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Die Mühlen

Stand: 15. Aug 2012

 

 

 



 

Die Anstaltsmühle

1601

„Cloß Fischers Mühl“ wird erstmals in einem „Verzeichnis der im Amt pachtbarn Mühlen“ genannt. Sie besitzt einen Mahlgang (und muß einen Jagdhund für das Jagdvergnügen des Landesherrn halten).

1690

Nach einem Verzeichnis der Bauerngüter in Nieder-Ramstadt sind unter 59 Hofreiten schon 10 Mühlen. Claus Fischers Mühle wird wieder mit einem Mahlgang aufgeführt, ihr Besitzer ist Peter Luckhaupt.

1742

In einem Verzeichnis der Pfungstädter Zent heißt die Mühle deshalb „Luckhauptische Mühle“ (Besitzerin die „Luckhauptische Witib“).

1797

ist Adam Spieß Besitzer der Mühle. Er möchte sein Wehr erneuern, da es droht einzustürzen Der fürstliche Steuerrat Wiebeking beruft Teichmeister Reuling, Oberschultheiß Wenzel, Centschöffe Fritz, Mühlenbesitzer Adam Spieß und den Oberliegenden Brückenmüller Heinrich Walter zur Vermessung und Setzen eines neuen Eichpfahles ein.

Eichpfähle legen die Stauhöhe der Wehre fest. Sie bestehen aus einem Eichenpfahl, der im Bachbett vor dem Wehr verankert ist. Der Pfahl trägt eine Kupferkappe, in der der landgräfliche Löwe, die Jahreszahl der Setzung und obenauf ein sog. Eichnagel eingeschlagen ist. Es gilt die Formel:

Eine Fliege, die sich auf den Eichnagel setzt, darf niemals ihre Flügel mit Wasser benetzen.“

Da Hochwässer die Eichpfähle immer wieder hinwegrissen, mußte ihre Lage, vor allem in der Höhe, protokollarisch genauestens festgehalten werden. Die ganze Aktion des Vermessens und Setzens des Eichpfahles dauerte meist zwei Tage. In der Zeit mußten die Amtspersonen vom Müller verköstigt werden, was bei gutem Hunger und Durst meist teuer zu stehen kam.

Der Oberlieger achtete darauf, daß nicht zu hoch angestaut wurde, damit sein Wasserrad keine Rückstau erfuhr. In unserem Fall ist auch die Gemeinde daran interessiert, daß nicht zu hoch angestaut würde, weil bei Hochwasser die Salband (heute: Bachgasse) regelmäßig überflutete wurde. Das mehrseitige Protokoll zeigt auf, wie schwierig die Verhandlungen sein konnten, bis alle Beteiligten zufrieden gestellt waren.

1826

Johann Philipp Pfaff hat die Mühle offenbar erweitert. Es heißt: „Hat 2 Mahl- und einen Schälgang, wird von 2 Rädern getrieben.“ Nach dem Brandkataster werden Haus und Mühlgebäude mit 4600 fl, Stallung mit 400 fl, Scheuer mit 900 fl und Backhaus mit 150 fl bewertet.

1843

Auch Pfaff gehört zu den „Bachprinzen“, die bei guten Einnahmen Geld verleihen können.

1871

Christoph Grünig („Grünigsmühle“) hat seine alte Mühleinrichtung mit Wasserrädern und Steinmahlgängen ausgebaut und dafür Walzenstuhl und Wasserturbine angeschafft.

1889

Grünig und seine Frau geb. Pfaff (s. Vorbesitzer!) nehmen jetzt ihrerseits eine Hypothek über 12000 Mark auf. Als Wert von Hofreite und Mühle werden 32000 Mark angegeben.

1896

Grünigs nehmen noch einmal 10000 Mark auf. Sicherheit: Hof und Mühle im Wert von 36000 Mark. Ein letztes Aufbäumen gegen die Konkurrenz der Großmühlen, offenbar mit weiterer Modernisierung.

1906

Grünig läßt seine Liegenschaft taxieren, ein sicheres Zeichen für Verkaufsabsichten. Ergebnis: 68780 Mark.

1909

Die „Anstalt für epileptische Kinder und Jugendliche im Großherzogtum Hessen“, der späteren Nieder-Ramstädter Heime und der heutigen Nieder-Ramstädter Diakonie, erwirbt das Mühlengrundstück. Sie betreibt dort Landwirtschaft und Mühle.

1979

Der Mühlenbetrieb wird aufgegeben.

1984

Alle Gebäude der Hofreite werden nach zwei Großbränden abgebrochen.

Auf Anordnung der Denkmalschutzbehörde sollte der Torbogen des fränkischen Gehöftes aus Sandstein eingelagert werden. Er ist inzwischen nicht mehr aufzufinden.

Ebenso war die Turbine als Museumsstück dem Verein für Heimatgeschichte zu überlassen. Trotz Absprache mit der Leitung der Nieder-Ramstädter Heime (so der damalige Firmenname) und dem Abbruchunternehmen wurde sie mitsamt des Bauschuttes verfüllt. Als Erinnerung an die letzte Mühltaler Mühle bleiben deshalb nur ein paar Fotos.

Die Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz

Volker Teutschländer






Kontrast zum späteren Bundesstraßen-Dauerverkehr: Die Anstaltsmühle etwa in den zwanziger Jahren.



Oben und unten:

Die ortsbildprägende Ansicht an der Ortseinfahrt Nieder-Ramstadts vom Süden: Mühle und Landwirtschaft bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jh.