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Die Mühlen

Stand: 26. Aug 2012

 

 

 




 

Die Neue Bohlenmühle

(auch Spenglersmühle oder Neurothsmühle nach früheren Besitzern)

1688
verkauft Henrich von Bohlen die Alte Bohlenmühle an den Landgrafen Ernst Ludwig. Gleichzeitig beauftragt er den Pächter Johann Peter Spengler, unweit an der Mordach eine neue Mühle zu bauen. Durch Kriegseinwirkungen verzögert sich das Vorhaben,

1700
kann der Plan dann umgesetzt werden. Der Schlußstein im Torbogen zeigt die Jahreszahl 1713. Johann Peter Spengler ist dann auch der erste Erbpächter der Neuen Bohlenmühle.

1723
reicht Spengler ein Gesuch ein auf

Moderation des Mühlzins auf ein erleidliches Quantum".

Er führt an, daß in letzter Zeit viele Mühlen in seiner Nachbarschaft neu erbaut oder erweitert wurden. Auch machten ihm die Rheinmühlen starke Konkurrenz. Sein Gesuch wird mit der Begründung abgelehnt, da auch vorher schon Mahlgäste nur schwer zu seiner abgelegenen Mühle kommen konnten und er seinen Verdienst beim Partieren (Handel) suchen müsse.

1727
trifft die Familie ein großes Unglück. Zur Jahreswende überfällt eine 38köpfige Räuberbande die Mühle. Der zu Besuch weilende Johann Georg Frankenberger von der Glashüttenmühle wird dabei erschlagen.

1742
sind Johann Christoph Spengler mit Ehefrau Katharina geb. Schmidt Erbbeständer.

1749
führt ihr beider Sohn Johann Thomas die Mühle, übernimmt aber später die Stadtmühle in Babenhausen. Darauf übernimmt sein jüngster Bruder Johann Wendel Spengler mit seiner Frau Anna Elisabeth, geb.Dörner die Mühle.

1770
wird die Erbleihe für Johann Wendel Spengler nochmals erneuert. Der jährliche Erbzins von 100 fl. wird auf 75 fl. herabgesetzt, da sein Vater, Johann Christoph Spengler, in dem vieljährigen Prozeß mit den Volmarischen Erben einen Wingert verloren und andere Unkosten hatte. Seine einzige Tochter Anna Elisabeth heiratet 1776 ihren Cousin Friedrich Christian Spengler aus Babenhausen.

1788
stirbt Friedrich Christian. Seine Witwe heiratet darauf einen weiteren Cousin, den Bruder ihres verstorbenen Mannes Johann Wendel Spengler aus Babenhausen. Ihr Sohn aus erster Ehe Johann Thomas heiratet Maria Dorothea Frankenberger aus der Mordach und in zweiter Ehe 1826 Anna Katharina Karst.

1816
besitzt seine Mutter Anna Elisabeth Spengler noch die Mühle. Sie und ihr Mann Wendel führen Beschwerde, dass der Alte Bohlenmüller Emich kein Anrecht auf ihren Tannenwald im „Haferacker" habe.

1827
wird der Erbleihbrief für den Sohn Johann Thomas ausgestellt:

Zugvieh für das Mahlwerk ist frohnfrei. Nicht für Staatsfrohnden. Jährlicher Erbzins 75 fl. in zwanzig Guldenfuß oder 90 fl. in vierundzwanzig Guldenfuß rheinischer Währung."

Ursprünglich 100 fl., aber immer noch Nachlaß wegen des Prozesses. Das Brandkataster gibt den Wert der Liegenschaft mit 9700 fl. an.

1829
nennt das Flurbuch Johann Thomas Spengler als Erbpächter.

Die Mühl hat 2 Mahl- und 2 Schälgänge und wird von 2 Rädern getrieben, gibt 90 fl. der Herrschaft. Hofraith, Garten, Haus mit Mühle, Scheuer, Stall, Schoppen und Stallung, Schweinstall, Backhaus"

1835
übernimmt Johann Thomas Spengler die Unterste Schachenmühle und stirbt 1844.

1859
nennt das Brandkataster Wilhelm Spengler II. als Besitzer. Bei der Pferdemusterung gibt er 5 Pferde an. Das Brandkataster verzeichnet:

"Wohnhaus und Mühle 2 stöckig, Mühlwerk darin, Schweinstall und Waschhaus, Scheuer mit Stall, Holzschoppen mit Anbau am Haus, Anbau an der Scheuer, Anbau für Federvieh, Anbau südlich des Hauses, Backhaus, Maschinenhaus mit Schornstein."

1865
stirbt Wilhelm, seine Witwe Katharina, geb. Dörner, führt die Mühle weiter mit Hilfe des Müllers Wilhelm Dinhardt.

1879
übernimmt Johannes Neuroth I. die Neue Bohlenmühle.

1882
nehmen Johannes Neuroth und seine Ehefrau Maria, geb Stüber, eine Hypothek von 18000 Mark auf, um ihre Mühle um ein Sägewerk zu erweitern. Der Wert ihrer Liegenschaft wird mit 24000 Mark angegeben.

1895
Enkel Helmut Neuroth, weiß von einem großen Auftrag seines Großvaters, nämlich das vollständige und zierreiche Gebälk für die Villa Trautheim zu schneiden. Das Gebälk wurde auf Pferdefuhrwerken über die vermeintliche Römerstraße (heute Alte Dieburger und Alte Darmstädter Straße) zur Baustelle geschafft.

1919
kauft Hauptmann Werner Leufkens von der Witwe Neuroth die gesamte Liegenschaft mit Fischereiberechtigung für 82000 Mark und übernimmt den Rest von zwei Sicherungshypotheken über 18000 Mark. Maria Neuroth behält ihren Sitz in der Mühle. Leufkens erweitert das Wohngebäude.

1924
verkauft Werner Leufkens an Georg Friedrich Münch. Der Gesamtwert der Liegenschaft wird auf 28963 Mark taxiert. Münch betreibt lt. Adressbuch von 1927 „Mühle, Holzsägewerk und Holzhandel im Kleinen."

Heute (2012) ist das Mühlengrundstück reine Wohnanlage.

Das Mühlengehöft

Otto Schäfer beschreibt das Mühlengehöft der Neuen Bohlenmühle im Heimatbuch Nieder-Ramstadt von 1950 nach dem damaligen Stand wie folgt: „Wohnhaus mit Mahlraum, Stallgebäude, Scheunen und Schuppen umschließen den geräumigen Hof und geben – besonders auf der Nordseite – ein gutes Bild der einstigen burgartig abgeschlossenen Hofanlage. Den Zugang gewährt ein stattliches Einfahrtstor. Den oberen Abschluß bildet ein dreieckiger Giebel mit Kugelaufsätzen. Über dem fein profilierten Torbogen mit barocken Zierformen ist unter einer Krone das Müllerwappen mit der Jahreszahl 1713 angebracht.

Im Hof gegenüber dem Einfahrtstor eine offene Wagenhalle. Holzsäulen trennen die einzelnen Wagenstände und tragen den darüberliegenden Futterboden. Leider ist der ursprüngliche Zustand durch den Einbau einer Gesindewohnung in einen der Wagenstände gestört. Der Schweinestall in der Nordwestecke des Hofes zeigt die gleiche arkadenartige Gliederung. Dieser Bau war wohl früher auch eine Wagenhalle, und die Schweinebuchen wurden später eingebaut. Die Haustüre mit Freitreppe, die Treppe im Wohnhaus, die Türe zum Mahlraum sowie die noch erhaltenen Teile des Mühlenbetriebes zeigen alle handwerklich und künstlerisch gut durchgebildete Formen.“

Baurat Otto Ehlers von der gegenüberliegenden Engelsmühle hat sich dazu 1961 geäußert: „Bei den Schweineställen fast aller Mühlen dort [an Modau und Mordach] war das Dach nach dem Hof zu überkragend. Die Tiere wurden von außen gefüttert. Das überstehende Dach sollte die Hitze abhalten und das Füttern im Trockenen ermöglichen. Also war der Westflügel der Neurothsmühle [der Neuen Bohlenmühle] keine Wagenhalle.“

Dieser kleine Fachdisput ist inzwischen obsolet. Die arkadenähnlichen Arrondierungen des Mühlengehöftes sind bald nach der nebenstehenden Fotoaufnahme vernichtet worden – Denkmalschutz hin, Denkmalschutz her.


Die Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer






Wappen im Schlußstein am Torbogen der Neuen Bohlenmühle. Das gekrönte Wappen (Zeichen für eine „herrschaftliche“ Mühle, die also im angemaßten Eigentum des Landesherrn steht) zeigt ein Wasserrad mit einer Mühlsteinhaue darunter.



Die Neue Bohlenmühle als ansehnliche Wohnanlage, bei deren Baumaßnahmen die Verantwortlichen den Charakter der stattlichen Mühlenhofreite zu erhalten suchten.



Idyllisch liegt die Neue Bohlenmühle dort, wo das Mordachtal ins Modautal einmündet. Und wo das Mühltal so augenfällig den Oberbegriff für beide in jenem Bereich beschreibt.



Die Sägemühle;
die Johannes Neuroth 1882 der Neuen Bohlenmühle angegliedert hat



Funktionsskizze einer Sägemühle:
Vermutlich um dem wachsenden Konkurrenzdruck der neuen industriellen Getreidemühlen entgegenzuwirken, wurde die Neue Bohlenmühle 1882 um ein Sägewerk erweitert. Der Antrieb erfolgt wie bei der Mühle weiterhin durch die Wasserkraft der Mordach.



Die arkadenartigen Dachüberstände
inmitten des Mühlengehöftes
(Aufnahme 2005).
Diese historische Bausubstanz wurde wenige Jahre später vernichtet.