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Geschichte > Mühltal (überörtllich)

Stand: 12/18/2012

 

 

 


 

Wappen erzählen Geschichte


Eine kleine Einführung in die Wappenkunde

Wer sich für das Wappenwesen interessiert, muss sich mit den Turnieren des Hohen Mittelalters befassen, denn diese Turniere haben die Wappen hervorgebracht, sie waren das Erkennungszeichen der Ritter und sind später von deren Familien übernommen worden.

Spätestens seit dem 12. Jh. ist das in Frankreich entwickelte Kampfspiel zu Pferd, das „turnoi“, auch in Deutschland als „Turnier“ bekannt. Ursprünglich dienten diese Turniere der Vorbereitung der Ritter auf den Kampfeinsatz, denn damals haben noch die Reiterheere eine Rolle gespielt. Als diese aber in der Folge immer mehr an Bedeutung verloren, blieben die Turniere „als gesellige, adlige Kampfspiele“ erhalten. Sie dienten den Adeligen zur Selbstdarstellung, denn turnierfähig war nur der „Ritterbürtige“, der mehrere Generationen ritterbürtiger Ahnen nachweisen konnte. Eine gute Darstellung der Ritter mit ihren Wappen bringt die „Manesische Handschrift“. Die heute in Heidelberg verwahrte Handschrift aus dem 14. Jh. verzeichnet mehr als 100 Minnesänger, die alle dem Ritterstand angehörten, mit ihren Wappen. Viele von ihnen gerüstet.

Aus dem 16.Jh. gibt es zahlreiche reich bebilderte Turnierbücher, die Turniere bis in die Zeit vor 1000 zurückverfolgen, also auf Sagen oder auch Phantasie beruhen. Sie sind aber wegen der farbigen Wappendarstellung (und oft auch frühen Erstnennungen) in jeder Adelsbibliothek vorhanden. Das Turnierbuch des Reichsheroldes Rüxner von 1532 war 1986 in der Heidelberger Ausstellung der „Palatina-Bibliothek“ zu sehen.

Diese Bilder zeigen den jeweiligen Ritter, dessen Figur durch die Rüstung unkenntlich ist, mit geschlossenem Visier, gedeckt von dem über die linke Schulter hängenden Schild. Man sieht also lediglich diesen Schild, den über den Schildrand heraussehenden Helm und die auf dem Helm stehende Helmzier („das Kleinod“ der Wappensprache, sog. Zimier“), der beim Schwertkampf Bedeutung zukam, weil ihre Eroberung oder wenigstens Herunterschlagung den Sieger ermittelte, dem als Trophäe Rüstung und Pferd des Unterlegenen gebührte. Nur durch seine Farben und sein Wappen ist der Ritter kenntlich.

Schild, Helm und Kleinod

Diese genannten Attribute sind die Bestandteile des Wappens: Schild mit dem Wappenbild, Helm mit den farbigen Helmdecken und das Kleinod. Sie sind der Mode unterworfen: Der Schild wird in der frühen Gotik vom Dreieckschild über die Tartsche, die eine Aussparung für den Speer oder die Stange enthält, zum Halbrundschild und schließlich zum ovalen oder runden Schild, der Helm entwickelt sich mit der Rüstung vom Topfhelm zum Kübelhelm und dem Stechhelm des 15.Jh., im Ausgang der Turnierzeit wird der Helm gelegentlich nur noch stilisiert. Auch die Darstellung des Kleinods ändert sich, anfangs wiederholt sich das Schildbild auf dem Helm, um den Kombattanten von weitem besser kenntlich zu machen, später findet man Tiere, mit aufgerissenem Maul oder Schnabel und abgetrennte Armteile mit dem Schwert zur Abschreckung, dann Männerfiguren, später auch junge Frauen. Viele dieser Darstellungen sind Allegorien, die oft den Geschlechternamen, das Wappenzeichen oder auch den Wappenspruch der Familie als „redende Wappen“ erklären.

Zur Geschichte der Heraldik und zum Wappenwesen gibt es reichlich Literatur, ich habe hier verwendet: H. Reise: Vom Wappenwesen, (eine Kurzdarstellung), Göttingen 1948), dazu Wappensammlungen, wie den Neuen Siebmacher und für das Rhein-Main-Gebiet das mehrbändige Wappenbuch v. Knodt und die Wappensammlung im Lehenbuch der Kurfürsten von der Pfalz mit über 400 farbigen Wappen u.A.

Die rechtliche Bedeutung

Hinzuweisen ist jedoch auf die rechtliche Situation der Wappen: der Eintrag in diese Wappenbücher oder auch in die Wappenrollen hat keine konstitutive Wirkung. Die Fortführung der Wappenrollen ist eine private Angelegenheit familiengeschichtlicher Vereine und deren Archive. Es gibt also wappenführende Familien, deren Wappen in keinem dieser Register verzeichnet ist, die Eintragung in die Wappenrolle hat nur deklaratorische Bedeutung. Bei den Wappenbüchern, die einzelne Wappen in Zeilen abbilden, muss bedacht werden, dass dort aus Platzgründen das Kleinod oder die Decken entweder fehlen oder nur angedeutet sind, dazu gibt es aber Beschreibungen.

Schon seit dem 14. Jh. führen auch bürgerliche Familien Wappen, die ihnen der kaiserliche Hof oder die von diesem ermächtigten Hofpfalzgrafen in Wappenbriefen verkauft haben. (Das war reine Geldbeschaffung). Es gab auch Familien die Wappen ohne Wappenbrief angenommen haben, wie das bis heute üblich ist. Die (nicht obligatorische) Aufnahme in eine Wappenrolle setzt allerdings voraus, dass Wappenzeichnungen eines Zeichners nach den Regeln der Heraldik vorgelegt werden, sie werden dann von den Vereinen überprüft, ob sie den heraldischen Regeln entsprechen und sich mit keinen anderen Wappenträgern überschneiden.

Verfasser:
Heinz Bormuth