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Die Mühlen

Stand: 21. Aug 2012

 

 

 


 

Die Obere Quicksmühle

1303 / 1315 / 1326
Die ersten beiden Nieder-Ramstädter Mühlen werden schon vor mehr als 700 Jahren genannt:

Neben der Oberen mittleren Schachenmühle war das die Obere Quicksmühle. Sie werden in einem Dokument genannt, nach dem sie Abgaben an Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen zu entrichten hatten. Zwei weitere im 14. Jahrhundert datierte Urkunden mit gleichem Inhalt sind vorhanden.

1344
Gerung Scheubechers Sohn aus Pfungstadt war offenbar Eigentümer der Mühle, denn er verpflichtet sich, dem Sohn des Grafen Wilhelm I. „von der Mühle zu Niederramstadt, sie werde verbrannt oder nicht, jährlich 10 Malter Korngülte zu geben und sie ihm nach Dornberg oder Zwingenberg zu liefern.

1360
Müller auf der Mühle war aber nach einer Katzenelnbogener Urkunde ein anderer, nämlich Heinrich Quicke, der bis auf den heutigen Tag den drei Mühlen den Namen gibt.

1401
Dann werden auch die beiden Nieder-Ramstädter Mühlen genauer bezeichnet:

10 Malter Korn von der oberen molen zu Niddern-Ramstadt, 36 Malter von der niddern molen zu Niddern-Ramstadt“

Die hohe Abgabenbelastung beweist die Leistungsfähigkeit Quicksmühle. Sie hatte bereits 4 Mahlgänge, wobei einer noch neu ist und noch nicht voll belastet werden kann.

1472
D
ie Abgabeverpflichtung an den Landesherrn wird auf 22 Malter verringert. War ein Unglück geschehen? Hochwasser, Schadenfeuer, Kriegsfehden oder Bruch des Mahlgeschirrs waren die Schrecken eines jeden Müllers.

1493
Es gibt erste Anzeichen, daß Müller und Bäcker in Nieder-Ramstadt Handelsgesellschaften betreiben.

Philipp Lutz und seine Mitgesellen, die Becker zu Niederrampstat“ kaufen in Gernsheim 223 Malter landgräflichen Spelz zu Handelszwecken für 200 Pfund Heller, 10 Schillinge und 3 Pfennige.

1568
Aus der Quicksmühle sind drei selbständige Mühlen entstanden, die Obere und Mittlere nach wie vor im Besitz der Sippe Quick.

1570
Landgraf Georg I. verleiht den Bäckern und Müllern aus Nieder-Ramstadt und Traisa den ersten Zunftbrief, der große Vorteile beim Vertrieb ihrer Erzeugnisse auf den Märkten in der Landgrafschaft mit sich bringt.

1678
Der Landgraf befiehlt, die Mühle öffentlich versteigern zu lassen, um rückständigen Pachtzins zu erlangen. Müller Krug erwirkt einen weiteren Aufschub, weil

sich bei dem schlechten Nahrungsverdienst bei dem Mühlwesen gar kein Käufer finden wird.“

1684
Müller Krug klagt wieder, daß er

bey kahlen Suppen und trockenem Brod“

seinem Mühlengewerbe nachgehen müsse.

1784
Auch hundert Jahre später klagt ein weiteres Mitglied der Familie Krug als Besitzer und stellt ein Gesuch um Pachtnachlaß, da die Mühle

um eben mit so vielen nahe ausgebauten und ¼ bis ½ Stund angelegenen Mühlen, bald überschwemmt wird und bald ertrocknet, und so fast nur noch dem Namen nach eine Mühle ist.“

1829
Im Brandkataster ist der Wert der Mühle unter ihrem neuen Eigentümer Jacob Zeh immerhin mit 11150 Gulden angegeben.

1843 / 1845
Und unter ihm gehen die Geschäfte offenbar so gut, daß er laut Hypothekenbuch der Gemeinde 900 Gulden an einen heimischen Schneidermeister verleihen kann, seine Witwe zwei Jahre später 1200 an einen anderen Schuldner.

1866
Ein Nachfahre, Ludwig Zeh, ist genau so tüchtig und baut die Mühle kontinuierlich aus. Ihm gehört mittlerweile auch die Mittlere Quicksmühle, baut Mühlenhaus und Wohnhaus zweistöckig mit Kniestock aus und errichtet ein Maschinenhaus für eine Dampfmaschine.

1890
Im Adreßbuch steht: „Zeh Ludwig II., Traisaer Gasse 47 (mit neuer Einrichtung von Walzenstühlen)“. Sicherlich die ersten Walzenstühle in Nieder-Ramstadt.

1892
Zwei Jahre später trifft Müller Zeh ein harter Schlag: Im Juni bricht in Nieder-Ramstadt Typhus aus. Im August sind es schon 29 Fälle im Dorf. Auch Zeh ist erkrankt. Als Ursache wird verseuchtes Wasser aus Brunnen, dem Mühlgraben und der Modau vermutet. Zeh baut eine eigene Wasserleitung von einer Quelle im Mittelbachtal zu seiner Mühle. Die erste Wasserleitung in Nieder-Ramstadt.

1908
Nach dem Tod von Ludwig Zeh II. verkauft seine Witwe die gesamten Hofreiten der oberen und mittleren Quicksmühle an Max Richter, der eine Celluloidwarenfabrik einrichtet. Er nutzt noch lange die Wasserkraft und auch die Kraft einer Dampflokomobile.

1914/18
In der Quicksmühle werden Granathülsen gedreht.

1927
Großfeuer in der Celluloidwarenfabrik! Noch lange Zeit zeigen Postkarten das Notdach des mittleren Mühlenbaues.

1937
Als erstes Unternehmen in der Welt stellt die Max Richter KG Haushaltsartikel unter der Marke „Vitri“ im Spritzgußverfahren her.

1958
Das Unternehmen bezieht neue Produktionsräume in der Rheinstraße. Die Obere Quicksmühle dient seitdem Wohnzwecken.

Die Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer






Zwei Mühlen in einem Gebäudeblock: links die Obere, rechts die Mittlere Quicksmühle.)



Walzenhochmühle (aus Mayers Konversationslexikon 1908)
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Transport des Dampfkessels in der Fa. Richter mittels Hand- und Hebelkraft



Postkarten zeigen die Mittlere Quicksmühle nach dem Brand von 1927 noch ohne Dachstuhl



Die Obere und die Mittlere Quicksmühle
sind zu Mehrfamilien-Wohnhäusern umgebaut (Aufnahme: 1965)