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Die Mühlen

Stand: 15. Aug 2012

 

 

 




 

Die beiden Bruchmühlen

1451
Zunächst besteht nur eine Mühle, sie wird als „neue Mühle“ bezeichnet.

1570
Jetzt waren es schon zwei Mühlen. Aber es ist schwierig, die Akten den einzelnen Mühlen zuzuordnen.

1601

Im Verzeichnis der im Amt pachtbaren Mühlen des Landgrafen werden die Bruchmühlen mit 4 Gängen (und 4 Hunden für das Jagdvergnügen des Landesherrn) genannt.

1630
In der Amtsbeschreibung heißt es:

Die Bruchmühl (bes. Wennig Webers wittib sambt consorten) hat 4 gäng, geben jährlich 31 malter Korn, 44 fl Hundgelt und 10 fl Schweingelt.“

1660
Infolge des Dreißigjährigen Krieges sind viele Mühlen in schlechtem Zustand, u.a. auch die Bruchmühlen. Der Darmstädter Amtmann macht zusammen mit einem Mühlenbauer eine Besichtigungstour, um die Mühlen wieder instand setzen zu lassen.

1667
Nach vierzig Jahren werden die Bruchmühlen erstmals wieder in Erbleihe verliehen.

1673
Die obere Bruchmühle wird statt der unteren Schachenmühle zusammen mit „Georg Traysers Mühle“ (die obere Quicksmühle) und den Ober-Ramstädter Schachenmühlen zur Mehlwaage in Darmstadt gebannt, d.h. die Müller mußten ihr Mehl wenigstens zweimal in der Woche auf dem Markt der Residenz anbieten.

1698-1785
Die Namen der Bruchmüller ändern sich häufig und sind nicht sicher einer der beiden Bruchmühlen zuzuordnen:

Adam Schmitt und Johann Michael Schmitt (Obere Bruchmühle), Jacob Richtmeyer (Untere Bruchmühle), Andreas Zeh, Johann Wendel Zeh, Jacob Krug, Johannes Wiemer, Wendel Götz („oberer Bruchmüller“) und Johannes Heppenheimer („unterer Bruchmüller“) – überwiegend Familiennamen, die in der Mühltaler Mühlengeschichtge immer wiederkehren.

1806
Müller Wendel Götz nimmt eine Hypothek von 3500 Gulden auf. Unterpfand:

Die Hofraithe worauf die sogenannte undere Bruchmühle mit einem Mahl- und zwei Schälgäng ...“

1813
Ab jetzt sind die Dokumente und Urkunden den beiden Mühlen eindeutig zuzuordnen und werden von hier getrennt behandelt.


Die obere Bruchmühle

1813
Das Flurbuch weist Wendel Götz Wwe. Als Besitzerin der Oberen Bruchmühle aus:

Die Bruchmühle hat einen Mahl- und einen Schälgang, wird von einem Rad getrieben . . .“ Die Liegenschaft wird mit „Hofraith, 1. Claße Garten, Mühlbau, Scheuer, Stallung, Schweinestall, Schoppen, Backhaus“ beschrieben.

1827
Wieder ist ein Wendel Götz I. der Müller auf der unteren Bruchmühle. Das Brandkataster weist seine Liegenschaft mit einem Wert von 10600 fl aus.

1839-1860
Götz I. gehört zu den „Bachprinzen“, die gut gewirtschaftet haben, denn das gemeindliche Hypothekenbuch weist ihn alleine zwölfmal als Geldverleiher mit Beträgen zwischen 950 und 1500 fl aus.

1873
Jetzt aber muß Wendel Götz II. und seine Ehefrau Margarethe geb. Zeh selbst 6000 fl aufnehmen. Seine Liegenschaft ist 13000 fl wert.

1887
Sein Nachfolger Ludwig Götz muß 13714 Mark Kredit aufnehmen, seine Liegenschaft steht mit 24000 Mark zu Buche.

1892
Bei der ersten Nieder-Ramstädter Typhus-Epedemie berichtet die Gesundheitskommission, daß die Fäkalien der Bruchmühle noch in die Modau geleitet werden. Das stellt der Müller unverzüglich ab.

1893
Die Darlehensaufnahmen haben den Müller nicht vor dem Konkurs gerettet.

1910
Die Mühle arbeitet noch unter neuer Leitung. Aber auch er hat das Mühlensterben in Nieder-Ramstadt und anderswo nicht aufhalten können.

Inzwischen dienen die Gebäude Wohn- und Gewerbezwecken.


Die untere Bruchmühle

1813
Das Flurbuch weist Johannes Heppenheimer jun. Als Besitzer der Unteren Bruchmühle aus:

Die Mühle hat 2 Mahl- und 2 Schälgänge, wird von 2 Rädern getrieben . . .“ Die Liegenschaft wird mit „Hofraith, 1. Claß Garten, Mühlbau, Scheuer, Stallung, Schweinestall, Schoppen! Beschrieben.

1819-1855
Müller Heppenheimer nimmt mehrmals Kredite auf, die nahezu an den Wert seiner Liegenschaft von rd. 15000 fl heranreichen.

1860
Nach dem Brandkataster besteht die untere Bruchmühle aus Wohnhaus und Mühle (zweistöckig), dem Mühlwerk darin, Wasch- und Backhaus, Scheuer, Stall und Keller, Schweinestall mit Kniestock, Schoppen an der Scheuer und Kellereingang.

1868
Nicolaus Wagner ist Besitzer der Mühle.

1918
Bei einem Gespräch im Jahr 1978 berichtet Frau Weber geb. Wagner dem Autor, daß ihr Großvater im 19. Jh. die Mühle erworben hat. Vor 1918 hat er den Mühlenbetrieb eingestellt. Auch die Landwirtschaft wurde rund 50 Jahre später eingestellt. Das Anwesen dient seitdem Wohn- und Gewerbezwecken.

Die Autoren:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer




Auch eine Windmühle?

Oberhalb der Bruchmühlen liegt ein Flurstück „Hinter der Wettermühle“. Das könnte auf eine frühere Windmühle hinweisen, worüber aber bisher keine Dokumente aufgefunden wurden.





Wie es einst war: Die rückwärtige Ansicht der Bruchmühlen mit dem Wassergraben („Mühlgraben“)







Die Bruchmühlen heute, wie sie Vorüberfahrende von der B 426 oder Wanderer auf dem Geopark-Wanderweg sehen können (wenn die Jahreszeit den Blick durch das Grün erlaubt).

Wer näher tritt oder in einer der gewerblichen Nutzungen zu tun hat, erkennt die Absicht der heutigen Eigentümer, alte Mühlen-Bausubstanz zu erhalten und in Harmonie dazu modernes Wohnen und Wirtschaften zu ermöglichen.



Stand einst eine solche Bockwindmühle im Mühltal?