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Die Mühlen

Stand: 25.06.2013

 

 

 


 

Das Stolzengut, die spätere Alte Bohlenmühle

Oberster Lehnsherr des Stolzengutes (wie die Bohlenmühle ursprünglich nach frühen Besitzern bezeichnet wurde) war seit Mitte des 15. Jahrhunderts der Erzbischof von Mainz. Von diesem hatten es die Herren von Gemmingen zu Lehen, die es weiter als Afterlehen an die Junker Stolz gaben. Herren über „wasser und weyd" waren aber nach den Weistümern die Landgrafen von Hessen. Diese Verfügung über „Wasser und Weide" erstreckte sich über ein Gebiet von Neunkirchen bis Stockstadt, eine Meßrute weit in den Rhein hinein, also über den gesamten Lauf und das Ufergelände der Modau.

Von Stefan von Reckershausen (genannt 1412 - 1454, gestorben vor 1463) ging der Besitz in Nieder-Ramstadt auf seine Tochter Margarete über, die mit Hans Stoltz von Gau-Bickelheim verheiratet war. Sie ist 1475 und 1487 als Witwe genannt. Die Nachkommen der Margarete Stoltz geb. von Reckershausen, darunter ihr Sohn Friedrich und ihr Enkel (oder Urenkel) Philipp, besitzen dieses adlige Gut bis zu Ende des 16. Jahrhunderts.

Junker Philipp Stolz erklärte 1548 in einem Schreiben an den Amtmann in Darmstadt:

... daß ich eyn mul wil bauen uff meyn eigendum und mir angezeigt ist worten, wie daß meyn gnedester fürst und her landgroff den wasserfall hot; so ist meyn bit zu euch, wan ir wolt vergunnen von wegen meynen gnedesten fürsten und herrn den fal, so will ich ein zins vom wasser geben erblich ...“

Da Landgraf Philipp der Großmütige sich 1548 noch in der Gefangenschaft des Kaisers Carl V . befand, verabredete das fürstliche Oberamt, vertreten durch den Landschreiber und Keller zu Darmstadt, mit Philipp Stolz

des mulenfals halber ober der drusbach, das der Stolz die bauen mocht, wie dass die gütter des Orts uff beden seiten des wassers sein seyen, die er von Ebert von Gemmingen zu einem Erblehen tregt".

Philipp Stolz baute daraufhin 1549 die Mühle "underhalb Nidderramstadt uff die Drosbach", genannt „Philipps Stolzen Neue Mühl". Sie hatte drei Wasserräder mit je einem Mahlgang und Schälgang für Hirse und Gerste. Von jedem Gang mußten 20 Malter Korn und ein Kapaun jährlich als Mühlenzins an den Landgrafen entrichtet werden.

Der Wappenstein von Philipp Stolz und seiner Ehefrau geb. Stockheim ist heute noch in der Mühle zu sehen.

Georg Bernhard von Hertingshausen war seinem Landgrafen ein stets dankbarer, treuer Diener. Der Landgraf übereignete seinem treuen Diener das Mühlengut. 1626 befreite er die Mühle sogar von allen Abgaben. Es wurde

demselben seine zu Nieder-Ramstadt habende und dabevor von Reinhard von Gemmingen an sich erblich erkaufte Mühl aller Beschwerden und onerum gnädig bef reyt, da er bey der mühsamen und schweren Be lager- und Eroberung unserer beyden vesten Rheinischen Häuser Rheinfels und der Catz, ohnerschrokkener, manhafter und dapferer Wagnus Leibs und Lebens uns viel redliche ohnverdrossene getreue und ersprießliche Dienste geleistet.“

Hertingshausen hatte seinem Herren Georg II. tatkräftig bei der Eroberung der Burgen Rheinfels und Katz geholfen, die in diesem Bruderzwist mit Kassel aber später wieder verlorengingen. Auch Hertingshausen wohnte nicht auf seiner Mühle. Er hatte sich zusammen mit seiner Ehefrau Anna von Bredow 1621 in Darmstadt am Weißen Turm, unmittelbar beim Schloß, einen Wohnsitz gebaut. Ihre Wappen zierten das Portal an der Südfront noch bis zum Bombenangriff im Jahre 1944.

1630 wurde Hertingshausen das ausschließliche Recht verliehen, das Brotkorn für die fürstliche Hofhaltung und das Jägerhaus zu mahlen und Hirse und Gerste sowie Hafer zu schälen.

Von Gottes gnaden wir Georg, Graf von Catzenelnbogen . . . tun kund und bekennen hiermit offentlich, daß wir Unserm Rat, Oberforstmeister, auch Amptmann zu Kelsterbach und lieben Getreuen, Georg Bernhardt von Hertingshausen, die gnedige Verwilligung getan, daß uff seiner Muhl alle diejenigen Früchte, so zu behuf Unserer Fürstl. Hofhaltung sodan Unser Jägerhauses allhier anzuwenden, auch was zu eben solchem Ende an Hersen, Gersten und Hafer zu schelen sein wird, hinfuro gemahlen und geschält und ihme hierin andere nicht praeferiert oder vorgezogen und da sich er hebliche Ursachen zur Vornehmung einer Änderung erzeigten, um ander weitliche Verordnung zu verfügen ohnbenommen".

Hierbei handelt es sich um ein Bannrecht, das regelmäßigen Absatz garantierte und deshalb gern angenommen wurde, im Gegensatz zu dem oben erwähnten Zwang, täglich zur Mehlwaage zu fahren ohne Absatzgarantie.

1646, kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges, starb Georg Bernhard von Hertingshausen. Seine beiden Töchter verkauften 1649 das Gut an den Darmstädter Oberamtmann Georg Dietrich Volmar von Bernshofen.

Henrich von Bohlen zu Bohlendorf – daher der Name

Die Mühle war von diesem Verkauf ausgeschlossen. Sie ging an den hessischen Hofjunker Henrich von Bohlen zu Bohlendorf, der mit einer der Töchter von Hertingshausen verheiratet war. Von da ab hieß die Mühle „Bohlenmühle" und behielt diesen Namen, auch nach dem Bau der Neuen Bohlenmühle, als „Alte Bohlenmühle" bis heute bei.

Erster Müller auf Philipp Stolzens Mühle war „Hanns Kopp, Müller in der Stolzenmühl auf der Drosbach". Er baute sich in Sichtweite um 1580 auf Eberstädter Gebiet dann eine eigene Mühle, die Koppenmühle.

Bannmühlen zur Versorgung der Stadtbevölkerung

Schon damals zählte die Stolzenmühle zu den sogenannten Bannmühlen. Der Stolzenmüller wird als „Bannmüller auf die Waage" bezeichnet, d.h. er mußte regelmäßig sein Mehl bei der Mehlwaage in Darmstadt anbieten.

Auch andere Mühlen, im 17. Jahrhundert z.B. die Schachenmühlen, waren zur Waage gebannt. Der Landgraf wollte damit sicherstellen, daß die Stadtbevölkerung jederzeit mit dem Hauptnahrungsmittel Mehl ausreichend versorgt war. Mit diesem Bann war den Müllern nicht garantiert, daß sie auch ihre Ware in Darmstadt immer absetzen konnten. Bei ausreichendem Angebot mußten sie durchaus manchmal ihre Produkte wieder mit nach Hause nehmen. Man beachte! 1673 mußten diese Bannmüller täglich den Weg nach Darmstadt fahren, kein Wunder, daß sie dies immer wieder umgehen wollten und ihre Waren lieber anderweitig verkauften. Öfter mußten sie deshalb von den Landgrafen an diesen Bann erinnert werden.

Als nächster Müller auf der Stolzenmühle wird 1593 Peter Happel genannt, der zuvor einen Teil des Gutes in Nieder-Ramstadt von dem verstorbenen Oberförster Hofmann geerbt und bald darauf wieder verkauft hatte. Der Junker Philipp Stolz betrieb seine Mühle also nicht eigenhändig, sondern hatte seine Mühlenverwalter eingesetzt, was auch später so blieb, solange adlige Besitzer die Mühle inne hatten.

19 Mühlenhunde für des Landgrafen Jagdsucht

1601 beschwert sich der Landgraf in einem Brief an seinen Amtmann, daß die Hunde, welche die Müller für ihn halten müssen, zur Jagd nichts taugen. Pro Mahlgang muß je ein Hund gehalten werden. Die Nieder-Ramstädter Müller betreuen zu dieser Zeit 19 „Mühlenhunde". Ebenso müssen entsprechend der Größe der Mühle sog. „Mühlschweine" gefüttert werden. Da der Landgraf mit der Hundehaltung unzufrieden ist, verfügt er, daß den Müllern die Hunde abgenommen werden und dafür jährlich 11 Gulden zu entrichten sind, da sie "bishero entweder gar ubel gehalten, also daz sie zur Zeit, wan wir deren bedurftig, nicht zu brauchen gewesen, oder aber dieselben nachtsamblich hin und wider laufen lassen und das Wiltpret" verjagt haben. Seit dieser Zeit mußten die Müller jährlich einmal „Hund- und Schweinegeld" entrichten.

1606 schenkte Landgraf Ludwig V. seinem Oberjägermeister Georg Bernhard von Hertingshausen das adlige Rittergut in Nieder-Ramstadt. Es waren 24 ½ Morgen Ackerland und die Kohlberge.

1608 kaufte Hertingshausen mit wohlwollender Unterstützung des Landgrafen das Stolzengut mit der Mühle den Herren von Gemmingen für 3 500 Gulden ab. Damit hatte die lutherisch-hessische Regierung ihr Ziel erreicht, die Oberlehensherrschaft der Mainzer Bischöfe hier abzulösen. Die Mühle trug nun den Namen Hertingshäusische Mühle.

1614 wird sie um einen Gang (und damit auch um ein Wasserrad) auf vier Gänge erweitert und ist somit die größte Mühle am Ort. Hertingshausen ersucht um

... fürstliche Bewilligung über ein Scheel- und Mahlgang, welchen er an seine Mühle uff der Ramstatter Bach bauen möge“.

Ihm wird geantwortet:

"Wir Ludwig von Gottes gnaden ... thun kund hiermit bekennend, daß wir dem Georg Bernhardten von Hertingshausen verwilligen noch einen Gang, beides zum Mahlen als auch zum Scheelen bauen möge".

Die jährlichen Abgaben für die Mühle betragen nun 40 Malter Korn, 33 Gulden Hunde- und 10 Gulden Schweinegeld sowie 4 Kapaune. 1665 beschwerte sich Henrich von Bohlen bei Landgraf Ludwig VI. „im Namen seiner Ehelibsten und dero interessierten Geschwister als weiland Elenora Straufin von Löwenstein geborene von Hertingshausen selige Erben", daß die Früchte für die Hofhaltung anderswo gemahlen worden seien. Daraufhin wurde ihm das alleinige Recht auf Vermahlung des Darmstädter Mahlgutes erneut zuerkannt. Bei späteren Verleihungen wird von diesem Recht nichts mehr erwähnt.

Die Härtingshäusische Mühle wird landgräflicher Besitz

1688 trat von Bohlen die Mühle auf Grund eines Vergleichs an den Landgrafen Ernst Ludwig ab, der sie nach kurzer Verleihung auf Zeit in eine Erbleihmühle verwandelte. Ursprünglich war die Mühle also „Eigentumsmühle", d.h. der jeweilige Besitzer konnte frei über sie verfügen. Nur das Wasserrecht lag beim Landesfürsten, er bekam einen Jahreszins pro Wasserrad. Ging die Mühle, wie in diesem Fall, an den Landgrafen über, so konnte der sie entweder in Zeitleihe oder Erbleihe verpachten.

Bei Verleihung auf Zeit mußte der Landgraf die Mühle mit Ihrer Einrichtung selbst erhalten. Dafür war die Pacht wesentlich höher als bei der Erbleihmühle. Bei letzterer konnte der Pächter die Mühle an seine ehelichen Nachkommen vererben. Die Erbleihe mußte alle 15 Jahre erneuert werden, ebenso, wenn durch Erbfall ein neuer Pächter auftrat.

Im ersten Zeit-Leihbrief des Landgrafen im Jahr 1690 wird das technische „Inventarium über die fürstliche sogenannte Neue oder Hartingshäusische Mahlmühl" u.a. wie folgt angegeben:

. . .1 Wellbaum, 1 Kammrad, die Haue, Pfanne und Eisen, 4 Trechter, 2 Mühlleisen, 2 Beutelkasten, 1 Bodenstein 10 3/4 Zoll, ein Läuffer 6 3/4 Zoll, 7 Zargen".

Obiges Mühleninventar enthält recht wenig für die früher mit vier Gängen ausgestattete Mühle. Entweder waren dies noch Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges oder Henrich von Bohlen hat einen Teil des Inventars in seine neu erbaute Mühle auf der Mordach mitgenommen.

Die Mühlsteine betreffend wurde folgende Abmachung getroffen: „Was aber die Mühlsteine anlangt, dieselben sollen auf unsere Kosten gestellt auch was an den Mühlsteinen vermahlen wird, bezahlt werden". Ein sonst nicht übliches Verfahren, da es aber um eine kurzfristig kündbare Zeitleihe ging, ist dies verständlich.

Da Wir solche Mühl zu Unserem Gebrauch eingeräumbt haben wollten, und solches dem Beständer ein Viertel-Jahr zuvor aufkündigen ließen, soll er alsdann mit und neben Abstattung des erschienenen Bestandsgeld nach Proportion der Zeit wieder abzustehen und die Mühle abzutreten schuldig sein".

Zur Erhaltung des Bestandes wurde dem Pächter folgendes auferlegt:

Sodann alle Zufuhren an Materialien und andern zur Mühl nötigen Dingen ohne Entgelt tun, die Äcker, wie sie ihm einmal vor Winter gezackert diesmal geliefert werden, bey Ausgang der Leyhe wieder stellen. Die Dung auf die zur Mühle gehorige Güter und nirgend anders wohin führen, alle zur Mühl und Wiese gehörige Wehr machen, die Gräben säubern und erhalten, die Zäun und Geheck nicht verwüsten lassen, sondern zeitlich butzen, nicht weniger alle Jahre an bequeme Ort zwölf Obstbäume setzen“.


Auch Obstbaum-Setzen war Müllers Pflicht

Da in späteren Leihbriefen letzter Passus auch stets vertreten ist, muß die Mühle bald in einem Meer von Bäumen gestanden haben. Tatsächlich waren Modau- und Mordachtal noch nach dem Zweiten Weltkrieg zur Zeit der Obstbaumblüte ein Blütenmeer und Anziehungspunkt für Scharen von Wanderern. Ein Umstand, den wir dem Landgrafen Ernst Ludwig zu verdanken hatten. Sein Wunsch nach Anlegung von Obstplantagen in den Talwiesen wurde als Traditionswerk noch lange fortgesetzt, ein segensreiches Tun, das in unserer Zeit leider völlig verlorengegangen ist.

Neben der Erhaltung und Mehrung des Bestandes hatte der Pächter anno 1690 auch noch eine enorme Pacht zu zahlen, die wesentlich höher als die übliche Erbleihpacht war:

... und wegen solchen Bestands jährlich dreyhundertzwanzig Gulden, den Gulden in 30 Albus zu 8 Pfennig gerechnet, und zwar alle Quartal den vierten Theil, nemblich 80 Gulden, woraus in unser Kellerei alhier zu Darmstadt ohn fehlbarlich liefern".L

Auf pünktliche Zahlung war zu achten.

Da aber in Entrichtung solchen Bestandgelds zu einen oder mehrZeiten säumig sein, auch das Mahlwerk nicht in redlichem guten Bau erhalten, oder sonsten diese Leyhe in einem oder anderen Puncten jemals, zu welcher Zeit es auch seye, zuwider handeln würde, so soll er auf solchen Fall sich der Leyhe verlustig gemacht und selbsten entsetzt haben und Uns alsdan freystehen, nach unserm Belieben solche Mühl anderwerts zu verleyhen".

Sogar mit seinem Hab und Gut sollte der Pächter für den Vertrag bürgen.

Inmassen Er Beständer solches alles, wie es hierin beschrieben, nicht allein mit handgegebenen Treuen zugesagt, sondern auch zu mehrer unserer Versicherung all sein Hab und Nahrung liegend und fahrend jetzig und künftig, soviel hierzu vonnöten, verpfändet".

Wem dieser Leihbrief von 1690 ausgestellt wurde, ist nicht bekannt, vermutlich aber dem Müller Johann Peter Spengler. Er, der erste Müller der bekannten Nieder-Ramstädter Müllerfamilie Spengler, wird erstmals 1693 als Pächter der Bohlenmühle genannt. 1701 erbaute Johann Peter Spengler die Spenglers- oder Neue Bohlenmühle auf der Mordach, unweit seiner nun "Alten Bohlenmühle".

1732/33 ist der Müller Beyer herrschaftlicher Erbbeständer auf der alten Bohlenmühle. Ihm wird die Jahresspacht von 125 fl. erlassen, da er "wegen großer Wasser-Flut" erheblichen Schaden erlitten hatte. 1742 wird in einem Verzeichnis der in der „Pfungstädter Centh gelegenen Mühlen" Johann Albert Bayer als Erbbeständer genannt. 1783 übertrug Dorothea Emich, des Johann Franz Emichs Witwe, die Mühle an ihren Sohn Konrad. In einem „Anschlagbrief" verspricht er ihr, solange sie lebt,

... zu ihrem Auszug 20 fl. an Geld, 3/8 Roggenmehl, 1/8 Weismehl und ein fettes Schwein von 80 Pfund schwere, nebst Haltung etlicher Hühner, zu entrichten und abzuführen, wie auch eine Kuh vor sie in seinem Futter zu er halten, anbey auch zu ihrer Notdurft das 3te Teil Obst und das benötigte Gemüs und Gepflanz zu überlassen".

Dorothea Emich behielt sich weiter

"den freyen ruhigen Sitz in der Mühle nebst die Befugnis eines ihrer Kinder, so lange solches im unverheurateten Stand bleibt, bei sich zu behalten, auf Lebenslang aus und bevor".

Konrad Emich bat daraufhin den Landgrafen um Ausstellung eines Erbleihbriefes über die Mühle auf sich und seine Ehefrau. Er erhielt zur Antwort, daß seine Ehefrau nicht belehnt werden könne, da sie keine "eheliche Leibeserbin" des seitherigen Erbleihnehmers sei. 1792 wird die Erbleihe für Konrad Emich erneuert. Bemerkenswert ist, daß immer noch jährlich die 12 Obstbäume zu pflanzen sind. Hundert Jahre lang besteht also schon diese Pflicht für die Pächter der Alten Bohlenmühle! Der Erbzins beträgt zu dieser Zeit immer noch 125 Gulden jährlich.

In diesem Erbleihbrief wird auch die um 1690 von der Bohlenmühle abgetrennte Spiegelschleifmühle genannt.

... wobey aber namentlich das Schleifhaus, samt denen dazu und zur Glashütten-Mühl gezogenen Gütern, auch Gebäude und Hof, die von der Bohlenmühle und deren Hof unterschieden werden, sodann die Acker, worauf die Papiermühle gestellt, auch was weilen dazu gegeben ist ...“

1819 verkauft Adam Emig die Mühle an Jacob Fischer für 9000 fl. Das Geld lieh Fischer sich von dem Müller W. Frankenberger. Darüber hinaus muß er 450 fl. Laudemiengelder an den Großherzog zahlen. 1821 wurde der Erbleihbrief für Jacob Fischer ausgefertigt. Hierin wird auf geführt, daß die Mühle zwei Mahl- und einen Schälgang hat und von zwei Wasserrädern getrieben wird.

1827 wird im Nieder-Ramstädter Brandkataster Jacob Fischer Junior und seine Ehefrau Margarete geb. Spengler als Besitzer genannt. Der Wert der Gebäude wird mit 10000 fl. angegeben. Die Pacht an die Herrschaft beträgt jährlich 105 fl.

Lt. Gesetz vom 6. August 1848 wurde am 31.7.1849 die Erbleihe über die Mühle aufgehoben ("Allodification der Erbleihe- und Landsiedelgüter"). Nach Verrechnung blieb eine Ablösesumme von 115 fl. 23 3/4 Xr. bestehen. Die jährlich zu zahlende Grundrente betrug nun 75 fl. 45 Xr.

1856 ist wieder ein Müller aus der Sippe Spengler auf die Mühle zurückgekehrt, Thomas Spengler II. Seine Witwe verkauft die Mühle 1885 an August Dörner und Ehefrau Louise geborene Heil.

Nach dem Brand die Industrie-Zukunft

1904 kommt Johann Gerhard Ahten aus Ostfriesland als Pächter auf die Mühle, die aber im Jahr darauf abbrennt. Ahten kauft daraufhin 1906 die Hahnlach-Mühle bei Stockstadt.

August Dörner baute seine Mühle zur Papier- und Pappenfabrik aus. 1912 wird der Wert seiner Hofreite und der Äcker auf 37 930 Mark geschätzt. 1915 wird ein feststehender Dampfkessel in der Fabrik eingebaut, der ehemals in der Ölmühle von Göhrisch in Seeheim (im Stettbacher Tal) stand.

1941 erwirbt das Bremer Unternehmen „Scheuch Folien- und Papierverarbeitung KG". das Mühlenanwesen, um die von den Kriegseinwirkungen bedrohte Produktion im weniger gefährdeten Mühltal fortsetzen zu können. 1943 wird das Stammwerk an der Weser von Bomben zerstört. Im Mühltal dagegen kann ungestört weiter produziert werden.Nach mehreren Um- und Neubauten präsentierte sich die Alte Bohlenmühle als moderner Industriebetrieb, der von verträumter Mühlenromantik nichts mehr spüren ließ.
Inzwischen (um 1960) ist jener Industriebetrieb in einen Neubau modauaufwärts oberhalb der Papiermühle ausgesiedelt. In den Räumen der umgebauten Alten Bohlenmühle ist eine Art Handwerkerhof entstanden.

 

Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz






An der engsten Stelle des Mühltales liegt die Alte Bohlenmühle,
baulich eng verbunden mit der ehemals von ihr abgetrennten Schleifmühle.
Die Alte Bohlenmühle
ist ein Beispiel für die spätere industrielle Nutzung vieler Mühlen im Mühltal. Sie beherbergte seit 1941 bis in die sechziger Jahre eine Fabrik zur Herstellung bedruckter Folien. Seit Ende der neunziger Jahre bietet sie Raum für eine Art Handwerkerhof.





Ausschnitt aus einer Federzeichnung von
Heinrich Zernin
etwa 1890:
Dargestellt werden die Mühlen modauaufwärts von der von der Alten Bohlenmühle über die Schleifmühle und die Pulvermühle bis zur Papiermühle.





Das Allianzwappen
am Wohnhaus der Alten Bohlenmühle ist über die Jahrhunderte erhalten geblieben. Es trägt die Jahreszahl des Baujahres 1549