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Geschichte > Mühltal (überörtlich)

Stand: 27.05.07

 

 

 


 

Wappen erzählen Geschichte

Die Mühltaler Wappen

Text:
Volker Teutschländer

Durchgesehen von
Karl Dehnert †


ergänzt von
Heinz Bormuth †


und Otto Ehlers







Das amtl. Wappen der Gemeinde Mühltal



Amtl. Wappen, wie sie die früheren Mühltalgemeinden führten:



Das Wappen der Gemeinde Frankenhausen bis 1976



Das Wappen der Gemeinde Nieder-Beerbach bis 1976



Das Wappen der Gemeinde Nieder-Ramstadt bis 1976



Das Wappen der Gemeinde Traisa bis 1976



Das Wappen der Gemeinde Waschenbach bis 1972





Mittelalterliche Wolfsangel:
Der obere Teil, an dem die Kette angebracht ist, ist das Wolfseisen, das in seiner Form variieren kann, wie hier zum Beispiel:



In ähnlicher Form ist es vom Frankensteiner Wappen in das Nieder-Beerbacher Wappen und von dort in das Gemeindewappen Mühltals eingegangen.

Siehe die nebenstehenden Ausführungen von Heinz Bormuth zum Gemeindewappen der damaligen Gemeinde Nieder
-Beerbach



Auch in Nieder-Ramstadt
wird die Wolfsangel erwähnt:

Dr. Wilhelm Ludwig Friedrich
schreibt 1913 in seiner
„Geschichte von Nieder-Ramstadt ...“:

„Kein Wunder, daß in unserer Gemarkung, wie dies auch für andere hessische Gemarkungen erwiesen ist, nach dem Kriege [dem Dreißigjährigen Kriege] die Wölfe wieder in größeren Scharen auftraten. Wir schließen das aus dem Flurnamen 'uffm Wolfsangel' , der aber nur ein einziges Mal in einem Nieder-Ramstädter Abgabenbuch vom Ende des 17. Jh. gelesen wird … Aber so viel scheint doch wahrscheinlich zu sein, daß dort wegen der häufig vorüberkommenden Wölfe besondere Fallen aufgestellt waren, da das Wort 'die Wolfsangel' eine Wolfsfalle bedeutet.“



Gemeinde Modautal

Auch die Gemeinde Modautal zeigt das Wolfseisen, die Wolfsangel oder die Wolfsfalle in ihrem Gemeindewappen von 1982.

Die Modautaler Orte Allertshofen und Hoxhohl waren wie das Mühltaler Nieder-Beerbach Teile der Herrschaft Frankenstein, daher die Wolfsangel als deren Symbol im Hoheitszeichen der seit 1977 im heutigen Zuschnitt bestehenden Gemeinde Modautal.

Aber auch die anderen Symbole zeigen die enge historische Verwandtschaft der heutigen Gemeinden Modautal und Mühltal:
Die Rauten im Modautaler Wappen sind übernommen aus dem Zeichen der Herren von Wallbrunn, die in Asbach, Ernsthofen, Klein-Bieberau und Neutsch herrschten. Die Wallbrunner aber waren die Nachfolger der Herren von (Nieder-)Ramstadt, die sich seit dem Umzug ins eigene Schloß in Ernsthofen „von Wallbrun“ nannten.

Das Andreaskreuz als Teilung des Wappenschildes stammt aus dem Hoheitszeichen der Gemeinde Neutsch, dem Mühltaler Nachbardorf.

 

Rot und Weiß

 

sind die Farben der Gemeinde Mühltal: Weiß mit roten Streifen beiderseits, in der Mitte das Gemeindewappen. Rot und Weiß haben keine mühltal-spezifische Bedeutung, sondern wFrankensteineisen auf die Farben der hessischen Landesherrschaft hin, der alle Vorgänger-Gemeinden in ihrer Geschichte zumindest zuletzt unterstanden. Allerdings führten einige Mühltal-Gemeinden bis zu ihrer Zwangs-Vereinigung zu Mühltal eigene Fahnen mit anderen Bedeutungen.

Auf Gold drei grüne Eicheln auf einem Stiel aus einem unterhalben, roten Mühlrad wachsend, begleitet von einem roten Wolfseisen und einer roten Brezel“

So knapp und klar ist das Wappen amtlich beschrieben. Es ist die Sprache der Heraldik, in der Eingeweihte erkennen, wie ein solches „Logo“ unmißverständlich auszusehen hat.

Mühltals Wappen ist das bekannteste Hoheitszeichen der kommunalen Gebietskörperschaft. Seine Bedeutung läßt sich ermessen daran, daß auch in Siegel und Fahne die Darstellung des Wappens wiederkehrt.

Die Hoheitszeichen dürfen nicht unberechtigt geführt und weder mißbraucht noch verunstaltet werden.

Mühltals Wappen ist naturgemäß nicht älter als die junge Gemeinde: Sie wurde am 1.1.1977 aus den Mühltalgemeinden gebildet, und die Gemeindevertretung nahm am 12.9.1978 kraft Beschlusses einen Entwurf des Hessischen Staatsarchivs an an. Das Hessische Innenministerium hat es am 8.3.1979 genehmigt (Staatsanzeiger Seite 598). Die Wappen als Hoheitszeichen der bis dahin bestehenden Gemeinden verloren mit dem Ende von deren kommunalen Existenz naturgemäß ihre amtliche Bedeutung.

 

Die Elemente des Wappens

 

Die Verfasser des Wappens haben noch ganz unter dem Eindruck der Vereinigung historisch gewachsener Gemeinden die wesentlichen Symbole aus deren Hoheitszeichen gewählt und zu dem heutigen Wappen zusammengefügt.

Wie auch in der Geografie das Dorf Frankenhausen am höchsten liegt, so überragen die Eicheln aus dessen Wappen die Zeichen der „Talgemeinden“. Das Wolfseisen symbolisierte im Nieder-Beerbacher Wappen die Herrschaft der Frankensteiner und behält nun diese Bedeutung im Mühltaler Wappen. Eine Brezel steht für die in Nieder-Ramstadt und Traisa blühende gemeinsame Zunft des Müller- und Bäckerhandwerks, das den Menschen in beiden Dörfern über Jahrhunderte Arbeit und Brot brachten.

Das Mühlrad schließlich entspringt dem Gemeindewappen Waschenbachs, wird aber gerne auch als gemeinsames Zeichen für das gesamte Mühltal gedeutet.

 

Das Frankensteiner Wolfseisen

wird weiter unten unter dem ehemaligen Gemeindewappen Nieder-Beerbach erklärt.

 

Die drei Eicheln im Frankenhäuser und im Mühltaler Wappen

Von Heinz Bormuth

Öffnen Sie hier oder unter „Frankenhausen“ die pdf-Datei:

 

Die Wappen der ehemaligen Gemeinden

 

Frankenhausen

Das Frankenhäuser Wappen ist das älteste (amtliche) Wappen unter denen der ehemaligen Mühltalgemeinden. Dr. Wendel Mertz, 1955 Frankenhausen im Odenwald:

Im alten Frankenhäuser Wappen erscheint ein Eichenzweig mit drei Eicheln, wie das dem Kriegsschadenverzeichnis von 1625 beigedruckte Gerichtssiegel zeigt. ... Ein neues, etwas abgewandeltes Wappen ist Frankenhausen durch Erlaß des Hessischen Innenministers vom 15.12.1951 verliehen worden. Das Wappen in der alten Form konnte nicht verliehen werden, da schon zwei andere Orte im Gebiet des alten Reichsbannforstes Dreieich ähnliche Wappen führen.“

 

Die drei Eicheln im Frankenhäuser und im Mühltaler Wappen

Von Heinz Bormuth

Öffnen Sie hier die pdf-Datei:

 

 

Eine Flagge wurde der Gemeinde Frankenhausen am 27.3.1957 genehmigt: Das Gemeindewappen auf weißer Fahne mit breiten roten Seitenstreifen.

 

Nieder-Beerbach:

 

Hier zum Vergleich eine Zeichnung des Nieder-Beerbacher Wappens (links) mit dem Wappenschild der Herren von Frankenstein (Mitte). Rechts eine besonders schöne Gestaltung des Frankensteiner Wappens.

Die amtliche Beschreibung:

In goldenem Schild ein schwarzbrauner Bär mit roter Zunge und roten Klauen über 6 blaue Steine schreitend; in der rechten Klaue ein rotes Frankensteiner Steinbeil.

 

Das Frankensteiner Wolfseisen
von Heinz Bormuth

 

Viel Verwirrung hat es schon um das Wappensymbol der Frankensteiner gegeben. Als Hinweis auf die ehemalige Zugehörigkeit Nieder-Beerbachs zur damaligen Herrschaft Frankenstein hat die Gemeinde Nieder-Beerbach die Frankensteiner Wappenfigur im Gemeindewappen geführt. Sofern kein Übertragungsfehler vorliegt, wird sogar in der amtlichen Beschreibung des Gemeindewappens das Zeichen völlig falsch als „Steinbeil“ bezeichnet.

Heinz Bormuth schreibt dazu im „Schnellerts-Bericht 2004“ der Forschungsgemeinschaft Schnellerts:

. . . Das Frankensteiner Wappenbild ist nicht immer als Wolfseisen erkannt worden, selbst der Neue Siebmacher (Standardwerk der deutschen Heraldik) bezeichnet es als Streitaxt ohne Stiel, andere Wappenbeschreibungen als Ledermesser (Halbmond der Schuhmacher und Sattler) oder als Schabeisen (der Gerber). Vergleiche mit den im Schloß Warthausen über Biberach am Riß verwahrten Wolfsfallen bestätigt jedoch die Bezeichnung Wolfseisen.

Als Falle für Wölfe wird schon um 800 die Wolfsangel genannt. Man verstand darunter ein Eisenstück mit zwei oder mehr gegenläufigen Haken, das mit dem Köder gespickt dem annehmenden Tier grausame Verletzungen zufügte. . . .

Im hohen Mittelalter steht die Bezeichnung Wolfsangel für zweiteilige Wolfsfallen, die an einem Baumast in Sprunghöhe des Tieres aufgehängt wurden. Diese Fallen bestanden aus dem bespickten Haken, der mit einer Kette an einem ankerförmigen Oberteil hing. Die sichelartigen Rundungen des Oberteiles waren auf der Innenseite geschärft, so daß sie an einem starken Ast eingehakt werden konnten und den Köder in der vorgesehenen Höhe hielten.

Dieses sichelförmige Oberteil wird in der Wappensprache als Wolfseisen bezeichnet. . . .“


Das Wappen der Frankensteiner
von Heinz Bormuth:

 

Nieder-Ramstadt:

Links das staatlich genehmigte Gemeindewappen Nieder-Ramstadts (von der Gemeindevertretung beschlossen am 6.10.1966, genehmigt vom Hess. Innenministerium am 17.2.1967, Staatsanzeiger 1967, Seite 299)

Die amtliche Beschreibung: Im von Silber und Rot gevierten Schild in den silbernen Feldern je ein blaues Rebblatt und in den roten Feldern je eine goldene Brezel.

In der Mitte das Gemeindesiegel aus dem Jahr 1635 in einer Zeichnung wie auch als Foto eines Originalabdrucks. Brezel, Weck und Mühleisen symbolisieren den wirtschaftlichen Wohlstand in der Gemeinde, resultierend aus dem erfolgreichen Müller- und Bäckerhandwerk. Ein Siegel in gleicher Form gab es mit der Jahreszahl 1622, das jedoch noch im gleichen Jahr beim Mansfelder Einfall verloren ging.

Auf die Symbole der Gerichtssiegel geht das alte Ortswappen (oben rechts) zurück: In der Statistik und Topographie des Landratsbezirkes Reinheim von 1827 heißt es:

Das Wappen besteht in einer Mühlhaue, einem Wasser- und einem Spitzwecke und einer Brezel, welches sich auf das Mühlengewerbe und den Handel mit Mehl bezieht, worin der Ort bedeutende Freiheiten genoß.“


Ob es sich bei den erstgenannten Zeichen im Wappen um eine Mühlhaue, eine Müllerhaue oder ein Mühleisen handelt, hat schon Gesprächsstoff entfacht. Falsch ist, daß es sich bei einer Haue um das hammerähnliche Werkzeug handele, mit dem Mühlsteine „geschärft“, d.h. ihre abgenutzten Furchen wieder aufgeraut, vertieft wurden.

Tatsächlich sind Mühlhaue oder Müllerhaue veraltete fachliche Begriffe für das Mühleisen, das wichtigste Werkzeug für den Müller. Es ist das schmiedeeiserne Stück, das im Läufer des Mahlganges fest eingelassen ist, schwalbenschwanzförmig gestaltet, und das wchtigste Stück Eisen in der Mühle überhaupt. In ihm ist die Spindel, die den Läufer
hält, vierkantig im Mühleisen geschmiedet, befestigt. Wenn dieses Eisen zerbricht oder den festen Halt im Läufer verliert, ist eine Umdrehung des Läufers unmöglich, und der Mahlgang liegt still. Das vierkantige Loch inmitten und die schwalbenschwanzförmige Gestalt sollen bewirken, daß die Spindel fest und unverrückbar im Läufer festgehalten wird.

Am 1840 abgebrochenen Rathaus befand sich das Wappen in Stein mit der Jahreszahl 1599 eingemauert.

Das alte Wappen ist in Nieder-Ramstadt über Generationen volkstümlich gebraucht worden und wird teilweise noch heute verwendet. Es zeigt im roten Schild waagrecht eingelegt das silbernes Mühleisen, darüber eine goldene stehenden Brezel und zwei verschiedene gekreuzte goldene Wecken (Nachzeichnung rechts).

Traisa:

Links das amtliche Wappen. Die drei Sterne im goldenen Band des heutigen amtlichen Wappens erinnert an „die drei Dreysen“ aus denen Traisa einst entstand: Nieder-Traisa, Mittel-Traisa und Ober-Traisa. Die Brezel erinnert an die Zunft der Traisaer Bäcker, die über Jahrhunderte Arbeit und Brot für die Menschen brachte. Die schräggestellten Rauten zeigen die Farben der ersten Herrschaften über Traisa.

In der Mitte ein Zunftwappen der Traisaer Bäcker, die in einer Zunft mit den Nieder-Ramstädter Müllern und Bäckern vereinigt waren. Deshalb auch die große Ähnlichkeit mit dem Zunftwappen in Nieder-Ramstadt – nur ohne das Symbol des Müllerhandwerks.

Wie dort war das Zunftwappen über drei Jahrhunderte bis zur Genehmigung eines amtlichen Gemeindewappens in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im volkstümlichen Gebrauch. Seine Elemente sind Brezel und Wecken wie im alten Nieder-Ramstädter Ortswappen. Es fehlt konsequenterweise die Mühlhaue, weil Mühlenbetriebe in Traisa naturgemäß fehlten.

Das gleiche trifft für die erhaltenen Siegel der beiden Nachbarorte aus dem 17. Jahrhundert zu (siehe Zeichnung oben unter „Nieder-Ramstadt“), für Traisa aber wie beim Wappen ohne d Mühlhaue (Abb. oben rechts).

Amtliche Beschreibung:

In Blau über einem goldenen, von drei roten fünfstrahligen Sternen belegten Querbalken oben eine goldene Brezel, unten drei von Silber und Rot geschachtete Schräglinksbalken (siehe Abdruck in der rechten Spalte).

 

Waschenbach:

Der Löwenkopf verweist auf die katzenelnbogische und dann hessische Herrschaft über das Dorf, der Wellenbalken wie auch das Mühlrad auf die frühe Bedeutung der Waschenbacher Mühle.

Die amtliche Beschreibung:

In Blau beseitet von einem rechtsgewendeten stilisierten dreizackig bekrönten und rotbezungten Löwenkopf und einem goldenen, sechsspeichigen und mit 12 Radschaufeln versehenen Mühlrad, ein silberner Schräglinkswellenbalken.