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Die Mühlen (2)

Stand: 23. Aug 2012

 

 

 




 

Das 14. und 15. Jahrhundert: Der Anfang

1303: Ältester urkundlicher Nachweis zweier Mühlen in Nieder-Ramstadt

Die ältesten schriftlichen Urkunden über Mühlen an der Modau überliefert der Lorscher Kodex. 785 wurden der Abtei drei Mühlen und zwei Mühlplätze, 804 eine Hufe mit einer Mühle in Pfungstadt geschenkt.

Das traditionsreiche Nieder-Ramstädter Müllerhandwerk nahm erst mit einer am 19.November 1303 ausgestellten Urkunde seinen dokumentierten geschichtlichen Anfang. Unter diesem Datum wurde eine Aufstellung der Einkünfte des Grafen Wilhelm I. von Katzenelnbogen angefertigt, die auch Angaben über die Mühlen in Nieder-Ramstadt enthält. Es heißt dort:

Vom Hofe in Nieder-Ramstadt 30 Malter Korn und 26 Malter Hafer, von den dortigen Müh­len 8 Malter Korn, von den dortigen Zinsen 14 Unzen Heller und 1 ½ Malter Korn."

Es bestanden demnach mindestens zwei Mühlen in der Gemarkung, die dem Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen zinsen mußten. Aus späteren Aufzeichnungen geht hervor, daß die obere Mittlere Schachenmühle (wie sie später erst heißt) bereits besteht, und zwar zusammen mit einer zweiten, einer der späteren Quicksmühlen.

Dabei ist zu bedenken, daß zu dieser Zeit nur ein Teil des Dorfes an die Katzenelnbogener abgabepflichtig war. Andere Adelsgeschlechter, wie die Herren von Ramstadt, Walbrunn oder Reckershausen, besaßen ebenfalls Teile der Gemarkung und bezogen hiervon ihre Einkünfte.

Fünf weitere Einkommensverzeichnisse des Grafen Wilhelm aus der Zeit zwischen 1315 und 1326 nennen ebenfalls diese Mühlenabgaben von Nieder-Ramstadt.

Die nächste Erwähnung einer Mühle erfolgte 1344, als sich Gerung Scheubechers Sohn aus Pfungstadt verpflichtete, dem Junker Wilhelm, Sohn des Grafen Wilhelm 1. von Katzenelnbogen, von der Mühle zu Nieder-Ramstadt, sie werde verbrannt oder nicht, jährlich 10 Malter Korngülte zu geben und sie ihm zwischen dem 15. August und dem 8. September nach Dornberg oder Zwingenberg zu liefern, widrigenfalls er gepfändet werden kann. Rücker von Reckershausen siegelte neben anderen als Zeuge.

In einer weiteren Katzenelnbogener Urkunde von 1360 wurde erstmals auch der Name eines Müllers aus Nieder-Ramstadt genannt, Heinrich Quicke. Er gab seiner Mühle den Namen, der bis heute noch in der Bevölkerung geläufig ist, die „Quicks Mühle", ehemals Sitz der Firma Max Richter in der Bahnhofstraße. Heinrich Quicke versprach dem Grafen Wilhelm II. von Katzenelnbogen für die vom Grafen verliehene Mühle zu Nieder-Ramstadt jährlich 10 Malter Korn nach Dornberg oder Zwingenberg zu liefern und den Mühlgraben in Ordnung zu halten. Entrichtet er die genannte Korngülte nicht, kann ihn der Graf dafür pfänden.

In einer Rechnungslegung der Zentralverwaltung des Grafen Eberhard V. von Katzenelnbo­gen aus dem Jahre 1401 werden die zwei Mühlen genauer bezeichnet. Dort heißt es:

10 malter Korn von der obern molen zu Niddern-Ramstad. 36 malter von der niddern molen zu Niddern-Ramstadt".


Es waren dies vermutlich die heutige obere Mittlere Schachenmühle, oberhalb des Dorfes auf (heute) Ober-Ramstädter Gemarkung, und die Quicksmühle, die damals ebenfalls noch außerhalb des Dorfes lag. Letztere hat den Abgaben nach schon vier Mahlgänge besessen.

Spätestens seit dieser Zeit waren die Grafen von Katzenelnbogen Herren des gesamten Dorfes, das sie von den Bischöfen von Würzburg zu Lehen trugen. Damit waren sie auch „Herren über Wasser und Weyde", wie es in den Zentweistümern heißt. Sie allein besaßen also die Mühlenhoheit. In unserem Falle waren sie Eigentümer der Mühlen und verpachteten sie weiter.

Es kam aber auch vor, daß ein Müller an mehrere Herren Abgaben zahlen mußte. Sein Lehensherr konnte ihn verpflichten, einen Teil der Pacht an einen anderen zu liefern, dem er, der Verpächter, wiederum verpflichtet war. So geht es aus einer Urkunde von 1403 hervor:

Eberhard von Heusenstamm erhielt von Graf Johann von Katzenelnbogen einige Gülten zu Lehen. U.a. gab Gecze Quicke von Nieder-Ramstadt 1 Pfund Heller, 4 Kapaune, 1 Huhn, 2 Gänse und 1 Achtel Hafer Wormser Maß von einer Mühle.“

Daraus ist ersichtlich, daß die zweite Generation der Quicke auf der Mühle angetreten war. Das Lehen und somit die Abgaben der Mühle wurde zwischen 1422 und 1447 noch mehrmals bestätigt.

1451 folgte Concze Quicke als Pächter. Er erhielt in den Jahren 1451 bis 1454 einen jährlichen Pachtnachlaß von 10 Schillingen. Der Grund hierfür ist nicht bekannt. Es war aber durchaus üblich, daß Pachtnachlässe bei außergewöhnlichen Reparaturen am Mahlwerk, bei Bränden oder geringen Einnahmen, hervorgerufen durch schlechte Ernten, zu wenig Wasser oder bei Kriegseinwirkungen, gewährt wurden.

1456 wurde Hans Quick auf der „Mühle im Dorf" genannt, 100 Jahre saßen schon die Quicke dort. Ein weiterer Nieder-Ramstädter Müller wurde seit 1452 namentlich öfter genannt, Heyl Eberhart, auf der Schachenmühle. 1454 wurde von ihm berichtet, daß er 4 Malter Spelz vom Keller in Dornberg gekauft hat, das Malter um 7 Schillinge. Auch in den Pfungstädter Landgerichtsprotokollen steht sein Name. 1461 wurde er von „Henichen off dem Nuwenwege" (Neuweg) beschuldigt, er habe den Bach angestaut. Offenbar wollte er unerlaubt sein Bachgefälle erhöhen. Weil er 1477 zum Landgerichtstag in Pfungstadt nicht erschien, wurde ihm eine Buße auferlegt.

1452 wurden in einer Landschreiberrechnung noch drei weitere Namen vermerkt, die vermutlich Nieder Ramstädter Müllern gehören: Concze Krug, Concze Feltmann und Peder Moller von Arheylgen.

 

Fünf Nieder-Ramstädter Mühlen in der Mitte des 15. Jahrhunderts

 

Der Reinheimer Keller Peter von Balkhausen nannte in einer Abrechnung von 1456 die Abgaben aus fünf Mühlen in Nieder-Ramstadt:

10 Malter Korn von der Obermühle
40 Malter Korn von Hans Quick von der Mühle im Dorf
17 Malter Korn von der neuen Mühle
9 Malter Korn von des alten Schultheißen Mühle
2 Malter Korn von der kleinen Mühle uf der Waschenbach

Aus der Höhe der Abgaben kann man die Größe der Mühle ersehen. Pro Mahlgang waren im Normalfall 10 Malter Korn zu entrichten (1 Malter = 112 Liter = 83 kg Korn). Die größte der Mühlen war die von Hans Quick, sie hatte vier Mahlgänge, d.h. bei damaliger Technik auch vier Wasserräder. Die Obermühle war die Schachenmühle des Heyl Eberhart oberhalb des Dorfes, mit einem Gang.

Die neue Mühle mit zwei Gängen war die Bruchmühle, die anfänglich noch nicht die ganze Pacht zahlen mußte. Mit des alten Schultheißen Mühle wurde die spätere Brückenmühle damals bezeichnet. Sie hatte nur einen Gang.

Die kleine Mühle auf der Waschenbach, später als Schneckenmühle bekannt, hatte einen Gang und mußte wegen des geringen Wassers nur zwei Malter Kornabgabe entrichten. Wahrscheinlicher ist aber, daß sie als einzige Privatmühle nur den Wasserfallzins entrichten mußte.

Der Standort der fünf Mühlen geht natürlich nicht aus den wenigen Angaben des Kellers hervor. Erst später folgende Urkunden lassen diesen Rückschluß zu. Eine Abrechnung des Darmstädter Kellers Peter Pfeilsticker vom Jahre 1472 nennt folgende Abgaben:

16 Malter Korn von Heil Eberhards Mühle
22 Malter Korn von . . . Quicks Mühle
23 Malter Korn von der Bruogsche Mühle
20 Malter Korn von Kluers Mühle
2 Malter Korn von der kleinen Mühle am Waschenbach

Diese Aufzeichnung läßt folgende Interpretation zu: Heil Eberhard hatte seiner Mühle erst kürzlich einen zweiten Gang angefügt, zahlt dafür aber noch nicht die volle Pacht. Die Bruchmühle ist mit zwei Gängen inzwischen in vollem Betrieb. Geplant oder schon im Bau ist ein dritter Gang, für den bereits der Wasserfallzins fällig ist. Kluers oder wie 1506 zu lesen ist, „Clauers mul im Dorff" hat einen zweiten Gang in Betrieb genommen.

Was aber war mit der Quicksmühle geschehen?

Erlebte sie als einzige einen Rückgang? Ein Unglück könnte hereingebrochen sein, vielleicht Bruch des Mahlgeschirres, etwa auch nur Teilstillegung wegen Umbaues oder Erweiterung. Wahrscheinlicher ist, daß ein Teil der jährlichen Abgaben zu dieser Zeit an einen Gläubiger des Landesherren abgeführt wurde, wie dies schon früher geschehen ist

Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz