstmals ein Gerardus comes de Berenbach in einem Dokument von 1108. Er kommt in einer „Arbeitshypothese“ zu der Vermutung, daß die Grafen von Beerbach für zwei Generationen unter dem Namen „Weiterstadt“ auftreten, die von den Breubergern beerbt werden. „Ein Zweig dieser Sippe wiederum macht aus dem Beerbach-Weiterstädter Restbesitz die dann ritterschaftliche Herrschaft ‚Frankenstein‘ . . .“ Die Breuberger starben 1323 im Mannesstamm aus, während die Frankensteiner Seitenlinie bis heute besteht. Die Edlen von Weiterstadt und von Eschollbrücken sind schon im hohen Mittelalter ausgestorben.

Ob es sich bei dieser Burg wie auch bei den beiden weiteren Anlagen im Beerbachtal um befestigte Wohnsitze einer Vorgängersippe der Frankensteiner handelt, vielleicht der Grafen von Berbach, in denen man die karolingischen Maingaugrafen sehen will, kann nach heutigem Kenntnisstand nicht beantwortet werden (Heinz Bormuth).

Nach dieser Hypothese könnten die Alte Burg wie auch das Alte Schloß Vorläuferinnen der nahen Burg Frankenstein gewesen sein.











Text:
Volker Teutschländer

Quellen:
Heinz Bormuth

Peter Germann
Rainer Kunze
(Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße, Band 38, 2005)






Blick von der Augustenhöhe zum Südosthang des Frankensteins.
Die Erhebung hinter der Kirche ist die Alte Burg