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Geschichte > Mühltal (überörtlich)

Stand: 17. Dez 2012

 

 

 


 

Von der Großherzoglich-hessischen Verfassung


Die Wahlen zur 2-Stände Kammer

Landgraf Ludwig X., ab 1806 Großherzog Ludwig I., hatte sich nach langem Zögern 1820 eine Verfassung abringen lassen. Staatsminister von Grolmann und Staatsrat Eigenbrodt waren dabei treibende Kräfte.

Artikel 4 der Verfassung bestimmt: „Der Großherzog ist das Oberhaupt des Staates, vereinigt in Sich alle Rechte der Staatsgewalt und übt sie, unter den von Ihm gegebenen, in dieser Verfassungsurkunde festgesetzten Bestimmungen, aus. Seine Person ist heilig und unverletzlich“.

Die dankbaren „Untertanen“ setzten ihm nach seinem Tod ein Denkmal, das Ludwigs-Monument in Darmstadt. In seiner Regierungszeit hat sich Hessen-Darmstadt mehrfach gewandelt. 1803 hatte die Landgrafschaft 100 Quadratmeilen mit 300.000 Einwohnern und 700 000 fl. Einnahmen.

1816 als Großherzogtum 153 Quadratmeilen mit 627 000 Einwohnern und 3 Millionen Gulden Einnahmen. 1822 hatten die drei Provinzen Starkenburg 235 274 Einwohner, Oberhessen 257 914 Einwohner, Rheinhessen 178 591 Einwohner, zusammen 671 779 Einwohner. 1823 betrug die Staatsschuld 13 433 625 fl. 1824 waren die Einkünfte 6 074 396 fl. Die Staatsausgaben betrugen 5 816 982 fl. Bei nur um ca. 50 000 gestiegener Einwohnerzahl eine Verdopplung der Staatseinkünfte!

1820 waren nur 987 Staatsbürger wählbar in die 2. Kammer: Das Wahlgesetz regelte, daß die erste Kammer aus den Prinzen des Großherzoglichen Hauses, aus den Häuptern standesherrlicher Familien, dem Senior der Familie des Freyherrn von Riedesel, dem katholischen Landesbischof, einem protestantischen Prälaten, dem Kanzler der Landesuniversität Gießen und aus maximal 10 Staatsbürgern besteht, welche der Großherzog auf Lebenszeit dazu beruft.

Einer der ersten sollte der „wirkliche geheime Rath und Hofmarschall Carl du Bos Freiherr du Thil“ sein. Und den Prinzen Emil bestimmte er zum Präsidenten der 1. Kammer - beide nicht gerade glühende Anhänger dieser Verfassung. Alle Angehörige dieser Kammer mußten mindestens 25 Jahre alt sein.

Die der 2. Kammer sollten mindestens 30 Jahre alt sein. Sie bestand aus 6 Adligen, die 300 fl. Steuern und mehr zahlten, aus 10 Abgeordneten der Städte (Darmstadt und Mainz stellten zwei, Gießen, Offenbach, Friedberg, Alsfeld, Worms und Bingen je einen) und zuletzt 34 Abgeordnete, die in Wahlbezirken nach einem 3-Stufen-Wahlrecht gewählt wurden. Aus dem Personenkreis der 987 wählbaren Staatsbürger wurden „Bevollmächtigte“, von diesen die „Wahlmänner“ gewählt, die dann letztendlich die 34 Abgeordneten bestimmten. Diese Wahl geschah alle 6 Jahre. Die Stände wurden alle 3 Jahre einberufen.

Im Großherzoglich Hessischen Regierungsblatt Nr. 25, vom 3 May 1820 wurden die Namen aller 987 wählbaren Staatsbürger veröffentlicht. Wählbar waren sie, da sie entweder 100 fl. Steuern zahlten oder ein Einkommen von 1000 fl. Hatten. 1820 waren dies aus

Nieder-Ramstadt: Bender, Wilhelm Christian Illig Commissionsrath (Papiermühle), Schneider Wilhelm, Zeh Johann,
Traisa: Stäbly, Jacob.

Bei der Wahl 1848 waren 1821 Personen wählbar, doppelt so viel als 1820. Ein Zeichen von wirtschaftlichem Aufstieg, vor allem bei Müllern und Landwirten. Es waren dies aus

Nieder-Ramstadt: Bender,Wilhelm Christian (Landwirth), Fischer Jakob (Müller), Friedrich Wilhelm (Müller), Götz Wendel (Müller), Pfaff Wilhelm (Müller),
Traisa: keiner.

Es fällt bei der 1848er Wahl auf, daß die Landwirte den größten Teil der Wahlberechtigten stellten, nämlich 296, Müller sind es 77 und Fabrikanten 45. Davon allein 13 in Offenbach, 11 in Mainz, 4 in Alsfeld und je 2 in Darmstadt und Gießen. Es ist die Zeit der zögernd beginnenden Industrialisierung im Großherzogtum und großer politischer und wirtschaftlicher Veränderungen.


 

Verfasser:
Karl-Heinrich Schanz






Großherzoglich-hessisches Wappen (bis 1918)