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Die Mühlen (5)

Stand: 18. Jun 2013

 

 

 



 

Trotz Kriegen und Zerstörungen: Wohlstand im Tal


Der Wohlstand der Dörfer Nieder-Ramstadt und Traisa gründete sich auf den groß ausgedehnten Handel mit Getreide, Mehl und Backwaren.
Dies drückt sich auch in den identischen Symbolen in den Gerichtssiegeln für Nieder-Ramstadt und Traisa von 1635 aus – wobei die Mühlhaue im Traisaer Hoheitszeichen fehlt, weil (in Ermangelung von Mühlen in Traisa) nur Traisaer Bäcker Mitglied der Nieder-Ramstädter Müller- und Bäckerzunft waren.

Unter der zweiarmigen Mühlhaue sind Brezel und Spitzweck abgebildet, ein Zeichen der überragenden Bedeutung von Müllern und Bäckern in der Dorfgemeinschaft.

Aber schon 1630 hatte der furchtbare Krieg erste Lücken geschlagen. 1622 waren die Mansfeldischen Söldner mordend und brennend im Dorf eingefallen. 1634 hausten die Schweden furchtbar unter der Bevölkerung. Viele Mühlen an der Modau wurden geplündert und zerstört, manche ging für immer unter.

In Nieder-Ramstadt wurden die beiden Bruchmühlen am meisten betroffen. Erst 1667 wurden sie von Landgraf Ludwig VI. an Wendel Treyser, Peter Zehe und Peter Walter als Erbleihe verliehen, nachdem sie an die vierzig Jahre lang verfallen waren und „kein Stein auf dem anderen gewesen". Die Erbleiher mußten sich verpflichten, gegen vorläufige Erlassung der Pacht, die beiden Mühlen auf eigene Kosten wieder aufzubauen.

Der Landgraf, für den die Mühlen eine gute Einnahmequelle bedeuteten, war sehr daran interessiert, daß dieses Gewerbe wieder in Gang kam. Aber noch lange beklagten sich die Müller über schlechte Einnahmen in dem entvölkerten Land, das über 100 Jahre brauchte, um sich von dem schrecklichen Krieg gänzlich zu erholen.

1672 baten die Besitzer der Brückenmühle um einen Pachtnachlaß,


da also das Mahlwerk fast ganz zu grund gehen will, nachdem hiebevor auch an hiesigem Ort in die 136 Mann gewohnt, jetzo aber sich nicht über 30 Mann befinden".


Gut Dreiviertel der Bevölkerung waren dem Krieg zum Opfer gefallen.

Und schon wieder, 1691/93, wüteten die Truppen des Franzosenkönigs Ludwig XIV. im Lande. Noch 1750 berichtete der Schultheiß von Nieder-Ramstadt, daß in der Brückenmühle „seit mir gedenket, 12 Müller waren". Keiner konnte „dabei bestehen, alle sind darinnen verdorben". Nach 100 Jahren zeigten sich noch die verheerenden Nachwirkungen der Kriege.

Der Versuch zur Gründung von Manufakturen an Modau und Mordach

Um 1690, unter Landgraf Ernst Ludwig, gab es in Nieder-Ramstadt noch immer 7 Mühlplätze. Die Quicksmühle hatte sich allerdings zu drei selbständigen Mühlen und die Bruchmühle zu zwei gewandelt, weshalb jetzt zehn Mühlen genannt werden. Sie wurden nicht mehr genossenschaftlich betrieben.

Um 1690, unter Landgraf Ernst Ludwig, gab es in Nieder-Ramstadt noch immer 7 Mühlplätze. Die Quicksmühle hatte sich allerdings zu drei selbständigen Mühlen und die Bruchmühle zu zwei gewandelt, weshalb jetzt zehn Mühlen genannt werden. Sie wurden nicht mehr genossenschaftlich betrieben.

Aus einem Namensverzeichnis der Bauerngüter gehen 59 Hofreiten hervor, davon sind 10 Mühlen:


1) Die Untere Schachenmühle mit zwei Mahlgängen
Besitzer: Jacob Ganß

2) Obere Quicksmühle mit zwei Mahlgängen
Besitzer: Wendel Krug

3) Mittlere Quicksmühle mit einem Mahlgang
Besitzer: Peter Nungeßer

4) Untere Quicksmühle mit einem Mahlgang
Besitzer: Christoph Geyer

5) Brückenmühle mit zwei Mahlgängen
Besitzer: Joh. Gg. Frankenberger

6) Anstaltsmühle mit einem Mahlgang
Besitzer: Peter Luckhaupt

7) Schneckenmühle mit einem Mahlgang
Besitzer: Paul Nungeßer

8) Obere Bruchmühle mit zwei Mahlgängen
Besitzer: Andreas Zeh

9) Untere Bruchmühle mit zwei Mahlgängen
Besitzer: Jacob Richtmeyer

Die Alte Bohlenmühle wird hier nicht genannt. 1688 trat sie Henrich von Bohlen an den Landgrafen ab, der hier eine Glasschleifmühle errichten wollte. Bohlen erbaute die elfte Mühle, die „Neue Bohlenmühle".

Auf einem weiteren Mühlplatz entsteht um 1695 eine andere Mühle, die Papiermühle, deren erster Pächter Valentin Schreyer war. Landgraf Ernst Ludwig, ein starker Förderer der Gewerbe, hatte sie am Beginn des engen Taleinschnittes unterhalb der Kohlberge anlegen lassen.

Um die gleiche Zeit betrieb er den Aufbau der Glashüttenmühle auf der „Scheuerwiese" im Mordachtal. Eine Hälfte der Alten Bohlenmühle (die spätere Schleifmühle) ließ er zu einem Spiegelschleifwerk ausbauen und verpachtete die andere Hälfte als Mahlmühle an Johann Georg Frankenberger.

Schon 1705 ging dieses groß angelegte Unternehmen, Glashütte mit Schleifwerk, wegen vielfältiger Widrigkeiten wieder ein. Beide Mühlen wurden zu Mahlmühlen umgebaut. Inzwischen wurde 1703 von Peter Zeh die oberste Mordachmühle und um 1707 von Wilhelm Braun die letzte Mahlmühle in der Mordach, die spätere „Frankenbergersmühle", errichtet.

Wiederum liefert uns ein Verzeichnis der Pfungstädter Zent von 1742/43 die Namen der Betreiber der inzwischen auf 16 angewachsenen Wassermühlen in der Nieder-Ramstädter Gemarkung:


1) Untere Schachenmühle Johann Adam Krug
2) Obere Quicksmühle Wendel Krug
3) Mittlere Quicksmühle Johann Peter Nungeßer Erben
4) Untere Quicksmühle Nicolaus Frankenberger
5) Brückenmühle „ist eigen
6) Schneckenmühle Daniel Spengler
7) Luckhauptische (Anstalts-) Mühle Luckhauptische Witib
8) Obere Bruchmühle Jakob Krug
9) Untere Bruchmühle Johann Wiemer
10) Papiermühle Johann Heinrich Illig, „ist herrschaftlich in Erbbestand"
11) Schleifmühl Johann Dieter, „ist herrschaftlich in Erbbestand"
12) Alte Bohlenmühle Johann Albert Bayer, „ist herrschaftlich in Erbbestand"
13) Mordachmühle Johann Jacob Zehn, „ist eigen"
14) Glashüttenmühl Carl Breitwieser, „ist herrschaftlich in Erbbestand"
15) Braunische Mühl Ludwig Braun Wtw., „ist eigen"
16) Neue Bohlenmühl Christoph Spengler, „ist herrschaftlich in Erbbestand"

Fünf Mühlen gehörten also dem Landgrafen, der sie in Erbpacht verpachtete. Drei Mühlen waren in privater Hand, also Eigentumsmühlen, die restlichen acht haben ebenfalls Privatbesitzer, standen aber offenbar in einem bestimmten Abhängigkeitsverhältnis zum Landesherren. Wahrscheinlich waren sie mit dem „Wasserfall" beerblehnt, aber mit der Mühle selbst abgabenfrei.

Erstaunlich ist, daß alle diese Mühlen trotz ständiger Kriegszeit bestehen konnten. Neue kamen sogar hinzu. Viel Kriegsvolk wollte viel essen. Getreide war noch das Hauptnahrungsmittel.

Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz






Landgraf Ernst Ludwig von Hessen (1667-1739), Förderer der Mühlenwirtschaft, die für ihn eine lukrative Einnahmequelle war
(Gemälde von Johann Christian Fiedler im Schloßmuseum Darmstadt)



Die Symbole in den Wappen und Hoheitszeichen beschreiben „amtlich“, was Arbeit und Brot den einen, anderen sogar einen bedeutenden Wohlstand brachte.



Das Wappen der Gemeinde Mühltal mit Mühlrad und Brezel als Symbole des ehemals bedeutenden Müller- und Bäckerhandwerks im Mühltal.



Die älteste Darstellung dieser Zeichen findet sich im Siegel auf einer Urkunde der Gemeinde Nieder-Ramstadt aus dem Jahr 1635. Aus dem gleichen Jahr stammt das nahezu identische Siegel Traisas, in dem logischerweise die Haue als Symbol für das Müllerhandwerk fehlt, weil Fließgewässer zur Nutzung der Wasserkraft in Traisa fehlen.