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Die Mühlen

Stand: 10. Okt 2012

 

 

 


 

Die Waschenbacher Mühle

1383
Die Geschichte der Waschenbacher Mühle ist eng mit der Geschichte des Dorfes verbunden. Die Mühle dürfte so alt sein wie Waschenbach selbst.

1403
Die Mühle auf dem Waschenbach wird erstmals urkundlich erwähnt: Das im Ort ansässige niedere Adelsgeschlecht der Bache von Waschenbach wird als Besitzer der Mühle genannt. Sie dürften auch die Erbauer der Mühle gewesen sein und zugleich einen Fronhof errichtet und ihn mit leibeigenen Bauern bewirtschaftet haben.

Obwohl Belege darüber fehlen, so ist doch mit größter Sicherheit anzunehmen, daß die Waschenbacher Bauern auf die Mühle „gebannt“ waren, d.h. sie konnten nur dort ihr Getreide lassen. Anders hätte die Mühle gar nicht bestehen können, „weil ein Zuzug von Mahlgästen aus Nieder-Ramstadt ganz undenkbar ist, weil dort schon sehr viele und leistungsfähigere Mühlen seit den frühesten Zeiten bestanden haben.“ (Rudolf Kunz, Darmstädter Echo, 22.9.1966)

1489
Das Adelsgeschlecht der Bache von Waschenbach stirbt aus. Wem die Mühle mit einem der inzwischen vier Höfen zufiel, ist nicht mehr auszumachen.

1580
Belegt ist lediglich, daß das Domkapitel zu Mainz und Johann Philipp on Groenroth die Mühle und das Gut an den hessisch-darmstädtischen Kanzler Johannes Kleinschmitt verkauften. 150 Jahre blieb die Mühle im Besitz der Marburger Linie dieser Familie.

Die Mühle war „frei“, also nicht wie die meisten Mühlen vom Landesherrn in Erbleihe gegeben. Sie hatte also auch keine Abgaben an den Landesherrn zu entrichten.

1617 / 1618
Hans Bender, ein früheres Mitglied der Nieder-Ramstädter Müller- und Bäckerzunft, wird Erbbestandsmüller, der die Mühle in Erbpacht betrieb.

1619 Bender soll mit 5 Gulden bestraft werden,

da er in einer Wochen zwey Mal mit Meel nach Frankfurt gefahren“

und damit gegen die Zunftordnung verstoßen habe. Bender wehrt sich dagegen, da er die Zunft verlassen hat und Waschenbach der Nieder-Ramstädter Zunft nicht angehört.

1629
In einer Beschreibung des Amtes heißt es:

Zu Waschenbach hat es eine Mahlmühl mit einem Gang gehabt, so den Kleinschmidtschen Erben pachtbar, ist aber bei weniger Zeit in Abgang gekommen.“

1630
In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ist die Mühle „in Abgang“ gekommen:

Es hat ein mühl derorth gehabt, so jährlich den kleinschmidtschen erben 5 Malter Korn und 5 cappaun und 1 hun gegeben, ist aber in abgang kommen.“

Wann die Mühle wieder aufgebaut wurde, ist nicht bekannt, Rudolf Kunz (a.a.O.) vermutet nicht vor 1660.

1702
sitzt ein Sebastian Götz auf der Mühle, der mit der Müllerstochter Krug aus Nieder-Ramstadt verheiratet war.

1725
kauft Johann Moritz Friedrich von Wallbrunn zu Ernsthofen, fürstlicher Rat und Oberamtmann, ein Nachfahre der Herren von Ramstadt, für 300 Gulden, die 1728

adliche Freymühle zwischen Nieder-Ramstadt und Waschenbach, womit derselbe den Müller Johann Adam Götz zu Waschenbach und dessen Ehefrau Anna Elisabeth beerblehnt hat“.

Götz ist der Sohn des Sebastian Götz,der seit 1702 auf der Mühle sitzt.

Wallbrunn gibt also den Besitz und zwei Morgen Ackerland dem früheren Pächter Götz zur Erbleihe. Der Erbzins beträgt jährlich 10 Malter Korn, 6 junge Hähne und 1 Schwein,

welches ihnen mager in die mühl geliefert werden soll, vor mich fett machen“.

1731
Wallbrunns Geldnöte führen zu einem Konkursverfahren, in dem dem Darmstädter Schutzjuden Amschel Lazarus die Mühle zugesprochen wird. Lazarus sah sich sogleich nach einem zahlungskräftigen Nachfolger um und fand ihn:

1735
Das Fürstliche Waisenhaus in Darmstadt erwirbt die Mühle für 950 Gulden – daher auch die Bezeichnung Waisenhaus- oder Waisenmühle bis in die jüngere Vergangenheit.

1739
kehrt Johann Adam Götz zum dritten Mal als Müller in die Mühle zurück. Sie wird ihm vom Waisenhaus erneut als Erbleihe übertragen.

1749
wird der Müller Johannes Dieter genannt.

1781
erwirbt Dieter die Erlaubnis, auf dem Waschenbach eine Ölmühle zu errichten. Sie war 1829 noch immer nicht gebaut, obwohl Dieter treu und brav den jährlichen Pachtzins entrichtete. Ursache für das Scheitern war das Recht der Bauern, neun Monate im Jahr ihre Wiesen zu bewässern. Der kleine Waschenbach reichte damit einfach nicht mehr als Energiespender aus.

1793 / 1795
Nach Johannes Dieters Tod erscheint Martin Dieter als Müller, zwei Jahre später aber wieder Johannes Dieter, der Miterbe ist. Eigentümerin ist nach wie vor das Waisenhaus.

1796
Jakob Bogen (/1797 – 1801) hat die Mühle gemalt mit einem Blick das Waschenbachtal abwärts bis zum Kirchturm des Kirchspiels Nieder-Ramstadt, zu dem ja auch Waschenbach gehört. Das Aquarell befindet sich in der Graphischen Abteilung des Landesmuseums Darmstadt.

1800
Aber auch diesmal sollte er nicht lange in der Mühle bleiben. Schon kurze Zeit später ging die Mühle in den Besitz des Müllers Adam Müller, dessen Nachkommen noch heute (2009) die Mühle besitzen. Durch einen tragischen Umstand löste sich damals der Mühlstein und begrub den Müller Dieter unter sich.

1828
Das Hypothekenbuch vermerkt, daß die Erben des bei einem Brand in der Waschenbacher Mühle umgekommenen Salomon Geyer, ledig, 140 fl aufnehmen,

zur Zahlung der Curations- und Abwartungskosten des verstorbenen Salomon Geyer“.

1830
kommt Sohn Johann Nikolaus Müller durch ein tragisches Unglück, bei dem sich ein Mühlstein löst, ums Leben.

1839
Der letzte Erbleihbrief für die Waisenhausmühle wird ausgestellt, und zwar auf Andreas Müller und Ehefrau.

1854
Der Erbpachtzins an die Landeswaisenanstalt beträgt 42 fl und 15 ½ Xr.

Das Großherzogliche Kreisamt fragt an, ob Andreas Müller die Güter nicht in freies Eigentum übernehmen will. Müller ist zurückhaltend und will wissen, mit welchen Kosten diese Allodifizierung verbunden sei.

1874
Müllers Witwe beantragt die Allodifizierung der Mühle, die im folgenden Jahr genehmigt wird. Die seitherige Grundrente betrug 7 Malter, 1 Gescheid, 1 Maß Korn und 3 fl, 30 Xr und 14 fl, 36 ¾ Xr. Die Ablösesumme soll noch festgelegt werden.

1884
Die Ortsakten nennen letztmals Andreas Müller I. Witwe bei einer Pferdemusterung, wobei sie 2 Pferde angibt.

1945
Bei einem Überfall marodierender Polen wird der Eigentümer der Hofreite ermordet.

Inzwischen ist der alte Mühlplatz als solcher kaum noch zu erkennen.

Die Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer




Nur aus der Ferne, hier vom Klosberg, scheint die idyllisch gelegene Waschenbacher Mühle ihren ursprünglichen baulichen Charakter bewahrt zu haben (Foto 1996).
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Gemälde von Johann Jacob Bogen (1796), Hess. Landesmuseum Darmstadt
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Im Hintergrund, das Waschenbachtal abwärts bis Nieder-Ramstadt, überragt vom Turm der Kirche, die auch Waschenbachs Kirche ist. Dazwischen ein Gehöft, in dem später die Pinkmühle entstanden sein könnte.


Das Bild zeigt die Ansicht einer alten Odenwälder Mühle, wie sie in der Landschaft häufig anzutreffen war. Die Mühle besaß ein oberschlächtiges Mühlrad, d.h. das Wasser floß aus dem Mühlgraben durch eine Holzrinne von oben auf die Radschaufeln. Den Mühlgraben bildete eine künstlich geschaffene Zuleitung für Wasser aus dem Waschenbach, wobei der Zulauf reguliert werden konnte. Dazu war ein Wehr eingebaut, aus dem wegen des hohen Wasserstandes ein Teil des Wasser schon vor der Mühle wieder dem Waschenbach zugeleitet wurde.“
(Rudolf Kunz)