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Die Mühlen

Stand: 23. Aug 2012

 

 

 


 

Die Oberste Schachenmühle

1553
Mindestens seit mehr als 450 Jahren besteht die oberste der vier Schachenmühlen auf der Modau: Die älteste vorhandene Urkunde belegt, daß dem Hans Schmidt von Nieder-Ramstadt der fürstliche Wasserfall zum Bau einer Metall-Schleifmühle verliehen wurde.

Von den vier Schachenmühlen gehören seit dem 30jährigen Krieg die oberen drei zur Gemarkung Ober-Ramstadt. Ein Anlaß für die Grenzänderung ist nicht überliefert. Stets gehörten aber alle Schachenmühlen zur Müller- und Bäckerzunft Nieder-Ramstadt.

1669
Am 19. April 1669 wurde morgens um 7 Uhr die 85jährige Witwe Anna Gans in der Obersten Schachenmühle von einem Müllerknecht aus Österreich, der dem Hans Nungesser in Traisa zwei Jahre lang gedient hatte, ermordet. Der Mörder entschwand mit 90 Gulden.

1696 / 1698
Nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wird die Schleifmühle als Mahlmühle neu aufgebaut, aber noch zwei Jahre später wird ein Schleifmüller Conrad Jung genannt.

1722
Müller Johann Wendel Häuser erhält zwar ein Pachtnachlaß bis zur nächsten Ernte, die fürstlichen Kammerräte haben aber wohl der Zahlungsmoral des Müllers nicht so recht getraut. Sie weisen deshalb den Lichtenberger Rentmeister (das damalige „Finanzamt“ des Landgrafen) an, dem Müller Häuser zu versagen, seine Ernte 1723 selbst einzubringen und zu dreschen. Vielmehr soll das Rentamt eigene Leute beauftragen, das an Häusers Stelle zu tun, um sogleich Pacht und Rente einzubehalten.

Weilen aber die Pfacht auf der Mühl haftet, so muß sich auch an den Eigentümer und nicht an die liederlichen Beständer gehalten werden, folglich hat er vor dem Pfacht zu stehen und sich an denen Beständer zu regressieren.“

heißt es in einer Akte des Landesherrn von 1747.

1722-1826
In diesen hundert Jahren hat es zahlreiche Eigentümerwechsel gegeben, bis schließlich 1826 die Müllerfamilie Breitwieser die Mühle übernahm.

1867
Wilhelm Breitwiesers Witwe läßt die alte Mühle abbrechen und eine neue mit 2 Mahlgängen errichten.

1871
In der wirtschaftlichen Blütezeit nach dem deutsch-französischen Krieg und der Reichsgründung wird die Odenwaldbahn gebaut, zunächst von Darmstadt über Nieder-Ramstadt/Traisa nach Ober-Ramstadt. An den Schachenmühlen wird unter Einsatz von Arbeitskräften aus Italien ein gewaltiger Damm aus Granitsteinen errichtet mit zwei Durchgängen zum Mittelbachtal und zum Buchwald - insgesamt ein Zeugnis italienischer Bergbahnbauer- und Steinmetzkunst.

1900
Um 1900 kaufen die Fabrikanten Wacker und Dörr die „Breitwiesersmühle“, um auf deren Gelände eine Fabrik für Hartgummiteile zu errichten. Die Firma Wacker und Dörr nutzt noch über viele Jahre intensiv die Wasserkraft aus dem gemeinsamen Mühlgraben für die Ober-Ramstädter Waldmühle und die vier Schachenmühlen. Der Industriebetrieb entwickelt sich zu einem wichtigen Arbeitgeber im Modautal und darüber hinaus.

Die Fabrikationsanlagen von Wacker und Dörr kamen großenteils auf Ober-Ramstädter Gebiet zu liegen, nicht aber das Verwaltungsgebäude als Sitz des Unternehmens – sehr zum Wohlgefallen des gemeindlichen Steuersäckels in Nieder-Ramstadt.

Peter Dörr, ein Verwandter des Fabrikanten, übernimmt als Verwalter das Mühlengrundstück und betreibt zwar die Landwirtschaft, nicht aber mehr die Mühle. Sie wird stillgelegt.

Der Mühlplatz, also die sehr stattliche landwirtschaftliche Hofreite, geht in das Eigentum der Familie Plickat über. Die Fabrik Wacker und Dörr besteht nicht mehr. In ihren ehemaligen Funktionsräumen sowie in Erweiterungen, vor allem um moderne Wohngebäude, besteht die „Wackerfabrik“ als Handwerkerhof, Künstlerwerkstätten, Auch das landwirtschaftliche Gehöft wird verkauft und zur Wohnanlage umgebaut..

 

Die Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer





Industrieanlage Wacker und Dörr, entstanden 1900 auf dem Gelände der Obersten Schachenmühle
(Aufnahme etwa 1955)




Das Innere des Mühlenhofes der obersten Schachenmühle, wie es ähnlich noch zur Zeit des aktiven Mühlenbetriebes aussah
(Aufnahme etwa 1955)



Die beiden oberen Schachenmühlen unterhalb des Dammes für die Odenwaldbahn
(Aufnahme etwa 1960)



Von den 4 Schachenmühlen
sind auf der Luftaufname 3 zu sehen, vor allem die Werksgebäude des Gewerbebetriebes, der – wie in anderen Mühlen auch – während des Niederganges der Mühlenwirtschaft in die Mühlenhofreiten einzog. Auf diese Weise konnten zahlreiche Gewerbestandorte im Mühltal erhalten werden.




Zwei Einblicke in historische wassergetriebene Metallschleifwerkstätten, Als solche ist die Oberste Schachenmühle schon 1553 urkundlich belegt..