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Die Mühlen (6)

Stand: 23. Aug 2012

 

 

 



 

Krieg und Leid: Die Not der Mühlenwirtschaft

18 Mühlen in der Nieder-Ramstädter Gemarkung

1691 und 1693 drangen die Heere Ludwigs XIV. sengend und brennend in die Landgrafschaft ein. Im Spanischen Erbfolgekrieg 1707 mußten hohe Kontributionen an die französische Armee gezahlt werden. Geldzahlungen, Getreideabgaben, Einquartierungen und Kriegsfuhren beutelten die Bevölkerung schwer. Sie kam das gesamte 18. Jahrhundert hindurch nicht recht zur Ruhe.

Von den Kriegsfuhren waren die Müller besonders betroffen. Die Aufzeichnungen im Gemeindearchiv berichten aus der Zeit der Koalitionskriege um 1794 bis 1797 immer wieder von Anforderungen der Kriegführenden.

Die Müller, die ihre Erzeugnisse weit über Land schicken mußten, besaßen natürlich auch die meisten Pferde. Ausgerechnet sie, die ihre Pferde für ihr Gewerbe am nötigsten brauchten, wurden am stärksten zu den Kriegsfuhren herangezogen.

Am 10. April 1795 mußten 20 Pferde aus Nieder-Ramstadt, Nieder-Beerbach, Waschenbach und Traisa morgens um 4 Uhr in Eberstadt sein. „Besonders sind die Müller dazu zu ziehen", lautete, wie so oft, auch dieser Befehl.


Einige Müller, z.B. Frankenberger und Luckhaupt aus der Mordach, weigerten sich mehrmals, Kriegsfuhren zu leisten. Sie wurden mit 5 Talern Strafe belegt, unter Androhung von 10 Talern bei Wiederholung.

Im Winter 1794 mußte Holz aus dem Mönchbruch zum Palisadenbau nach Mainz gefahren werden.

Am 13. Januar 1795 mußten Karl Zeh, Heinrich Luckhaupt, Wilhelm Frankenberger und Wendel Spengler „Fourage-Fuhren" für die preußischen Truppen ausführen.

Im Dezember 1796 war ein Transport, von Heidelberg kommend, mit „330 Bleßirten, ein Chirurg und ein Hauptmann" in Eberstadt zu übernehmen, zu verpflegen und nach Dieburg weiterzutransportieren. Dazu mußten aus der Gemeinde 55 zweispännige Wagen gestellt werden.

Dann nochmals im Dezember 44 Wagen für 260 Mann Verwundetentransport von Eberstadt nach Dieburg.

Oft wurden am Zielort die Fuhrleute gezwungen, die Fahrt fortzusetzen, und es sind Fälle aktenkundig, daß sie wochenlang unterwegs waren und zum Teil noch Pferd und Wagen einbüßten.


Im gleichen Jahr wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, Frondienste gab es nicht mehr, alle Pflichtdienste mußten entlohnt werden.

1827 heißt es in „Statistik und Topographie des Landratsbezirks Reinheim" von Gg. W.J. Wagner:


Nieder- und Ober-Ramstadt exportieren eine große Menge von allen Sorten Mehls, Graupen, Grütze, Griesmehl und verfahren solches nach Darmstadt, Frankfurt, Hanau und Aschaffenburg. 52 Händler in Nieder-Ramstadt und 41 in Ober-Ramstadt kaufen die Früchte auf oder handeln mit den Fabrikaten.“


Die Mehlhändler oder „Partierer" hatten den Getreide- und Mehltransport sowie den An- und Verkauf übernommen. Der Müller selbst konnte wegen der komplizierten Technik seiner Mühle diese nicht mehr für längere Zeit verlassen.

Ein „Verzeichnis der Wassertriebswerksbesitzer von Nieder-Ramstadt" vom 30. April 1853 gibt letztmals Zeugnis vom stolzen Nieder-Ramstädter Mühlengewerbe:

Ludwig Spengler - Untere Schachenmühle
Ludwig Zeh - Obere Quicksmühle
Jacob Bender - Mittlere Quicksmühle
Jacob Bender II - Untere Quicksmühle, 1852 abgebrannt
Wilhelm Friedrich - Brückenmühle
Philipp Pfaff I - Anstaltsmühle
Wilhelm Pfaff - Schneckenmühle
Jacob Pink - Pinkmühle
Wendel Götz II - Obere Bruchmühle
Johannes Heppenheimer - Untere Bruchmühle
Wilhelm Wendel Illig - Papiermühle
Heinrich Werner - Pulvermühle,1852 abgebrannt
Michael Breitwieser - Schleifmühle
Thomas Spengler - Alte Bohlenmühle
Wilhelm Spengler - Neue Bohlenmühle
Wilhelm Frankenberger - Frankenbergersmühle
Wilhelm Krug - Glashüttenmühle
Wilhelm Wagner – Mordachmühle

Von 65 Mühlen an Modau, Waschenbach, Mordach und Beerbach standen allein 18 auf Nieder-Ramstädter Gemarkung

Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz