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Die Mühlen

Stand: 22. Aug 2012

 

 

 


 

Die Schneckenmühle

1456
Die „Kleine Mühle auf der Waschenbach“; wird erstmals urkundlich erwähnt. Sie hat einen Mahlgang und zahlt statt der üblichen 10 Malter Kornpacht nur 2 Malter, offenbar nur den Wasserfallzins. Sie befindet sich vermutlich im Privatbesitz, gehört also nicht dem Landesherrn. Klein war wohl auch das Antriebsgetriebe, nicht zuletzt wegen der geringen Wasserkraft des Waschenbachs. Daher der spätere Name Schneckenmühle wegen der Arbeit der Mühle im Schneckentempo.

1629
In einer Beschreibung des Amtes Darmstadt heißt es:

Die Mühl uf der Waschenbach hat einen Gang, steht Cloß Fischers Erben zu“

Cloß Fischer war der Pächter der nahen Anstaltsmühle.

1741
Müller Johann Daniel Spengler stellt Antrag auf Genehmigung zur Errichtung einer Ölmühle. Das dürfte ihm nicht gelungen sein, denn schon zwei Jahre später wird ein anderer Besitzer genannt.

1760
ist Georg Luckhaupt Besitzer der Schneckenmühle. Er stellt ein Gesuch

um Befreyung vom Frohngeld“

Ob es gewährt wurde ist nicht verzeichnet.

1827
Das Brandkataster veranschlagt den Wert der Gebäude mit 3780 fl.

1829
Im Flurbuch heißt es:

Die Schneckenmühl hat einen Mahl- und einen Schälgang, wird von einem Rad getrieben...“

1872
Nach dem Hypothekenbuch der Gemeinde hat Schneckenmüller Krug eine Hypothek von 11250 fl aufgenommen. Der Wert von Hofreite und Mühle ist mit 10580 fl eingetragen. Offenbar hat Krug seine Mühle modernisieren wollen.

1879
Schon vier Jahre später taucht mit Heinrich Breitwieser II ein neuer Besitzer auf. Hatte sich Krug überschuldet?

1880
Aber auch Müller Breitwieser muß Kredite aufnehmen. Es ist die Zeit der neuen Konkurrenz durch die industriellen Großmühlen, die in den nächsten Jahrzehnten zum Ende der jahrhundertelangen erfolgreichen wirtschaftlichen Nutzung der Wasserkraft führen wird.

1888
Die Gebäude werden wie folgt beschrieben: Wohnhaus und Mühle zweistöckig, Mühlwerk darin, Stallung an der Mühle, Torbau, Scheuer, Stallung und Schoppen, Spreukammer, Schweineställe, Hühnerstall.

1984
Vor dem Umbau der Mühle fotografierte der Autor auf der Rückseite der Schneckenmühle noch einen separat stehenden hohen Schornstein. Offenbar hat Müller Breitwieser seine Mühle noch mit einer Dampfmaschine betrieben. Die Hypothek diente offenbar zu deren Anschaffung.

Das Mühlengrundstück hat nach seinem letzten Umbau zu Wohnzwecken seinen ursprünglichen Charakter erhalten. Die Besitzer sind für ihre denkmalgerechte Bewahrung zu beglückwünschen. Für andere Mühlenstandorte im Mühltal hätte man sich ähnliche Sensibilität gewünscht.

Die Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer






Auch modernere Technik konnte das Ende der 600jährigen Geschichte der Mühltaler Wassermühlen nicht verhindern.





Luftaufnahmen von zwei „Lebensphasen“ der Schneckenmühle:
Oben das noch vollständige Geviert eines Mühlenhofes, unten nach dem Umbau. Der ursprüngliche Charakter der Mühlen-Hofreite konnte nach Kräften für die Atmosphäre der Wohnanlage „herübergerettet“ werden – eine der wenigen Ausnahmen Nieder-Ramstadt.



Blick in den ehemaligen Mühlenhof