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Die Mühlen

Stand: 22. Aug 2012

 

 

 


 

Die Unterste Schachenmühle

1506
Die Unterste Schachenmühle wird erst 1506 in einem Dokument über Korn-Abgaben erstmals aufgeführt. Sie ist die jüngste der vier Schachenmühlen, wenn man davon absieht, daß die unmittelbare Nachbarin erst später durch Teilung ein eigener wirtschaftlicher Betrieb wurde.

1601
Hundert Jahre bezeugt ein Verzeichnis „der im Amt pachtbaren Mühlen“ die Neumühl mit zwei Gängen, die je Mahlgang einen Jagdhund für die zweifelhaften Vergnügungen des Landesherrn zu halten hatte.

1621
Wie die anderen Schachenmühlen ist auch die Neumühl zum Markt in Darmstadt gebannt, sie muß also ihr Mehl in der Residenz feilbieten.

1629
In einer Amtsbeschreibung aus dieser Zeit heißt es: Die Neumühl hat zwei Gänge, steht Peter Lückhaupt und Consorten zu“. Die Consorten sind mehrere Bäcker, die sich mit dem Müller zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen haben.

1673
Es folgte die schlimme Zeit des Dreißigjährigen Krieges, von dessen Auswirkungen auf die Neumühl keine Unterlagen aufzufinden sind. Erst 1673 ist dokumentiert, daß Landgraf Ludwig die Mühle vom Darmstädter Mehlbann befreite – vermutlich war die Mühle im Krieg zerstört worden

1694 – 1698
Während Peter Luckhaupt offenbar ein Berufsleben lang die Mühle besaß, bleibt Paul Nungesser nur vier Jahre, Jacob Ganß aber 44 Jahre auf der Mühle.

1742
Ihm folgt ab 1742 fast 100 Jahre lang eine ganze Dynastie namens Krug. Sie waren offenbar umtriebige Unternehmer, nahmen wiederholt Kredite auf und modernisierten damit ihren Betrieb.

1827
Müller Krug hat seine Mühle in den letzten Jahren offenbar erweitert und modernisiert. Im Brandkataster wird der Wert seines Anwesens mit 12200 Gulden angegeben, darunter
 

Mühlengebäude 7000 fl, Schopfen und Waschhaus 3000 fl, Backhaus 100 fl, Scheuer 200 fl, Schweinsställ 100 fl. 

Die Müller auf den oberliegenden Schachenmühlen beschweren sich über Müller Wilhelm Krug von der Untersten Schachenmühle, er habe seinen Fachbaum (die Wehrkrone) zu hoch angelegt.

1835
Thomas Spengler von der neuen Bohlenmühle wird neuer Besitzer der Mühle, die „Dynastie“ der Krug ist zu Ende.
 

Die Schachenmühle hat 2 Mahl- und 2 Schälgang, wird von 2 Rädern getrieben. Gibt 14 mtr. Korn, 37 fl, 46 Kr, 2 Pfennig Zins und 1 Rauchhuhn der Herrschaft.“

1856 / 1878
Im Brandkataster ist jetzt Johann Ludwig Spengler als Eigentümer eingetragen, verheiratet mit Anna Katharina Breitwieser von der Obersten Schachenmühle.

1883
Auch sein Nachfahre, Justus Gustav Spengler, heiratet eine Breitwieser aus der Obersten Schachenmühle – wie überhaupt in der Mühltaler Mühlengeschichte auffallend viele Ehen zwischen den Familien auf den heimischen Mühlen geschlossen wurden.

1890
Die Eheleute nehmen eine hohe Hypothek von 28000 Mark auf. Noch einmal will der Müller seine Mühle modernisieren, um gegen die Konkurrenz der neuen Großmühlen anzugehen. Der Wert der Hofreite und Mühle wird mit 32000 Mark angegeben.

1892
Nieder-Ramstadt trifft ein harter Schlag, als einige Personen von Typhus befallen wurden, vornehmlich Anlieger an der Modau. Eine Gesundheitskommission stellt fest, daß noch immer Abortabwässer in die Modau eingeleitet werden – auch auf der Mühle von Gustav Spengler, wo dies noch im gleichen Monat abgestellt wird.

1910
Spengler hat inzwischen offenbar Verkaufsabsichten und läßt sein unbewegliches Vermögen taxieren: Mühle und Hofreite sind 24808 Mark wert, alles zusammen mit Feldern 46416 Mark.

1923 / 1927
1923 verkauft der letzte Müller auf der Untersten Schachenmühle tatsächlich, die Mühle wird stillgelegt. Der neue Eigentümer betreibt lt. Adreßbuch von 1927 ein „Conventionsbureau“ in Darmstadt und eine „Mühlenhof-Verwaltungs-GmbH“ in Nieder-Ramstadt

1939
Die Eheleute Willi und Maria Kammesheid erwerben die Hofreite mit allen landwirtschaftlich genutzten Flächen in den Gemarkungen Nieder-Ramstadt, Traisa und Ober-Ramstadt sowie der Wasser- und Fischereirechte zum Preis von 30 000 RM, dazu die Turbinenanlage zur Erzeugung elektrischer Kraft mit Zubehör für weitere 4 000 RM.

1961
Der Mühlenhof wird auch in amtlichen Dokumenten häufig als „Wiesenmühle“ bezeichnet. Der Mühlgraben vom Stettbach-Floß bei Ober-Ramstadt bis zur Einmündung in die Modau unterhalb der Wiesenmühle wird auch amtlich zumeist „Schachenmühlenbach“ geheißen.

Er wird seit Jahren nicht mehr genutzt und ist deshalb längst versandet. Die Wasserrechts-Inhaber verzichten auf das Recht, Triebwerke antreiben zu lassen, so daß die Behörde auf deren Antrag das Verfüllen des künstlichen Wasserlaufes anordnet. Dennoch muß eigens das Fischereirecht abgelöst werden.

~ 1970
Die Gebäudeteile, die an das ehemalige Mühlengehöft erinnerten, sind fast vollständig entfernt – auch noch zu einer Zeit, als unbedeutendere Objekte unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Die Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer






Die Wasserkraft der Modau mußten sich die Waldmühle und die vier Schachenmühlen teilen, sich über die Nutzung vereinbaren und den gemeinsamen Mühlbach unterhalten. Ein nicht immer reibungsloses Miteinander!

Auf der Skizze links (Norden) der Mühlgraben („Schachenmühlenbach“)



Noch (2011) ist ein Rest von Baulichkeiten des Mühlgrabens an der ehe. Einmündung zumindest außerhalb der Vegetationszeit zu erkennen




Der mühlentypische Torbogen an der Einfahrt zur Untersten Schachenmühle
(etwa 1970)



Ansicht der Eingangspartie aus der Gegenrichtung,
Federzeichnung eines unbekannten Künstlers.
(falls mit dieser Veröffentlichung Urheberrechte berührt werden wird um frdl. Nachricht gebeten)



Einblick in den Mühlenhof, vorn rechts das Vorgärtchen, eingefaßt mit ausgedienten Mühlsteinen



Kein Stein steht mehr auf dem anderen von dem stattlichen Gehöft der Untersten Schachenmühle, Aufnahme von Weihnachten 1950. Der große Gebäudekomplex läßt die ehemalige Bedeutung des Mühlenbetriebes ahnen.
Im Hintergrund der Anstieg des Kaiserberges.




Neben dem Haupthaus ist gut der flachere Anbau des Wasserhauses zu erkennen, in dem der Mühlbach die Wasserräder des Mühlengetriebes antrieben.
Im Hintergrund der Lohberg.

Die Mühle tief im Tal
gesehen vom Lohberg gegen den Kaiserberg



Vom Kaiserberg gegen den Lohberghang zur Ortslage



Wenig ausdrucksvoll die Nachfolgebauten des ehem. Mühlenhofes