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Die Mühlen

Stand: 27. Aug 2012

 

 

 


 

Die Mühlen auf der Mordach

Die Mordach ist der Unterlauf des Beerbachs – oder umgekehrt: Der Oberlauf der Mordach ist der Beerbach. Das fleißige Bächlein hat in Nieder-Beerbach als Beerbach schon vier große Mühlen angetrieben, wenn es die Gemarkungen Nieder-Ramstadt und Eberstadt erreicht. Die Mordach zeichnet die Grenze beider Gemarkungen und damit auch der Gemeindegebiete von Mühltal und Darmstadt.

Amtlich wurden einst die drei obersten Mühlen auf der Mordach „Mordachmühlen“ genannt, wobei Mühlennamen ja nur selten langen Bestand hatten. Diese drei „Mordachmühlen“ wurden lange Zeit von bekannten Nieder-Ramstädter Müllersippen geführt, reichen „Bachprinzen“, deren Namen während der siebenhundertjährigen Mühltaler Mühlengeschichte auf verschiedenen Mühlen wiederkehren.


Skizze: Volker Teutschländer

Die „Hessischen Neuesten Nachrichten/Darmstädter Tagblatt“ schildern in ihrer Sonntagsausgabe vom 7.11.1937 die Geschichte der Mühlen auf der Mordach. Adam Breitwieser (Nieder-Beerbach) besitzt den Ausschnitt, den ihm Käthe und Lieselotte Krämer von der Nieder-Beerbacher Waldmühle („Krämersmühle“) zur Verfügung gestellt haben. Darin heißt es:

„ . . . hier [am Kühlen Grund, an der Einmündung des Mordachtales in das Modautal] rollten die mit Mehl und Fruchtsäcken, mit Körben voll Brot und Wecken beladenen, meist einspännigen Karren zünftiger Müller und Bäcker von Nieder-Ramstadt weit ins Land hinein. Wenn auch spärlich besiedelt, war die Mordach . . . im Mittelalter keineswegs dem Verkehr entrückt. Sie gehörte zu den Gütern der Adligen von Reckershausen, die sich bis zur Beerbach[Mordach-]mündung und von da über die Kohlberge hinweg ins Tal dehnten. Daran schloß sich ein der Adelsfamilie der Schelle von Umstadt zustehendes Gebiet mit der Langwiese, worauf später im Jahre 1707 eine Mahl- und Holzscheidemühle, die (1759) sogenannte Frankenbergersmühle, erbaut wurde.

In der hinteren Mordach hatten die in Nieder-Ramstadt einheimischen Herren von Walbrunn einen Hof, dazu einen Wald auf dem Glasberg hinter der sogenannten Glashüttenmühle (jahrhundertelang an die Gemeinde Nieder-Ramstadt verpachtet). Vor der Reformation hatte die Mordach ihren Pfarrer nicht in Nieder-Ramstadt, sondern in Neunkirchen, unter dem höchsten Gipfel des nördlichen Odenwaldes. Ein Hofbauer musste also, um sein Kind taufen zu lassen, viele Stunden weit nach jenem hochgelegenen Pfarrort hinauffahren, wo sich die alte Kirche bei einem um 1400 erwähnten wundertätigen Born befand (Kirchengründung wohl über einem altgermanischen Quellheiligtum, wie in Schöllenbach, Hesselbach, Amorbach usw. im südöstlichen Odenwald).

Noch gab es in der Mordach kein ständiges Mühlengewerbe, nur am Übergang der alten Römerstraße nächst dem 'Kühlen Grund' lag die Waldmühle (Mühlburg genannt), die aus dem befestigten Sitz der Herren von Reckershausen entstanden ist.

Der Dreißigjährige Krieg und die Kriegszeiten des ausgehenden 17. Jahrhunderts hinderte gewiss eine rührig fortschreitende Handelsgenossenschaft der Nieder-Ramstädter Müller- und Bäckerzunft, deren ausgedehnter Handel schon um 1400 nachweisbar ist und wahrscheinlich noch in ältere Zeiten zurückreicht, ihre wirtschaftliche Grundlage durch Erschließen der Mordach und Heranziehen der benachbarten Mühlen von Ober-Ramstadt und Eberstadt zunächst zu erweitern. Infolgedessen begann man erst seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auch die Wasserkräfte der Mordach (also des unteren Beerbachs) nutzbar zu machen. In jener Zeit treten bestimmte Personen und Familien als Gründer von Mühlen hier auf. In der Mordach errichtete zuerst Wilhelm Braun im Jahre 1684 beim nördlichen Taleingang die auf dem linken Beerbach[Mordach-]ufer gelegene, zur Gemarkung Eberstadt gehörige Mahrsmühle . . .

Die nächste, unterhalb der vorigen gelegene Spenglers- oder Neue Bohlenmühle wurde 1701 von Johann Peter Spengler aus Nieder-Ramstadt errichtet. Der Erbauer erhielt sie sofort zusammen mit der Alten Bohlenmühle (beim Kühlen Grund) in Erbpacht. Kaum jünger ist die am südlichen Talende errichtete Zehmühle, als deren Besitzer 1703 Peter Zehe erwähnt wird. Darauf stellte 1706 Johann Georg Frankenberger, der Sohn des Johann Frankenberger, Besitzer der zwischen Nieder- und Ober-Ramstadt gelegenen Oberschachenmühle, bei der fürstlichen Glashütte die Glashüttenmühle in Betrieb.

Im Jahre 1707 gründete Johann Ludwig Braun, bisheriger Inhaber der Schleifmühle, zwei neue Mühlen in der Mordach, die bereits erwähnte Frankenbergersmühle und die an dem nämlich Bach bei seinem Einfluss in die Modau gelegene Ludwig-Braun-Mühle, die spätere Fritz-Friedrichs-Mühle, die heute Engelsmühle heißt und zur Gemarkung Eberstadt gerechnet wird.

Sämtliche Mordachsmühlen waren bis auf zwei (die Spenglers- und die Glashütten-Mühle) private Eigentumsmühlen. Bei geringer beständiger Wassermenge, aber hohem Gefälle (durchschnittlich 6 bis 7 Meter), waren sämtliche Mühlen oberschlächtig. Ihre Besitzer mahlten im 19. Jahrhundert auf den Handel, indem sie bis 1880 damals in unserer Heimat angebaute Hirse sowie Gerste schälten und Hülsenfrüchte zerkleinerten, und diese Handelsgegenstände in Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Mannheim absetzen. Das Vermahlen von Roggen für Kunden oder von Weizen und Spelz auf den Handel, worin die wirtschaftliche Kraft der Mahlmühlen sich äußerte, trat bei den Mordachsmühlen zurück.

Seit etwa 1890 ruht das Mühlengewerbe in der Mordach fast ganz.

Die Glashütte wurde auf der ehedem sogenannten Schauerwiese (Scheuerwiese, das ist Wiese mit Heuschuppen und Heuscheuern darauf) vom Landgrafen Ernst Ludwig 1690 errichtet. Einige Zeit stellte man dort eine beträchtliche Menge verschiedener Glassorten (darunter sogar Spiegelglas) her; dieses wurde in einem besonderen Schleifwerk, das bei der Bohlenmühle an der Modau lag, geschliffen und in einer Spiegelhütte, die neben der Glashütte stand, durch geeignete Arbeiter zusammengesetzt. Aus jenem Schleifwerk ging die von der Bohlenmühle der Jahren 1705-1706 losgetrennte Schleifmühle, eine Mahlmühle, hervor; der Gründer der Glashütten-Mühle, Johann Georg Frankenberger, kaufte die bisher zur Glashütte gehörigen Gebäude, mit Ausnahme dieser selbst und des Stampfhauses, und dazu mehr als sieben Morgen Feld für 350 Gulden zu je 30 Albus, und er und seine Frau Anna Elisabeth, Tochter des Müllers Wilhelm Braun, empfingen dieses Gut (beim Burgwald) am 14. Mai 1706 gegen einen Erbzins von 50 Gulden in fürstlicher Erbleihe. Nach dem Tode Frankenbergers, den Räuber in einer anderen Mühle, in der er zufällig anwesend war, erschlugen, erwarb das Gut der Oberwiesenmüller Johann Georg Wiemer in Darmstadt . . .

In einer Winternacht 1896 fiel sie einem verheerenden Brand zum Opfer und ward danach [von dr Eigentümerfamilie Schneider] als 'Villa Burgwald' wieder aufgebaut [und als]. Gastwirtschaft bis 1909 [betrieben]. Ein Konsortium von Menschenfreunden errichtete später eine Trinkerheilstätte darin, welchem Zweck das Anwesen noch heute [1937] dient. Während des [Ersten Welt-]Krieges und in der Nachkriegszeit eine zeitlang Erholungsheim für erschöpfte Frauen und Kinder. Viele durch das Explosionsunglück in Oppau am 21. September 1921 Betroffene fanden hier Zuflucht und Erholung.“

 

Verfasser:
Volker Teutschländer




[…]
Einfügungen des Verfassers in den zitierten Pressetext



befestigten Sitz:
Diese Aussage wird in der Heimatgeschichte heute nicht mehr geteilt.



Explosionsunglück in Oppau

In Oppau ereignete sich im Werksteil Nord der BASF ein schweres Chemieunglück. Die Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes am 21. September 1921 gilt als größte Industriekatastrophe in der deutschen Geschichte (561 Tote).
(Quelle: Wikipedia)